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Wut, Angst und Frust: Schwarze haben hohe Erwartungen an George-Floyd-Prozess

  • Der Prozess um den gewaltsamen Tod von George Floyd reißt Wunden auf.
  • Die TV-Übertragung aus dem Gerichtssaal ist für viele Afroamerikaner kaum zu ertragen.
  • Die Angst vor einem enttäuschenden Urteil steckt tief, denn es wäre nicht das erste Mal.
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New York. Manche ertragen es nicht zuzusehen. Andere wagen es kaum, den Blick abzuwenden. Der im Fernsehen übertragene Prozess um den gewaltsamen Tod von George Floyd setzt vor allem schwarzen Frauen und Männern in den USA zu. Er ruft eigene Erfahrungen von Gewalt und Rassismus wach – und wird begleitet von der Furcht, dass das Urteil eine herbe Enttäuschung werden könnte.

„Ich habe ganz klar Angst, dass ich enttäuscht werde“

„Ich musste den Fernseher stummschalten“, sagt die Zuschauerin Lisa Harris aus Redford Township westlich von Detroit über den Beginn des Prozesses gegen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin aus Minneapolis, der sich für den Tod Floyds verantworten muss. Zum Auftakt wurden die Erinnerungen an das verstörende Video aufgefrischt, das die letzten Minuten des festgenommenen Mannes zeigt – quälend lange mehr als neun Minuten, in denen der Polizist das Knie auf den Hals des Schwarzen drückt, während der um Luft ringt und um Gnade fleht. „Mr. Floyd zu hören, wie er immer wieder sagt, dass er keine Luft bekommt und wie er nach seiner Mutter ruft – das war schwer“, erklärt die 51 Jahre alte Harris.

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Steve Thompson hat sich entschieden, den Fernseher gar nicht erst einzuschalten, um zu verfolgen, was aus der Mordanklage gegen Chauvin wird. Zu groß ist die Befürchtung, dass der Wunsch nach Gerechtigkeit versagt bleibt. „Ich habe ganz klar Angst, dass ich enttäuscht werde“, sagt der Mann aus Los Angeles. „Und statt dass ich jetzt meine Zeit und meine Energie da rein investiere, wo ich doch weiß, wie es läuft, wäre ich lieber dann positiv überrascht.“

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Prozess erinnert an Trayvon Martin

Thompson hat noch den Prozess im Fall der tödlichen Schüsse auf den unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin in Florida vor rund acht Jahren im Kopf. Damals wurde der Angeklagte in allen Punkten freigesprochen. Das Verfahren hatte Thompson eng verfolgt – und war schockiert. „Ich hatte dieses Ergebnis nicht erwartet“, sagt der 35-Jährige. „Inzwischen bin ich aber lange nicht mehr so naiv.“

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Eine Chronologie: Was passierte im Fall George Floyd?
3:01 min
Der Prozess um die Tötung von George Floyd hat begonnen. Angeklagt ist unter anderem der Ex-Polizist Derek Chauvin. Eine Chronologie der Ereignisse.  © Lea Drabent/Reuters

Die pensionierte Lehrerin Marlene Gillings-Gayle wollte eigentlich den Prozess gegen Chauvin auch nicht anschauen. Um ihren Seelenfrieden nicht zu gefährden, wie sie sagt. Dann schaltete sie aber doch ein – und musste sich zwingen, nach draußen zu gehen, Spaziergänge zu machen, um nicht am Fernseher zu kleben und immer unruhiger zu werden. Das alles sei schon zu oft vorgekommen, erklärt die New Yorkerin mit Blick auf Freisprüche von Polizisten, die nach dem gewaltsamen Tod unbewaffneter Schwarzer vor Gericht gestanden hatten.

Zusammenbruch im Zeugenstand

Im aktuellen Fall ist der 45-jährige Chauvin angeklagt, George Floyd im Mai vergangenen Jahres bei einer Festnahmeaktion in Minneapolis getötet zu haben, als er neun Minuten und 29 Sekunden auf dem Hals des 46-jährigen Schwarzen kniete und ihn mit dem Gesicht nach unten zu Boden drückte. Floyd war ins Visier der Sicherheitskräfte geraten, weil er beschuldigt wurde, dass er in einem Geschäft mit einem gefälschten 20-Dollar-Schein bezahlen wollte.

In der ersten Woche der Gerichtsverhandlung waren die Erschütterung, die Trauer und das Trauma der Zeugen auch für die Fernsehzuschauer durchaus greifbar. So erklärte die junge Frau, die die letzten Momente des Sterbenden filmte, vor Gericht, sie habe sich schon viele Nächte lang bei George Floyd entschuldigt, weil sie nicht mehr unternommen habe. Weil sie nicht dazwischengegangen sei, um sein Leben zu retten. Ein 61-Jähriger brach im Zeugenstand zusammen, so dass der Prozess unterbrochen werden musste. Eine Feuerwehrfrau berichtete von ihrer Hilflosigkeit, als sie vergeblich versuchte, dem Festgenommenen zu helfen.

Der Gedenkort für George Floyd in Minneapolis, Minnesota. © Quelle: imago images/ZUMA Wire
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Leigh Smith aus Grosse Pointe Park am Rande von Detroit hat die Übertragung aus dem Gericht bislang täglich verfolgt. Vieles sei total verstörend, findet er. Sein Vertrauen muss die Justiz erst noch gewinnen. „Man hält einen Mord mit der Kamera fest und dann versucht man, mir zu erklären, dass dieser Mann an einem Herzanfall gestorben ist?“, sagt Smith und beklagt die Erniedrigung von Nichtweißen in der Gesellschaft.

Dass es um viel geht bei dem Prozess und die Chance auf dem Spiel steht, tiefe Schmerzen zumindest zu lindern, davon ist auch Marlene Gillings-Gayle überzeugt. „Unser Land braucht eine Psychotherapie“, sagt die frühere Lehrerin. „Die Zeugen trauern und leiden seit zehn Monaten. Und wir alle leiden auch.“

RND/AP

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