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  • Wer ist Amanda Gorman? 22-jährige Poetin bei Joe Bidens Amtseinführung begeistert

Die Stimme der Amtseinführung: Wer ist die Lyrikerin Amanda Gorman?

  • Für viele war der Auftritt der Poetin Amanda Gorman der größte Moment in der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden.
  • Die 22-Jährige wählte die richtigen Worte, traf den richtigen Ton.
  • Doch wer ist die junge schwarze Dichterin aus Los Angeles?
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Ihre Zeilen berührten viele Menschen auf der ganzen Welt. Wie muss sich die erst 22-jährige Lyrikerin Amanda Gorman wohl gefühlt haben, als sie auf der Bühne bei der Amtseinführung von Joe Biden stand und ihr Gedicht rezitierte, während alle Kameras auf sie gerichtet waren? Nervös, angespannt? Sicherlich war sie es, doch sie ließ sich nichts davon anmerken. Klar, eindringlich, ja kraftvoll trug sie ihren Text vor, mit Pathos, aber ohne ihm zu erliegen. Die schwarze Lyrikerin stand im kanariengelben Mantel und mit dem signalroten Haarreif selbstbewusst neben all den Superstars und Politgrößen und hat mit ihrem Gedicht „The Hill We Climb” – „Der Berg, den wir ersteigen” ebenjenen Ton getroffen, der in der Trump-Zeit so lange ungespielt blieb.

Ihr Beitrag handelt von den schweren Zeiten, die die USA in der Vergangenheit durchgestanden haben und auch noch durchstehen müssen, vom Sturm von Anhängern des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump auf das Kapitol – aber auch von Hoffnung für die Zukunft. Die letzten Zeilen habe sie erst vor ein paar Tagen geschrieben, so Gorman. Nach US-amerikanischen Presseberichten war es die neue First Lady Jill Biden, die sie dazu eingeladen hat, bei der Amtseinführung ihres Mannes aufzutreten. Ein kluger Frauencoup, denn ein sogenannter Inaugural Poet kann im besten Fall das ausgleichen, was der neue Amtsinhaber nicht hat. Und so passte die vor Energie strotzende schwarze, junge Frau gut zu dem alten weißen Mann.

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Amanda Gorman: Poetin wird zur Stimme der Amtseinführung
1:53 min
Während bei seiner Amtseinführung die 23-jährige Dichterin Amanda Gorman Hoffnung macht, zerschlagen Linksextreme in Portland das Parteibüro der Demokraten.  © Reuters
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Wer ist Amanda Gorman?

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Doch wer ist Amanda Gorman, die in dem Gedicht auch sehr persönlichen Worte wählt? Sie selbst bezeichnet sich als Aktivistin gegen Rassismus, Ungleichheit und für Feminismus. Eine, die es in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten schaffen kann. „Wir, die Erben eines Landes und einer Zeit, in der ein dünnes, schwarzes Mädchen, abstammend von Sklaven und aufgezogen von einer alleinerziehenden Mutter, davon träumen kann, Präsidentin zu werden, nur um sich wiederzufinden, für einen (Präsidenten) zu rezitieren”, heißt es dazu auch in ihrem Text. Und tatsächlich hat sie bereits 2017 verlautbaren lassen, dass sie 2036 selbst als Präsidentin kandidieren will.

Gorman wurde am 7. März 1998 geboren. Zusammen mit ihrer Mutter, einer Lehrerin, und ihrer Zwillingsschwester Gabrielle wuchs sie in Los Angeles auf. Als Kind litt sie – so erzählt es Gorman – an einem Sprachfehler. Ähnlich wie Joe Biden stotterte auch sie. Das Schreiben wurde zu ihrer Art, sich auszudrücken. Eine Form, die der 22-Jährigen offenbar sehr gut liegt. Im Alter von 16 Jahren gewann sie ihren ersten Lyrikpreis und wurde nur drei Jahre später zur besten jungen Dichterin des Landes gekürt, als sie von der US-Kongressbibliothek mit dem Titel „National Youth Poet Laureate” geehrt wurde. Zu diesem Zeitpunkt studierte Gorman an der renommierten Harvard-Universität Soziologie. Sie ist eine Poetin mit einem klaren Themenspektrum: In ihren Texten schreibt sie insbesondere über Feminismus, Rassismus und Unterdrückung jeder Art.

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Amanda Gorman ließ sich mit Michelle und Barack Obama ablichten. © Quelle: imago images/UPI Photo

Nach Kapitol-Auftritt: Gorman erhält Followerzuwachs auf Twitter und Instagram

Und nun dieses Gedicht, für das sie von allen Seiten gelobt und im Netz gefeiert wird. Gorman habe „die Schönheit, Kraft und Hoffnung Amerikas mit ihren Worten eingefangen”, schwärmt beispielsweise der demokratische Senator Jeff Merkley auf Twitter. Apropos Twitter: Dort vervielfachte sich dank ihres Auftritts quasi über Nacht ihre Followerzahl auf mehr als 1,1 Millionen, auf Instagram folgen ihr sogar mehr über zwei Millionen. Auch ihre Bücher wurden in wenigen Stunden zum Bestseller, wie Gorman selbst auf Twitter schrieb: „Meine Bücher sind auf Platz eins und zwei bei Amazon nach einem Tag! Danke an alle, dass ihr mich und meine Worte unterstützt.“

Von allen Dichterinnen und Dichtern ist die junge Amerikanerin bei Weitem die jüngste, die bei Amtseinführungen von US-Präsidenten auftrat. John F. Kennedy lud 1961 David Frost ein, Maya Angelou und Elizabeth Alexander sind weitere Vorgängerinnen. Als Tribut an Angelous Memoiren „Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt” trug Amanda Gorman Ohrringe und einen Ring mit einem Vogel im Käfig.

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Gorman hatte sie von Oprah Winfrey erhalten, einer engen Freundin der 2014 verstorbenen Autorin. Winfrey zeigte sich begeistert: „Ich war nie stolzer, eine weitere junge Frau aufsteigen zu sehen.”

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