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38 Radfahrer starben 2018 durch Lkw-Abbiegeunfälle: So könnten sie verhindert werden

Abbiegeunfälle sind eine ernst zu nehmende Gefahr für Radfahrer und Fußgänger. Im Interview spricht Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, über Unfallursachen und wie tödliche Ausgänge vermeidbar wären.

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Herr Brockmann, gibt es wirklich mehr schwere Fahrradunfälle mit Lkw, die rechts abbiegen. Oder wird nur mehr darüber berichtet?

Die amtliche Statistik erfasst dieses Phänomen nicht getrennt – leider. Aber es lässt sich heute mithilfe von Berichten im Internet nahezu jeder Unfall dieser Art recherchieren. Nach unserer Zählung sind 2018 in Deutschland 38 Fahrradfahrer bei Unfällen mit rechts abbiegenden Lkw getötet worden. 2017 waren es weniger als 30. Zum Geschehen in diesem Jahr lassen sich noch keine aussagekräftigen Angaben machen.

In welchem Verhältnis steht das Ganze zur Zahl der tödlichen Fahrradunfälle insgesamt?

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Man muss wissen: Vier 4 Prozent aller Fahrradunfälle mit Verletzten geschehen mit Lkw-Beteiligung, über 60 Prozent mit Pkw. Auch bei tödlichen Fahrradunfällen ist der Pkw Hauptunfallgegner. Dann folgen sogenannte Alleinunfälle – also Unfälle ohne einen weiteren Beteiligten. Erst mit Abstand folgen Unfälle mit Lkw.

Unfallforscher Siegfried Brockmann.

Wird das Thema in der öffentlichen Debatte überschätzt?

Was die Quantität betrifft sicherlich. Aber Unfälle von Fahrradfahrern mit Lkw sind natürlich furchtbare Unfälle. Jeder, der davon hört, leidet mit.

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Wie verlaufen die meisten dieser Unfälle?

Das Hauptszenario ist: Der Fahrradfahrer wird übersehen. Dann wird er von der rechten vorderen Front des Lkw getroffen, und dadurch kommt es zum Sturz. Entweder bemerkt der Lkw-Fahrer dies noch und stoppt. Oder er bemerkt es nicht, dann wird der Fahrradfahrer von der ersten Achse überrollt – in manchen Fällen auch von den anderen Achsen.

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Wer bekommt bei solchen Unfällen meistens die Schuld?

Schuld ist kein juristischer Begriff. Es wird geklärt, wer der Hauptverursacher ist. In den meisten Fällen ist das der Lkw. Aber selbst wenn dem Lkw-Fahrer kein Vorwurf zu machen ist, werden ihm mindestens 25 Prozent zugerechnet. Das liegt begründet in der sogenannten Betriebsgefahr, die von einem motorisierten Fahrzeug ausgeht. Häufig beklagen sich Lkw-Fahrer darüber, dass – obwohl sie bereits geblinkt haben – Radfahrer auf der Straße rechts an ihnen vorbeiziehen. Das jedoch ist in Deutschland nicht verboten.

Wie viel mehr Sicherheit versprechen Abbiegeassistenten?

Sie bringen uns jedenfalls einen großen Schritt nach vorn, was Sicherheit angeht. Heutige Abbiegeassistenten können warnen. Reagiert der Lkw-Fahrer dann optimal und bremst, würde so gut wie kein Unfall beim Rechtsabbiegen mehr tödlich verlaufen. Mag sein, dass der Radfahrer trotzdem noch erwischt wird. Überrollt werden würde er aber nicht mehr.

Gibt es genügend Systeme, die funktionieren?

Zu viele Fehlwarnungen führen dazu, dass Lkw-Fahrer genervt sind und das System ignorieren, weil es keinen Nutzen hat. Es gibt inzwischen auf dem Markt Abbiegeassistenten mit Betriebserlaubnis vom Kraftfahrt-Bundesamt, die Fehlwarnungen weitgehend vermeiden.

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Was halten Sie von einer Nachrüstpflicht?

Das müsste man ja auch erst einmal international durchsetzen und wäre auch nicht unproblematisch, beispielsweise, wenn ein Lkw ohnehin kurz vor der Ausmusterung steht. Das Förderprogramm war deshalb eine gute Idee. Es müsste aber aufgestockt und noch mindestens drei Jahre fortgeführt werden.

Oder wäre es eine Alternative, stärker in die Verkehrsführung einzugreifen – etwa über Fahrradweichen, die den Geradeausverkehr weg von der rechten Lkw-Seite führen, oder über Ampelschaltungen?

Solche Maßnahmen machen Investitionen in Abbiegeassistenten sicherlich nicht überflüssig. Viele Kreuzungen haben ja gar keine Ampel. Aber mit Hilfe von getrennten Ampelschaltungen für Fahrradfahrer und für den Kraftfahrzeugverkehr könnten viele Unfälle verhindert werden – übrigens nicht nur Unfälle mit Lkw.

Von Rasmus Buchsteiner

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