Zweiter Ringer könnte im Iran hingerichtet werden

  • Im Iran könnte am Wochenende ein Ringer hingerichtet werden, weil er bei einer Gruppenschlägerei einen Mann getötet haben soll.
  • Laut Medienberichten soll die Familie des Opfers über das Schicksal des Sportlers entschieden haben.
  • Der Fall erinnert an den Ringer Navid Afkari, der im September – trotz internationaler Proteste – erhängt wurde.
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Im Iran steht offenbar erneut die Hinrichtung eines Sportlers bevor. Das berichtet der Deutschlandfunk am Mittwoch und beruft sich auf die von iranischen Universitätsstudenten betriebene Nachrichtenagentur ISNA. Im Fokus steht der 29-jährige Mehdi Ali Hosseini, ein Ringer, der 2015 in eine Gruppenschlägerei verwickelt gewesen sein soll. Bei der Auseinandersetzung soll er einen jungen Mann getötet haben. Weitere Details und Informationen zu dem Vorfall gibt es nicht. Bekannt ist auch nicht, in welchem Gefängnis Hosseini sitzt und wo genau das Todesurteil vollstreckt werden soll.

Familie des Opfers soll über das Schicksal entschieden haben

Damit es nicht zur Hinrichtung kommt, versuchten andere Sportler, Politiker und Vertraute zwischen Hosseinis Familie und der des Opfers zu vermitteln. So schildert es der Bruder des Ringers laut Deutschlandfunk in einem Interview mit der Agentur ISNA. Hintergrund ist der, dass eine Hinrichtung unter Anwendung des sogenannten Talionsgesetzes erfolgen könnte. Das heißt, dass die Familie des Opfers über das Schicksal des Angeklagten entscheiden kann. In dem jetzigen Fall hätten sich die Angehörigen des Opfers dafür ausgesprochen, Hosseini zu erhängen. Als mögliches Datum nennt der Deutschlandfunk Sonntag, den 17. Januar.

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Der „United World Wrestling“-Verband will den Fall im Iran so lange nicht kommentieren, bevor es kein klareres Bild der Situation gibt. In einem Statement wird darauf hingewiesen, dass man noch Informationen sammle. Von dem iranischen Wrestling Verband wisse man bislang nur, dass es sich bei Mehdi Ali Hosseini um einen regionalen Wrestler handele, der nicht an nationalen oder auch internationalen Wettbewerben teilgenommen habe. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheine es sich um ein Strafverfahren ohne sportlichen Hintergrund zu handeln, so der Verband. Tatsächlich ist im Fall von Mehdi Ali Hosseini über politische Hintergründe im Zusammenhang mit der Tat oder dem Urteil nichts bekannt.

Erinnerung an den Fall des gehängten Sportlers Navid Afkari

Demonstranten halten am 12. September 2020 vor der Iranischen Botschaft Bilder des hingerichteten Ringers Navid Afkari und demonstrieren lautstark gegen dessen Hinrichtung im Iran. © Quelle: Annette Riedl/dpa

Die Hinrichtung eines Sportlers im Iran wäre kein Novum. Erst im September hatte das Land den Ringer Navid Afkari zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die Justiz hatte die Höchststrafe gegen den 27-jährigen Afkari damit begründet, er habe bei einer Demonstration 2018 einen Sicherheitsbeamten getötet. Afkari selbst hatte die Vorwürfe vehement bestritten. Seine Familie und Menschenrechtsorganisationen führten dagegen an, ein entsprechendes Geständnis sei durch Folter erpresst worden. Auch internationale Proteste – unter anderem vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC), der deutschen Bundesregierung und seitens des US-amerikanischen Präsidenten – konnten nicht verhindern, dass das Urteil am 12. September 2020 im Beisein der Familie vollstreckt wurde. Davor hatte das IOC ein Gnadengesuch eingereicht. Das Komitee lehnte es allerdings ab, den Iran von den Olympischen Spielen auszuschließen, mit Rücksicht auf die anderen Sportler des Landes.

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Iran steht in der Statistik zur Anzahl der Hinrichtungen ganz oben

Im Iran werden immer wieder Menschen hingerichtet, darunter viele Regimekritiker. Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International mussten allein im Jahr 2019 mindestens 251 Menschen sterben. Damit sind, so Amnesty International, allerdings nur die Mindestwerte genannt. Einige Staaten verschweigen absichtlich Todesstrafprozesse, andere führen keine Statistiken über die Zahl der Todesurteile und Hinrichtungen oder stellen sie nicht zur Verfügung. So sind in den Statistiken von 2019 nicht die Tausenden Hinrichtungen, die in der Volksrepublik China vollstreckt wurden, enthalten. Ohne China steht der Iran vor Saudi-Arabien (2019: 184) und Irak (2019: 100) an erster Stelle mit ihrer Anzahl von vollstreckten Hinrichtungen.


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