Zwei Tote bei Polizeieinsätzen in Bremen und Niedersachsen

  • Zwei mal haben Polizisten an zwei Tagen bei unterschiedlichen Einsätzen zur Waffe gegriffen.
  • Zwei Menschen starben.
  • Die Ermittlungen müssen nun zeigen, warum und unter welchen Umständen.
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Bremen/Twist. Nach zwei Polizeieinsätzen mit tödlichen Schüssen in Bremen und im emsländischen Twist ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen insgesamt drei Beamte wegen Totschlags beziehungsweise wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung. In Bremen wurde am Donnerstag ein 54-jähriger Mann mit zwei Schüssen getötet, der mit einem Messer auf die Beamten losging. Die Szene wurde vom Balkon eines Gebäudes per Handy gefilmt; das Video steht auf Youtube und wird von der Staatsanwaltschaft als authentisch angesehen.

Nach Angaben von Staatsanwalt Frank Passade vom Freitag war dem aus Marokko stammenden Mann die Wohnung im Stadtteil Gröpelingen fristlos gekündigt worden, da er in der Vergangenheit mehrfach durch Sachbeschädigung aufgefallen sei. Am Donnerstag seien Vertreter der Wohnungsgesellschaft zur Besichtigung der Wohnung vor Ort gewesen. Dabei seien sie von der Polizei begleitet worden. Eine psychische Störung des Mannes sei nicht ausgeschlossen worden.

Situation eskaliert, als der Mann eine sozialpsychiatrische Untersuchung machen soll

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Als die Polizei den 54-Jährigen für eine sozialpsychiatrische Untersuchung zur Wache bringen wollte, eskalierte die Situation, da der Betroffene das nicht gewollt habe. Auf dem Video ist zu sehen, dass der Mann im Innenhof der Wohnanlage ein längeres Messer in der Hand hält und vier Beamte bedroht, die ihn mit gezogener Waffe und lauten Rufen auffordern, das Messer wegzulegen. Als er auf einen der Beamten zuläuft, fallen die beiden tödlichen Schüsse. Dieses Video sei in dem Fall hilfreich und aufschlussreich, sagte Passade. "Wir ermitteln gegen zwei Beamte wegen Totschlags und müssen prüfen, ob der Schusswaffeneinsatz gerechtfertigt war."

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Am frühen Freitagmorgen starb ein 23-jähriger Mann in einem Krankenhaus, der bei einem Polizeieinsatz in Twist (Kreis Emsland) durch einen Schuss zunächst schwer verletzt worden war. Der Leichnam soll laut Staatsanwaltschaft nun obduziert werden. Gegen den Beamten, der den Schuss abgab, wurde ein Verfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Es deute bislang aber nichts darauf hin, dass der Schuss unverhältnismäßig gewesen sei.

Mann bedroht Menschen in Arztpraxis mit Messer - Schuss in Oberschenkel

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Dem Mann sei am Donnerstag bei einem Einsatz von einem Polizisten in den Oberschenkel geschossen worden, so die Staatsanwaltschaft. Er soll mit einem Messer bewaffnet mehrere Personen in einer Arztpraxis und einem Wohnhaus bedroht und angegriffen haben. Auch auf die herbeigerufenen Polizeibeamten sei der aus Guinea stammende Mann losgegangen. Er sei bereits wegen Gewaltdelikten strafrechtlich in Erscheinung getreten.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) äußerte sich bei der Innenministerkonferenz in Erfurt zu dem Vorfall. "Wenn ich hier richtig informiert bin, das sage ich mit allen Vorbehalten, hat es einen Schusswaffengebrauch gegeben, weil der Mann trotz Aufforderung, es nicht zu tun, mit dem Messer auf den Polizisten losstürmte." Der Mann sei gestorben. Er könne nicht sagen, ob der Mann verblutet sei oder ob es an "irgendwelchen Vorbelastungen" lag. Dies werde die weitere Untersuchung ergeben. "Der Schuss ins Bein war erstmal ja, würde ich mal sagen, nicht das Verkehrteste, wenn man keine Möglichkeit hat, den Angriff abzuwehren." Für Schlussfolgerungen sei es zu früh.

RND/dpa

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