Wilke-Mitarbeiter: „Verdorbenes mit frischem Fleisch gemischt“

  • In der Produktionsstätte der Firma Wilke haben offenbar katastrophale hygienische Bedingungen geherrscht.
  • Das bestätigen nicht nur Lebensmittelkontrolleure, sondern auch die eigenen Mitarbeiter.
  • Einer von ihnen hat nun gegenüber der „Hessenschau“ ausgepackt.
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Twistetal. Der Skandal um verseuchte Wurstwaren der Firma Wilke schockiert viele Verbraucher. Jetzt kommen neue Details zu den Zuständen in der hessischen Firma ans Licht. Ein Werksmitarbeiter hat der „Hessenschau“ ein Interview gegeben, das katastrophale hygienische Bedingungen in der Produktionsstätte offenbart.

„Verdorbenes Fleisch ist mit frischem Fleisch zusammen weiterverarbeitet worden“, berichtet der rumänische Arbeiter. „Farbstoffe und viele Gewürze und Salz dazu, damit es niemand merkt.“ Die schimmeligen Würste seien einfach sauber gemacht worden und dann in eine neue Verpackung gekommen.

Ähnliches hatten auch Lebensmittelkontrolleure berichtet, die Anfang September Einblick in einen Raum mit Schlachtabfällen hatten. Das Verwaltungsgericht hatte Stellen aus dem Bericht veröffentlicht.

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Vergammelte Waren und stinkende Flüssigkeiten

„Der Konfiskatraum wurde offensichtlich vor Kontrolle mit einem Bügelschloss verschlossen“, heißt es dort. „Auf Drängen fand man den Schlüssel – hier herrschte das reinste Chaos. Der Raum war gefüllt mit völlig vergammelter Ware, Schimmel, Fäulnis, Gestank (...) am Boden war eine stinkende Flüssigkeit. Durch diese Flüssigkeit fuhr man, nach den Spuren zu urteilen, mit einem Gefährt Ware nach draußen. (...) Anschließend wieder durch die stinkende Flüssigkeit in ‚reine Räume‘.“

Diese beschriebenen Mängel machten es nachvollziehbar, dass der Betrieb ideale Bedingungen für eine „Ansiedlung, Vermehrung und Verbreitung von Listerien“ biete, erklärt das Gericht. Es habe keinen Zweifel daran, dass Produktionsstopp und Rückruf bei dem Unternehmen alternativlos seien, „um erhebliche und schwerwiegende Gefahren für Leib und Leben einer Vielzahl von Menschen so weit wie möglich zu minimieren“.

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Miserable Arbeitsbedingungen

Die „Hessenschau“ berichtet auch von den miserablen Arbeitsbedingungen der Wilke-Mitarbeiter. Der rumänische Mitarbeiter erklärt: „Von Anfang an habe ich fast immer zwölf Stunden gearbeitet. Sechs bis sieben Tage am Stück“, erklärt er. „Es gab Druck, ich konnte gar nicht anders.“

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Viele der Arbeiter seien ohne Arbeitsvertrag bei Wilke angestellt gewesen. Auf einer Lohnabrechnung, die der „Hessenschau“ vorliegt, sei eine monatliche Arbeitszeit von 318 Stunden vermerkt – ein Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz.

RND/msc