Wie ein Franzose während des Lockdowns für saubere Straßen sorgt

  • Ein junger Franzose machte aus der Not eine Tugend und lancierte während der Ausgangsbeschränkungen seine Idee, Müll zu sammeln und sich dabei in den sozialen Netzwerken zu zeigen.
  • Sie entwickelt sich zum Hit, inzwischen beteiligen sich auch Prominente.
  • Der Gründer hofft, der Elan bleibt über die Dauer der Corona-Pandemie hinaus.
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Paris. Benjamin de Molliens hätte frustriert sein können in diesem Corona-Jahr mit den strikten Ausgangsbeschränkungen. Ausgerechnet er, der stets sportliche Herausforderungen suchte, die Bretagne mit dem Rad durchzog, zu Fuß die Alpen überquerte oder durch den Canal du Midi in Südfrankreich paddelte, durfte sich wie alle anderen Franzosen über Wochen hinweg nur noch eine Stunde am Tag im Umkreis von einem Kilometer von seinem Zuhause bewegen.

Doch der 33-Jährige aus Marseille wollte sich nicht vom Frust unterkriegen lassen, sondern die Einschränkungen in eine Chance verwandeln und gründete seine Aktion „nettoie ton km“, also „säubere deinen Kilometer“, die er in den sozialen Netzwerken verbreitete: „Zieh‘ deine Sportschuhe an, hol dir Handschuhe, einen Müllbeutel und sammele Unrat auf“, so lautete die simple Handlungsanweisung. Idealerweise solle man sich dann dabei noch mit dem Handy filmen, eine kurze Sequenz in die sozialen Netzwerke stellen und damit andere motivieren, sich der Aktion anzuschließen. De Molliens selbst machte das ebenfalls – und seine Idee wurde zum viralen Hit, auch weil die Medien berichteten. Täglich nominierte er drei weitere Personen, die es ihm nachtun sollten. Viele gingen mit ihren Kindern auf Müllsammeltour und sensibilisierten damit schon die Jüngsten.

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„nettoie ton km“ wurde zum viralen Hit

„Es ist nicht mein Abfall, der da herumliegt, aber es ist meine Gesellschaft und ich will meinen Teil dazu beitragen, dass sie besser wird“, erklärt er seine Haltung. „Mit dem Aufsammeln werde ich das Problem der Verschmutzung nicht lösen, aber wenn ich andere zum Mitmachen bringe, kann ich die Grundeinstellung vieler ändern.“ Sei er der einzige in der Nachbarschaft, würde er noch komisch angeschaut. Aber wenn immer mehr mitmachen, würden plötzlich diejenigen als seltsam gelten, die sich nicht beteiligten, so seine Hoffnung. Schon einige seiner bisherigen sportlichen Herausforderungen hat der junge Mann unter dem Titel „Ben Expédition Zéro“ mit ökologischen Aktionen verknüpft. Ziel dabei sei jeweils, null CO2-Emissionen auszustoßen, null Abfall zu produzieren und keinerlei neues Material zu kaufen.

Als der Lockdown in Frankreich Ende November gelockert wurde und die Menschen sich zumindest wieder drei Stunden lang im Umkreis von 20 Kilometern bewegen durften, änderte de Molliens den Namen der Aktion ab in „säubere deine Kilometer“. Inzwischen sind diese Beschränkungen gefallen abgesehen von einer nächtlichen Ausgangssperre, aber das sei kein Grund aufzuhören, Müll einzusammeln, findet er: „Im Gegenteil, denn je mehr Leute draußen unterwegs sind, desto stärker nimmt der Abfall auf den Straßen zu.“ Am häufigsten finde er Zigarettenstummel, Zigarettenschachteln, aber auch Plastikdosen und Gesichtsmasken.

Prominente unterstützen die Aktion

Seit Wochen erhält er aus der ganzen Welt zahlreiche Videos und Zuschriften von Anhängern seiner Idee. Sogar ein paar Prominente haben versprochen mitzumachen: der französische Rapper und Schauspieler Joey Starr etwa, die einstige Miss France Laury Thilleman und auch die frühere Staatssekretärin im Umweltministerium Brune Poirson. Er wolle Umweltschutz cool machen, „noch beliebter als Fußball“ und mit einem Lächeln begleiten, sagt Benjamin de Molliens: „Es ist eigentlich anstrengend, es nervt, keiner will seine Lebensweise ändern. Aber wenn jeder ein bisschen was macht, kann das schon viel bewirken.“

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