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Zehn Jahre nach der Atomkatastrophe: Fukushima wird das Gift nicht los

  • Zehn Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima weiß Japans Regierung nicht mehr, wohin mit dem verstrahlten Kühlwasser.
  • Nun soll es in den Ozean, in Tokio sieht man keine Alternative.
  • Der Aufschrei ist groß.
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Fukushima. Seit zehn Jahren wächst auf dem Kraftwerks­gelände Fukushima Daiichi eine Armee von zylinder­förmigen Behältern. Zehn Meter sind sie hoch, mehr als 1000 von ihnen ragen mittlerweile im Nordosten Japans in den Himmel. Es handelt sich gewissermaßen um Abfall­eimer für das Wasser, das hier jeden Tag die drei zerstörten Reaktoren des Atom­kraftwerks kühlt. Und weil es immer mehr Wasser wird, das in diesen Riesen­tanks lagert, fehlt allmählich der Platz.

Japans Regierung fragt sich schon seit Jahren: wohin mit dem Wasser? Ende der Vorwoche sickerte durch, was die Regierung vorhat und heute formal beschließen dürfte: Alles fließt in den Ozean.

Von 2023 an sollen mehr als 1,2 Millionen Tonnen radioaktives Wasser in die Natur abgelassen werden. Damit soll zumindest unter einen Teil dieser Jahrhundert­katastrophe ein Schluss­strich gezogen werden. Bislang hat das Kühl­wasser noch Schlimmeres verhindert.

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Vorbehalte gegen Produkte aus Fukushima

Der Region Fukushima, flächenmäßig in etwa so groß wie Schleswig-Holstein, hilft das erst einmal wenig: Sie leidet unter einem schlechten Ruf. In Japan sind die Menschen skeptisch gegenüber Produkten aus dieser Gegend.

Auch im Ausland führte die Atom­katastrophe zu heftigen Reaktionen. Diverse Staaten rund um die Welt verhängten Import­stopps gegen Nahrungs- und Genussmittel­güter aus Fukushima. Während die EU und die USA mittlerweile wieder Waren aus dem Gebiet einführen, bleibt der Zugang zu den Märkten der handelspolitisch wichtigen Nachbar­länder China und Südkorea verschlossen. Auch Beteuerungen der japanischen Seite, alle Produkte würden stichprobenartig Sicherheits­kontrollen unterzogen, konnten die Vorbehalte bislang nicht ausräumen.

Der Beschluss, verbrauchtes Kühl­wasser in den Ozean zu lassen, macht die Sache nun nicht einfacher. Die für Fukushima wichtige Fischerei­industrie protestiert vehement gegen die Lösung. Hiroshi Kishi, Vorsitzender des Fischerei­verbands, warnte in diesen Tagen einmal mehr vor neuerlichen Reputations­schäden: „Ich würde von der Regierung gern hören, wie sie damit umgehen will.“ Die Verantwortlichen in Tokio hatten als Alternative in Erwägung gezogen, das Wasser verdampfen zu lassen und statt in den Ozean in die Luft zu leiten. Auch gegen diese Option hatten sich die Fischer und auch andere Branchen gestellt.

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Lösung dürfte neue Probleme schaffen

Widerstand gegen den Beschluss kommt auch aus Südkorea und China. Japans Regierung beruft sich dagegen auf die in Wien angesiedelte UN-Atomenergie­behörde IAEA, die keine großen Gefahren sieht. Schließlich werde das Wasser zuerst gefiltert, sodass die meisten radioaktiven Substanzen im Ozean­wasser in nicht mehr nachweisbaren Mengen enthalten seien. Nur das „relativ harmlose“ Tritium bleibe übrig.

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Skepsis bleibt: Die Kraftwerks­betreiberfirma Tepco ist nach der Atom­katastrophe immer wieder mit Fehl­informationen aufgefallen – und hat auch in diesem Fall Irreführendes verlautbart: Vor drei Jahren stellte sich heraus, dass die in Fukushima Daiichi angewandte Technologie zur Abwasser­reinigung nicht so wirksam ist wie versprochen. Es ließen sich immer noch Radionuklide nachweisen.

Video
Zehn Jahre nach der Fukushima-Katastrophe: „Die Welt setzt weiterhin auf Kernkraft“
6:35 min
Der Name Fukushima steht für die größte Reaktorkatastrophe seit Tschernobyl im Jahr 1986. Ausgelöst durch ein Erdbeben. Bis heute kämpft Japan mit den Folgen.  © RND

Alex Rosen, Co-Vorsitzender des atomkraft­kritischen Ärzte­verbands IPNNW in Deutschland, kritisierte schon im Vorjahr: „All diese Stoffe könnten sich bei einer Freisetzung ins Meer in der Tier- und Pflanzen­welt des Meeres­bodens wiederfinden, sich in Fischen, Meeres­früchten und Algen anreichern und über die Nahrungs­ketten des Ozeans bald auch ihren Weg auf die Teller von Konsumenten finden.“

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Dies sind Konsequenzen, mit der sich die Regierung in Tokio offenbar nicht befassen will. Rund um die Kraftwerks­ruine von Fukushima hat sie noch andere Baustellen. Nun ist es womöglich eine weniger. Allerdings dürfte die Lösung neue Probleme schaffen.

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