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Zwilling im Mutterleib getötet: Frauenärzte zu Bewährungsstrafen verurteilt

  • Zwei Gynäkologen töten einen lebensfähigen Zwilling mit schwerer Hirnschädigung bei der Geburt.
  • Das Berliner Landgericht verurteilt die Frauenärzte wegen gemeinschaftlichen Totschlags zu mehrmonatigen Freiheitsstrafen.
  • Es wird damit gerechnet, dass der Fall vor den Bundesgerichtshof (BGH) geht.
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Berlin. Wegen Totschlags sind zwei Frauenärzte in Berlin schuldig gesprochen und zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Sie hatten bei einer Geburt einen Zwilling getötet, der an einer massiven Hirnschädigung erkrankt war. Das Landgericht verhängte am Dienstag ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung beziehungsweise ein Jahr und neun Monate auf Bewährung gegen die Mediziner.

Die Angeklagten – eine 58 Jahre alte Oberärztin und ein 73 Jahre alter Chefarzt im Ruhestand – hatten erklärt, sie seien davon ausgegangen, dass ihr damaliges Vorgehen bei einer Geburt per Kaiserschnitt rechtlich zulässig sei. Es wird damit gerechnet, dass der Fall vor den Bundesgerichtshof (BGH) geht.

Tödliche Kaliumchloridinjektion in die Nabelschnur gespritzt

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Die Mutter hatte einer Spätabtreibung des kranken Fötus zugestimmt. Ein sogenannter selektiver Fetozid wäre in diesem Fall rechtlich zulässig gewesen. Als bei der Frau jedoch in der 32. Schwangerschaftswoche die Wehen einsetzen, hätten die beiden Frauenärzte entschieden, das gesunde Kind per Kaiserschnitt auf die Welt zu holen.

Unmittelbar danach sei von den Medizinern die Nabelschnur des noch im Mutterleib befindlichen kranken Zwillings abgeklemmt worden, bis der Herzschlag zum Stillstand kam. Danach sei eine tödliche Kaliumchloridinjektion in die Nabelschnur gespritzt worden. Es handele sich um einen juristisch eindeutigen Fall, sagte der Richter. Weil die Geburt bereits begonnen hatte, sei das Vorgehen der Ärzte zu diesem Zeitpunkt Totschlag gewesen und keine Spätabtreibung mehr.

Verteidiger: "Maximal sicheren Weg" für den gesunden Fötus gewählt

Die Verteidiger argumentierten, ihre Mandanten seien von einer zulässigen Spätabtreibung ausgegangen. Sie hätten "den maximal sicheren Weg" für den gesunden Fötus gehen wollen. Eine medizinische Indikation für einen späten Abbruch habe vorgelegen. Die Eltern der Zwillinge hätten sich nach ausführlicher Beratung für einen sogenannten selektiven Fetozid im Mutterleib entschieden.

RND/dpa/epd