24 Millionen Amerikaner haben schon gewählt

  • Noch nie haben so viele Amerikaner schon in so großem Abstand zum Wahltag ihre Stimme bei einer Präsidentschaftswahl abgegeben wie jetzt.
  • An der University of Florida laufen derzeit Daten von allen regionalen Wahlleitern der USA zu Forschungszwecken zusammen.
  • Danach liegen registrierte Demokraten mit großem Abstand vor den Republikanern – das dürfe man aber nicht als Trendmeldung missverstehen, sagt der Leiter des Projekts im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.
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Michael McDonald, Politikprofessor an der University of Florida, versammelt auf seinen Rechnern gerade die im Augenblick interessantesten Daten des amerikanischen Politikbetriebs: laufend aktualisierte Meldungen über die Wahlbeteiligung aus allen Teilen der USA.

Unter dem Titel „United States Elections Project“ laufen bei McDonald alle Daten zusammen, die die regionalen Wahlleiter quer durch die Bundesstaaten bislang registriert haben. Danach haben inzwischen 24,272 Millionen Amerikaner über Donald Trump und Joe Biden abgestimmt (Stand: 17.10.2020, 12 Uhr MESZ)

In den kommenden Tagen dürften diese sogenannten Early-Vote-Zahlen noch stark anwachsen – in vielen Bundesstaaten sind mittlerweile parallel zur Briefwahl auch Wahllokale eröffnet worden, in denen man schon vor dem 3. November seine Stimme auch persönlich abgeben darf.

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Lange Schlangen, Passanten spendieren Snacks

Als in Georgia in dieser Woche die Early-Voting-Lokale öffneten, bildeten sich extrem lange Schlangen. Restaurants lieferten Essen, Passanten spendierten Snacks.

“Noch nie in der Geschichte der USA haben so viele Amerikaner so früh vor einer Wahl ihre Stimme abgegeben”: Professor Michael McDonald von der University of Florida leitet das “United States Elections Project”. © Quelle: University of Florida

„Noch nie in der Geschichte der USA haben so viele Amerikaner so früh vor einer Wahl ihre Stimme abgegeben“, sagte McDonald dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Hintergrund seien die Sorgen vieler Amerikaner mit Blick auf mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Wahl. Auch die Viruskrise spiele eine Rolle. Es gebe aber auch eine gute Nachricht: Das generelle Vertrauen der Amerikaner in die Institutionen sei nicht erschüttert.

Unter den Wählern, die bisher ihre Stimme abgegeben haben, dominieren nach dem Datenmaterial von McDonald deutlich die Demokraten, sogar im Verhältnis zwei zu eins.

Die Demokraten liegen mit großem Abstand vorn

Aus 15 Staaten liegen Daten von Wählern vor, die entsprechend dem jeweiligen Wahlrecht nach Parteizugehörigkeiten sortiert sind. Darunter sind 5.766.377 abgegebene Stimmen von registrierten Demokraten und nur 2.468.418 von registrierten Republikanern.

Im wichtigen Swing State Florida haben 1.124.439 Demokraten bereits ihre Stimme abgegeben, aber nur 681.111 Republikaner.

„Diese ersten Eindrücke dürfen aber nicht als Trendmeldung für ein späteres Wahlergebnis missverstanden werden“, warnte McDonald im Gespräch mit dem RND. Präsident Donald Trump habe in letzter Zeit oft das System der Briefwahl diskreditiert und damit seine Anhänger gebremst. Derzeit nutzten vor allem die Demokraten die verschiedenen Möglichkeiten zur frühzeitigen Stimmabgabe. „Die Republikaner werden sich in umso größerer Zahl noch am 3. November in den Wahllokalen zeigen“, sagte McDonald.

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McDonald gilt in den USA als führender Experte auf dem Gebiet von Wahlrecht, Wahlsystemen und politischer Statistik. Als Politikwissenschaftler und Ökonom arbeitet er auch für die Washingtoner Denkfabrik Brookings. Zu seinen akademischen Stationen gehören die University of California in San Diego, und die Harvard University in Cambridge, Masschusetts.




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