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„Wir wollen keinen Antisemitismus“: Dortmund will Thor-Steinar-Laden schließen

  • Erst im August hatte ein Thor-Steinar-Bekleidungsladen in Dortmund eröffnet.
  • Schnell darauf formierten sich Proteste und Kritik an dem Geschäft. Die Stadt Dortmund will den Laden nun schließen.
  • Die Marke ist bei Neonazis beliebt und mancherorts sogar verboten.
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Thor Steinar ist bei Neonazis eine beliebte Marke. Die Stadt Dortmund hat nun mit einer Ordnungsverfügung den Betreiber eines Thor-Steinar-Ladens aufgefordert, das Geschäft zu schließen. Der Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) teilte am Dienstag mit, die Stadt will bauordnungsrechtlich gegen das Bekleidungsgeschäft vorgehen. Der Grund: Das Lokal hätte keine Zulassung für den Betrieb eines Bekleidungsgeschäftes.

Die Stadt hat nach eigenen Angaben eine Frist zu Beginn der kommenden Woche gesetzt. Sollte der Mieter des Ladenlokals der Aufforderung nicht nachkommen, droht ihm ein Zwangsgeld von 5000 Euro, erklärte ein Sprecher der Stadt. Vor dem Laden hatten sich in den vergangenen Wochen Neonazis postiert. Sierau hatte in der vergangenen Woche angekündigt, dass der Laden bis zum Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November geschlossen werden solle. Am Dienstag räumte er ein, dass dieses Datum aus juristischen Gründen nicht eingehalten werden könne.

Proteste vor Thor-Steinar-Laden

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Der Sprecher verdeutlichte, dass die Stadt nicht nur aus baurechtlichen Gründen gegen den Ladenbetrieb vorgehe, sondern auch grundsätzlich ein solches Geschäft nicht in der Stadt haben wolle. „Wir wollen keinen Antisemitismus und wollen auch nicht, dass er hier verbreitet wird.“ Der Thor-Steinar-Laden hatte erst im August eröffnet. Seit Wochen versammeln sich jeden Montag Dutzende von Menschen, die gegen das Geschäft protestieren und seine Schließung fordern.

Auch der Dortmunder Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus hatte bereits die Eröffnung eines Ladens der Bekleidungsmarke Thor Steinar in der Dortmunder Innenstadt kritisiert. „Wir sehen darin einen Baustein der Verfestigung der rechtsextremistischen Szene in Dortmund, die von der Bürgerschaft nicht einfach hingenommen werden kann“, hatten die Arbeitskreissprecher Jutta Reiter vom DGB und Pfarrer Friedrich Stiller von der evangelischen Kirche Anfang Oktober erklärt. Dem Arbeitskreis gehören Vertreter von Gewerkschaften, Kirchen, Verbände und Parteien an.

Trägern der Marke Thor Steinar ist laut Verfassungsschutzbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern von 2015 in einigen Institutionen, beispielsweise im Deutschen Bundestag und im Landtag Mecklenburg-Vorpommern, der Zutritt verboten. Auch laut der BVB-Stadionordnung gilt ein Kleiderverbot für diese und weitere namentlich aufgeführte Kleidermarken sowie für Kleidung mit Symbolen als extremistisch eingestufter Organisationen im Dortmunder Signal-Iduna-Park.

RND/dpa