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Zu wenig Frauennamen: Neues deutsches Buchstabieralphabet soll kommen

Eine Buchstabiertafel aus einem Potsdamer Telefonbuch aus dem Jahr 1964 ist in der Bibliothek des Museums für Kommunikation Berlin zu sehen.

Eine Buchstabiertafel aus einem Potsdamer Telefonbuch aus dem Jahr 1964 ist in der Bibliothek des Museums für Kommunikation Berlin zu sehen.

Berlin. „Essen” statt „Emil” und „Xanten” statt „Xanthippe”? Geht es nach einem Vorschlag des Deutschen Instituts für Normung, könnte das Buchstabieren mit Städtenamen in Wirtschaft und Verwaltung bald neuer Standard in Deutschland werden - sie sollen die bislang vornehmlich genutzten Vornamen ersetzen. Das DIN-Institut hat seinen Entwurf einer Überarbeitung der in Norm DIN 5009 festgeschriebenen Buchstabiertafel neulich veröffentlicht und um Kommentare gebeten.

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Die DIN 5009 regelt, mit welchen Wörtern beim Diktieren Buchstaben verdeutlicht werden. Sie wird vor allem in Wirtschaft und Verwaltung genutzt, Rettungsdienste, Polizei oder Luftfahrt sind nicht betroffen. Zwar ist die Nutzung nicht verpflichtend, sie kommt aber etwa in Lehrbüchern vor. Bislang werden vor allem Vornamen („C wie Cäsar“, „E wie Emil“) genutzt - und zwar 16 Männer- und nur sechs Frauennamen. „Das entspricht nicht der heutigen Lebensrealität“, teilte das Institut mit. Es sei nicht möglich, alle relevanten ethnischen und religiösen Gruppen und dann auch noch geschlechtergerecht ausgewogen darzustellen. Städtenamen seien ein guter Kompromiss.

In dem Entwurf setzt man vor allem auf Orte, die ein Autokennzeichen mit einem Buchstaben haben. Man habe versucht, die Bundesländer in Ost und West ausgeglichen auszuwählen. Bei „Eszett“ und „Ypsilon“ bleibt es bei der einfachen Bezeichnung der Buchstaben. Die Umlaute heißen nicht mehr „Ärger“, „Ökonom“ und „Übermut“, sondern Umlaut-A, Umlaut-O und Umlaut-U.

Städte sind angetan vom Vorschlag

Viele Städte zeigten sich erfreut: „Vom damit verbundenen Bekanntheitsgrad würden wir als vergleichsweise kleine Stadt besonders profitieren“, hieß es etwa aus Tübingen. Die Stadt könnte bald fürs „T“ stehen. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) begrüßt den Vorschlag ebenfalls, künftig Städte- statt wie bislang überwiegend Vornamen zu verwenden. “Dann wäre Köln in aller Munde. Zudem fällt auf, dass auf der aktuellen Buchstabiertafel Frauennamen deutlich seltener vertreten sind als männliche Vornamen. Es gibt hier also durchaus Änderungsbedarf”, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

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Das DIN arbeitet schon seit vergangenem Herbst an den neuen Diktierregeln. Ausgelöst hat die Reform Michael Blume, Baden-Württembergs Antisemitismusbeauftragter. Ihn stört, dass in der aktuellen Tafel Relikte aus der Zeit der Nationalsozialisten stecken. Die hatten 1934 alle jüdischen Namen entfernt: Aus David wurde Dora, aus Nathan Nordpol, aus Samuel Siegfried. Zwar wurde die Tafel nach 1945 einige Male überarbeitet. Doch Nathan blieb draußen, Nordpol drin - jetzt könnte daraus Nürnberg werden.

Die Ende Juli vorgestellte Fassung mit den Ortsnamen ist ein Entwurf, Interessierte können sich noch mit Ideen und Kommentaren an das Institut wenden. Die endgültige Fassung wird Mitte 2022 erwartet.

RND/dpa

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