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3,1 Millionen Erwerbstätige in Deutschland 2019 von Armut bedroht

  • 3,1 Millionen Menschen mussten trotz Arbeit mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen.
  • Die Armutsgefährdung von Erwerbstätigen ging im Vergleich zum Jahr 2018 nur leicht zurück.
  • Der Bildungsabschluss trägt besonders stark dazu bei, ob Menschen von ihrer Erwerbsarbeit gut leben können oder nicht.
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Wiesbaden. Schon vor der Corona-Pandemie waren acht Prozent der Erwerbstätigen ab 18 Jahren im Jahr 2019 in Deutschland armutsgefährdet. Rund 3,1 Millionen Menschen mussten also trotz Arbeit mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) der Gesamtbevölkerung auskommen, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. 2019 lag die Armutsgefährdungsgrenze in Deutschland für eine alleinlebende Person bei 1.176 Euro im Monat und für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2.469 Euro.

Die Armutsgefährdung von Erwerbstätigen ging im Vergleich zum Jahr 2018 um gut einen Prozentpunkt zurück: Damals hatte sie 9,1 Prozent betragen. Der Rückgang fiel deutlicher aus als im Durchschnitt der 27 EU-Mitgliedsstaaten, wie es hieß: Hier sank der Anteil von 9,3 Prozent auf 9,0 Prozent. Insgesamt waren Erwerbstätige hierzulande also etwas seltener armutsgefährdet als im EU-Durchschnitt. In Rumänien waren Erwerbstätige mit einem Anteil von 15,7 Prozent EU-weit am häufigsten von Armut bedroht, in Finnland (2,9 Prozent) am seltensten.

15,4 Prozent der Menschen ab 65 Jahren unter Armutsgefährdungsgrenze

Erwerbstätige in sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnissen waren in Deutschland den Angaben zufolge überdurchschnittlich häufig von Armut bedroht. Dazu zählen etwa Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in befristeten Arbeitsverträgen - hier betrug der Anteil der von Armut Bedrohten 15,8 Prozent. Bei Teilzeitbeschäftigten lag er mit 12,8 Prozent ebenfalls deutlich über dem Gesamtdurchschnitt. Unter anderem könnte auch die sinkende Zahl atypischer Beschäftigungen zum Rückgang der Armutsgefährdung im Jahr 2019 in Deutschland beigetragen haben, wie die Statistiker erklärten.

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Insgesamt 15,4 Prozent der Menschen ab 65 Jahren seien trotz Erwerbsarbeit, mit der sie etwa ihre Rente aufbessern, unter die Armutsgefährdungsgrenze gefallen, hieß es weiter. Auch junge Erwerbstätige im Alter von 18 bis 24 Jahren, die häufig gerade erst dabei sind, beruflich Fuß zu fassen, waren mit 10,1 Prozent überdurchschnittlich häufig betroffen. Darüber hinaus waren alleinlebende Erwerbstätige mit einem Anteil von 13,5 Prozent vermehrt armutsgefährdet. Besonders hart traf es Alleinerziehende: Mehr als jede oder jeder fünfte erwerbstätige Alleinerziehende (22,3 Prozent) war 2019 armutsgefährdet.

Der Bildungsabschluss trägt laut Statistischem Bundesamt besonders stark dazu bei, ob Menschen von ihrer Erwerbsarbeit gut leben können oder nicht: Je höher der erworbene Abschluss, desto besser stehen hierfür die Chancen.

RND/epd

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