Wie ein chinesischer Schmuggler Neuseelands Kiwis stahl

  • Ein Chinese hat Stecklinge einer begehrten Kiwi-Art von Neuseeland nach China geschmuggelt.
  • Dort bauen nun chinesische Bauern die Früchte an, deren Zucht in Neuseeland für teures Geld lizenziert werden muss.
  • Das bringt den Inselstaat in Bedrängnis.
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Grüne Hügel, Schafe und Kiwiplantagen – das sind die Bilder, die viele mit Neuseeland in Verbindung bringen. Die bräunlichen Früchte mit ihrer pelzigen Haut hängen wie überdimensionale Trauben von den Klettersträuchern, die sich in den Plantagen aneinanderreihen. Kiwifrüchte sind wie auch der als Kiwi bekannte Laufvogel eines der Symbole, die für viele so typisch für den pazifischen Inselstaat sind. Neuseeländische Farmer exportieren das Obst in die ganze Welt.

Eine besonders begehrte Kiwi-Art ist dabei die sogenannte Sungold-Kiwi, die bekannt ist für ihre würzige Süße und ihr leuchtend gelbes Fruchtfleisch. Die goldfarbenen Früchte enthalten zudem weniger Samen als die grüne Variante und sind toleranter gegenüber einer Krankheit, die die bisherige Sorte der goldenen Kiwis vernichtet hat.

Teure Lizenz: 300.000 Euro pro Hektar

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Farmer, die diese hochwertige Sorte Kiwis anbauen und verkaufen wollen, müssen in Neuseeland eine teure Lizenz erwerben. Diese kostet laut einem Bericht des australischen Senders ABC derzeit mehr als 300.000 Euro pro Hektar. Zudem sind die Qualitätsstandards für Kiwizüchter hoch – es gibt sogar eine Regulierungsbehörde, die sich um die Angelegenheiten der kleinen Früchte kümmert.

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Zespri, die neuseeländische Genossenschaft, die hinter den neuseeländischen Kiwis inklusive der Marke Sungold steht, verkauft die Lizenzen für den Anbau der Früchte in Neuseeland. Nach der einmaligen Zahlung erhalten die Landwirte Zugang zu globalen Lieferketten und Marketingkampagnen. Allein im vergangenen Jahr haben Kiwis 3,58 Milliarden neuseeländische Dollar oder umgerechnet über 2 Milliarden Euro für die Genossenschaft eingespielt.

Chinesischer Kiwischmuggler

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Kiwis aus Neuseeland sind weltweit begehrt, doch einer der größten Abnehmer ist – wie auch von vielen anderen neuseeländischen Produkten – China. Doch genau hier braut sich nun ein Konflikt zusammen, der Neuseeland in eine gewaltige Zwickmühle bringt. Denn ein Chinese namens Haoyu G. hat vor einigen Jahren Stecklinge der Sungold-Variante unerlaubt außer Landes gebracht und in die chinesische Provinz Sichuan geschmuggelt. Dort züchten inzwischen nun auch lokale Bauern Kiwis von den gestohlenen Pflanzenablegern – ohne jedoch die hohen Lizenzgebühren von Zespri zu zahlen.

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Dass die Neuseeländer den Chinesen überhaupt auf die Schliche gekommen sind, ist reiner Zufall. 2016 hörten Zespri-Mitarbeiter in China Gerüchte, dass die begehrte Sungold-Sorte auch vor Ort angebaut werde. Die neuseeländische Genossenschaft engagierte Privatdetektive, die tatsächlich einen Züchter ausfindig machten. Zespri kontaktierte den Bauern, der laut dem ABC-Bericht „offen zugab“, dass er Sungold-Kiwis anbaute.

Angeblich begrüßte er die Zespri-Mitarbeiter sogar auf seiner Farm und zeigte stolz seine Ernte. Der Züchter wollte zwar nicht mit der Sprache rausrücken, woher er die Pflanzen hatte, aber weitere Untersuchungen führten zu besagtem Haoyu G., der 2013 eine Plantage in Neuseeland erworben und einen Vertrag mit Zespri über den Anbau von Sungold-Kiwis unterzeichnet hatte.

Heikle Situation für Neuseeland

Die Neuseeländer klagten G. an, und dieser wurde von einem neuseeländischen Gericht zu 15 Millionen Neuseeländischen Dollar Schadensersatz, umgerechnet fast 9 Millionen Euro, verdonnert. G. hat jedoch Berufung eingelegt. Sollte das Urteil auch im Berufungsverfahren standhalten, ist dies zwar ein kleiner Sieg für die neuseeländischen Farmer, doch der Schadensersatz ist auf Dauer nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

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Denn laut Zespri soll es inzwischen mehr als 5000 Hektar mit Sungold-Kiwi-Plantagen in China geben, die den Neuseeländern bald kräftig Konkurrenz machen werden. Die neuseeländischen Exporte nach China könnten letztendlich sogar hinfällig werden.

Gesamte Wirtschaft hängt von China ab

Was die Situation besonders heikel macht, ist, dass Neuseelands gesamte Wirtschaft stark von Exporten nach China abhängt. Wie schnell das Verhältnis zur Volksrepublik jedoch angeknackst sein kann, das zeigt der Nachbar Australien, der sich nach einigen harschen Worten und Entscheidungen inzwischen so sehr mit dem asiatischen Land „verkracht“ hat, dass die Chinesen hohe Strafzölle auf einige Produkte wie zum Beispiel den australischen Wein erhoben haben.

Um das zu vermeiden, überlegt Zespri nun, die chinesischen Züchter ganz offiziell mit in die Genossenschaft aufzunehmen und die Früchte der gestohlenen Pflanzen noch im Nachhinein zu lizenzieren.

Laut Stephen Hoadley, einem Professor für Politik und internationale Beziehungen an der Auckland Universität, könnte dies die „am wenigsten schlechte Option“ sein, wie er der ABC sagte. Schließlich habe die neuseeländische Regierung Australiens Beispiel vor Augen. Sollte China Vergeltung üben wollen, dann wäre es ein Leichtes für sie „auf Neuseelands Importe zu verzichten“.

Auch Richard Rennie von dem landwirtschaftlichen Magazin „Farmers Weekly“ plädiert dafür, die Kiwipiraterie nicht weiter zu ahnden – allerdings aus einem völlig anderen Grund. Seine Argumentation ist, dass die Neuseeländer die Kiwisträucher Anfang des 20. Jahrhunderts einst aus China eingeführt haben. Damals seien sie noch „als chinesische Stachelbeeren“ bekannt gewesen. „In gewisser Weise könnte man also sagen, dass sie sie uns nun geschickt wieder abspenstig gemacht haben“, sagte er.

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