Wiederaufbau von Notre-Dame: „Die Zeit ist knapp“

  • Wohl kein Bauprojekt steht derzeit mehr im Fokus der weltweiten Öffentlichkeit als der Wiederaufbau von Notre-Dame.
  • „Das Gebäude so wiederherzustellen, dass man nachher gar nicht sieht, dass es ein Feuer gegeben hat“, ist das Ziel von Yann de Carné.
  • Er ist Präsident eines Branchenverbands, der den Großteil der französischen Unternehmen repräsentiert, die Restau­rierungs­arbeiten an öffentlichen Monumenten durchführen.
Lisa Louis
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Paris. Am 15. April 2019 ging die Kathedrale Notre-Dame in Paris in Flammen auf. Zum Wiederaufbau hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ein ehrgeiziges Ziel ausgegeben: 2024 soll die weltberühmte Sehenswürdigkeit wieder öffnen. Über die Arbeiten an der Kathedrale spricht Yann de Carné mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) – er ist Präsident des Branchenverbands Groupement des Entreprises de Restauration de Monuments Historiques (GMH), der 80 Prozent der französischen Unternehmen repräsentiert, die Restaurierungsarbeiten an öffentlichen Monumenten durchführen.

Herr de Carné, wie war es für die Handwerker Ihrer Vereinigung, Notre-Dame brennen zu sehen?

Es war ein regelrechtes Drama, dieses Monument und Symbol Frankreichs in Flammen aufgehen zu sehen. Als wir mit den Aufräumarbeiten anfingen, herrschte eine sehr bedrückende Stimmung. Gleichzeitig hatten wir ein gemeinsames Ziel. Es war toll, dass Menschen aus aller Welt ihre Bestürzung kundgetan haben. Das hat uns angespornt, auf das hinzuarbeiten, was unsere DNA ist: das Gebäude so wiederherzustellen, dass man nachher gar nicht sieht, dass es ein Feuer gegeben hat.

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Das ist jetzt zwei Jahre her – und dennoch sind bisher gerade erst die Sicherungsarbeiten der Kathedrale in etwa abgeschlossen. Ein gewaltiges Projekt.

Ja, wir mussten 40.000 geschmolzene Metallstangen des Gerüsts, das zur Zeit des Brandes in Notre-Dame stand, entfernen. Die Orgel mit 8000 Orgelpfeifen haben wir demontiert und weggebracht. Der Brand hat sie nicht direkt beschädigt, aber sie muss gründlich gesäubert und getestet werden – sie hat viel Rauch, Staub und Hitze abbekommen. Wir mussten wegen der Bleivergiftung Säuberungs- und Schutzmaßnahmen treffen und anhand von zwei Kapellen ein Protokoll erstellen, um alle 24 Kapellen zu säubern – das hat die Firma Pierrenoel gemacht.

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Stehen die Unternehmen Ihrer Vereinigung in den Startlöchern für die nächste Phase, den eigentlichen Wiederaufbau?

Wir warten mit Ungeduld auf die Ausschreibungen dafür. Etwa 500 Leute sollen dann permanent auf der Baustelle arbeiten. Doch je mehr Zeit vergeht bis zu den Ausschreibungen, desto besorgter werden wir. Es gibt genug Handwerker im Land, aber wir brauchen eine gewisse Vorbereitungszeit, um die nötigen Arbeiter für Notre-Dame abzubestellen, die sich in vielen Fällen gerade um andere Baustellen kümmern. Außerdem ist die Zeit knapp – die Kathedrale soll laut Präsident Emmanuel Macron 2024 wiedereröffnet werden.

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Wird auch Deutschland beim Wiederaufbau mithelfen?

Eine oder mehrere deutsche Glasereien werden vier der 28 großen Kirchenfenster restaurieren. Dafür werden diese nach Deutschland geschickt werden. Wir sind gerade dabei, dafür eine Konvention zu unterzeichnen.

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