“Zum Heulen schön”: Erste Corona-Messe im Kölner Dom

  • Kann man mit Mundschutz, zwei Metern Abstand und ohne Gesang einen würdigen Gottesdienst feiern?
  • Kardinal Woelki macht am Sonntag im Kölner Dom die Probe aufs Exempel.
  • Und siehe da, das Ergebnis fällt recht eindeutig aus.
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Köln. Die größte Kirche Deutschlands scheint plötzlich klein geworden. Eine überschaubare Gemeinde ist da am Sonntagvormittag im Kölner Dom zusammengekommen. 122 Teilnehmer, mehr nicht. Sie sitzen jeweils etwa zwei Meter auseinander, auf Plätzen, die mit einem großen Aufkleber markiert sind. Manche tragen Mundschutz, manche nicht. Es herrscht eine gespannte Erwartung, schließlich ist dies der erste öffentliche Gottesdienst im Dom seit dem 14. März. Normalerweise kommen zur 10-Uhr-Messe im Dom etwa 600 Gläubige, bei rund 800 Sitzplätzen.

In den vergangenen Wochen habe man sich mit der Übertragung im Internet beholfen, sagt Kardinal Rainer Maria Woelki zur Begrüßung. "Viele haben einfach als Corona-Engel gearbeitet und alte und gefährdete Menschen im Blick gehabt." Es sei aber auch schön, jetzt wieder real am Altar vereint zu sein. Obwohl vieles "aus den bekannten gesundheitlichen Gründen" noch nicht möglich sei, "ist es dennoch schon jetzt spürbar, wie bedeutsam die physische Präsenz, das physische Miteinander ist".

Intime Messe im großen Kölner Dom

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Für die Wiederaufnahme der Gottesdienste gelten deutschlandweit strenge Regeln. So streng, dass viele noch gar nicht wieder mitmachen wollen. "Wie ich von den einzelnen Stadtdechanten höre, sind die Pfarrer unseres Bistums nach wie vor sehr zurückhaltend bei diesem Thema", erläutert etwa der Sprecher des Bistums Essen, Ulrich Lota. "Viele finden, dass ein würdiger Gottesdienst unter den geltenden Corona-Vorgaben eigentlich nicht möglich ist."Diese Befürchtung wird am Sonntag im Kölner Dom jedoch weitgehend entkräftet. Die Messe verläuft durchaus würdevoll - auch wenn die Domschweizer, die Ordnungshüter des Doms, mit ihren Gesichtsmasken in Kombination mit den schwarzroten Roben etwas Geheimbündisches haben, so als kämen sie geradewegs aus dem neuesten Kirchen-Thriller von Dan Brown ("Sakrileg").

Es wird zwar nicht gemeinsam gesungen, aber einige sehr schöne Stimmen singen vor. Durch die wenigen Teilnehmer hat die Messe etwas Intimes. Beim Ausreichen der Kommunion steht der Priester hinter einer Plexiglasscheibe und reicht die Hostie darunter durch. Auf markierten Einbahnwegen gehen die Gläubigen zu ihrem Platz zurück.

"Das ist ja schon ein Fortschritt gegenüber den letzten Wochen", lautet Woelkis Bilanz am Ende der Messe. Es sei "jetzt wieder ein Stück Normalität eingekehrt", wenn auch noch nicht so wie zuvor. "Jetzt tritt der Alltag wieder ein." Draußen schwärmt Teilnehmerin Barbara Nöthen: "Es war schön. Zum Heulen schön."

RND/dpa

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