Proteste: Spanische Regierung droht mit Konsequenzen

  • Die verhängten Haftstrafen gegen führende katalanische Separatisten bringen in der spanischen Region Katalonien erneut Demonstranten auf die Straße.
  • Dabei kommt es zu Zusammenstößen mit der Polizei und mehr als 70 Verletzten.
  • Die spanische Regierung droht mit Konsequenzen.
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Barcelona. Bei neuen Protesten in der spanischen Region Katalonien gegen die Urteile für neun Separatistenführer ist es in der Nacht zum Mittwoch zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Teils vermummte Demonstranten setzten Medienberichten zufolge unter anderem in der Regionalhauptstadt Barcelona Barrikaden und Kartons in Brand, warfen Gegenstände und beschimpften Polizisten. Die mit Schutzkleidung und Schilden ausgerüsteten Beamten versuchten mit Schlagstöcken, die Situation unter Kontrolle zu halten.

In verschiedenen Städten der Region im Nordosten des Landes seien 25 Menschen festgenommen worden, darunter in Barcelona, Tarragona und Lleida, zitierte die Zeitung "El País" eine vorläufige Bilanz der Regionalpolizei Mossos d’Esquadra. 74 Menschen mussten demnach wegen Verletzungen behandelt werden.

Auf Fotos waren brennende Straßen zu sehen. "Offene Schlacht in Barcelona", titelte die katalanische Zeitung "La Vanguardia" in ihrer Online-Ausgabe. Die Festnahmen seien wegen Angriffen auf Beamte oder Gefährdung der öffentlichen Ordnung erfolgt, hieß es in den Medien.

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Proteste in Katalonien schlagen erneut in Gewalt um
0:55 min
Die Proteste gegen die Verurteilung von Anführern der Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien sind am Dienstag erneut in Gewalt umgeschlagen.  © AFP

Spanische Regierung droht mit Konsequenzen

Die spanische Regierung hat inzwischen für ein Ende der Gewalt in Katalonien angekündigt, zu allen notwendigen Mitteln zu greifen. „Alles ist vorbereitet und (die Regierung) wird wenn nötig handeln, mit Entschlossenheit, Angemessenheit und Einheit“, verbreitete sie am Mittwoch in einer Erklärung. Kein Szenario werde ausgeschlossen, sagte demnach der amtierende spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez und traf sich mit anderen politischen Spitzenkräften.

Ministerpräsident Sánchez verurteilte die Gewalt und twitterte: „Alle Unterstützung für die Sicherheitskräfte.“ Sánchez muss sich in gut drei Wochen vorgezogenen Neuwahlen stellen. Der Chef der bürgerlichern Ciudadanos, Albert Rivera, reiste nach Barcelona und erklärte, das Land stehe vor einem „Notstand“. Der Chef der konservativen Volkspartei PP, Pablo Casado, forderte ein Dekret der Regierung, um Madrid die volle Kontrolle über die katalanische Regionalpolizei zu geben. Die Rechtsaußenpartei Vox verlangte ein zeitweises Aushebeln einiger Bürgerrechte.

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Derweil rief der separatistische Parlamentsabgeordnete Gabriel Rufián zur Ruhe auf. „Nichts kann Gewalt rechtfertigen“, sagte er dem Radiosender Cadena SER. Dagegen weigerte sich der katalanische Regierungschef Quim Torra, die Gewalt auf den Straßen ausdrücklich zu verurteilen.

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Das Oberste Gericht in Madrid hatte im Zuge des illegalen Abspaltungsreferendums von Oktober 2017 am Montag lange Haftstrafen für frühere katalanische Spitzenpolitiker von bis zu 13 Jahren verhängt. Zu den anschließenden Kundgebungen hatten die zivilen Organisationen Katalanische Nationalversammlung (ANC) und Omnium Cultural aufgerufen, deren frühere Chefs ebenfalls auf der Anklagebank saßen und zu jeweils neun Jahren Gefängnis verurteilt worden waren. Bereits nach Verkündung der Urteile war es am Montag zu Protesten gekommen.

Katalonien im Nordosten Spaniens ist eine wirtschaftlich starke Region. In den vergangenen Jahren hatten verschiedene Politiker das Bestreben nach Unabhängigkeit von Spanien vorangetrieben.

RND/dpa

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