Wilke-Wurst: Behörden wussten schon seit Wochen von Keimverdacht

  • Laut Foodwatch hat das hessische Umweltministerium schon Mitte August vom Listerienverdacht in Wilke-Wurst erfahren.
  • Waren von Wilke werden mit zwei Todesfällen in Südhessen in Verbindung gebracht.
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.
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Waren von Wilke werden mit zwei Todesfällen in Südhessen und 37 weiteren Krankheitsfällen in Verbindung gebracht. Behörden hatten den Betrieb mit 200 Mitarbeitern in Twistetal-Berndorf vor einer Woche geschlossen. Mehrfach waren dort Listerienkeime in Waren entdeckt worden. Seitdem läuft ein weltweiter Rückruf aller Wilke-Produkte.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat Wilke und den Behörden „schwere Versäumnisse“ beim Krisenmanagement vorgeworfen. Laut eines Berichts der „Welt“ sind die Behörden bereits früher als bekannt über den konkreten Listerienverdacht beim hessischen Wurst- und Fleischwarenhersteller Wilke unterrichtet gewesen.

Ministerium wusste bereits Mitte August von Listerienverdacht

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Aus einem E-Mail-Verkehr zwischen Foodwatch und dem hessischen Umweltministerium geht demnach hervor, dass das Ministerium bereits am 12. August von einem entsprechenden Verdacht erfahren hat. Erst acht Tage darauf seien der für die Kontrolle der Firma Wilke zuständige Landkreis Waldeck-Frankenberg sowie das Regierungspräsidium Kassel informiert worden. Bis zum Rückruf und der Stilllegung der Produktion vergingen somit mehr als sieben Wochen.

Mehr: Rückrufliste mit mehr als 1000 Produkten

Außer der langen Bearbeitungszeit werfen die Verbraucherschützer den Behörden eine unzureichende Kommunikationspolitik vor. Eine Liste der belieferten Betriebe gebe es nicht. Wilke habe nur die Namen der direkten Kunden wie Großhändler – an welche Einzelhändler die Waren gingen, sei durch mehrere Vertriebsstufen nicht nachvollziehbar. Behörden haben aber mittlerweile auf dem Portal „lebensmittelwarnung.de“ eine Liste betroffener Produkte veröffentlicht. Auch die Namen der Handelsmarken mit Wilke-Fleisch wurden bekannt gegeben.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung

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Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt unterdessen wegen fahrlässiger Tötung im Fall Wilke. Dabei steht ihr nun auch das Gutachten der „Task-Force Lebensmittelsicherheit“ des Landes zu Verfügung. Die Arbeitsgruppe hatte den Betrieb untersucht, der mittlerweile vorläufige Insolvenz angemeldet hat.

„Dieses Gutachten bestätigt das Handeln des Landkreises, die Schließung der Firma Wilke zu verfügen und den Rückruf aller Produkte zu veranlassen“, hatte Reinhard Kubat (SPD) erklärt. Sein Kreis ist die zuständige Aufsichtsbehörde für die Firma Wilke. Details aus dem Gutachten nannte er nicht. Alle Abläufe und Kontrollmechanismen der Aufsichtsbehörde sollen noch einmal überprüft werden.

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Die wichtigsten Antworten zum Wilke-Wurst-Skandal

RND/dpa/mat