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Nach E‑Scooter-Bergung aus dem Rhein: Wie groß ist die Umweltbelastung durch Roller?

  • In dieser Woche haben Spezialtaucher der E‑Scooter-Verleiher in Köln elf Fahrzeuge aus dem Rhein gefischt.
  • Wie groß ist die Umweltbelastung durch elektronische Roller in deutschen Gewässern?
  • Wir haben bei den Anbietern nachgefragt.
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Die viel diskutierte letzte Meile: Genau dafür sollen E‑Scooter die Lösung sein. Auf ihnen können Städterinnen und Städter vom Wohnort zur Bahnstation fahren, Wege mit Elektroantrieb meistern, die sie sonst zu Fuß laufen müssten. Schneller und im Vergleich zu Autos eben umweltschonender. So war das Versprechen, als Verleiher erstmals im Sommer 2019 E‑Scooter in deutsche Innenstädte stellten.

Während zunächst die Angst vor dem Verkehrsrisiko E‑Scooter groß war, in den Medien Helmpflicht und Strafkataloge diskutiert wurden, ist nun, zwei Jahre nach der Einführung, eine andere Debatte in den Vordergrund gerückt: der Abstellplatz. Denn nicht immer landen die Roller an den dafür vorgesehenen Orten. Erst am Dienstag bargen Anbieter aus dem Kölner Rhein elf Geräte. Die Stadt ist unzufrieden, nicht weil sie sich mehr Müll im Rhein erhofft hat, sondern weil sie glaubt, dass die von den Verleihern beauftragten Spezialtaucher zu punktuell gesucht haben.

Doch wie viele E‑Scooter landen eigentlich an Orten wie Flüssen, Kanälen, Baugruben oder Gräben? An Orten, an denen sie von den Subunternehmen, die allabendlich die Geräte zum Aufladen einsammeln, eben nicht einfach wiedergefunden werden können?

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Weniger als ein Prozent der E-Scooter gehen verloren oder kaputt

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Im Juli kursierte die Meldung, dass mindestens 500 E‑Scooter auf dem Boden der Kölner Gewässer liegen. Doch wie viele sind es bundesweit? Konkrete Zahlen möchten die Anbieter, die es wissen müssten, auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) nicht nennen. Bird reagiert nicht auf Anfrage, Lime bittet um Verständnis, dass hier keine Zahlen im Detail genannt werden. „Gemessen an unserer Flottengröße von über 50.000 E‑Scootern und E‑Bikes in Deutschland ist die Zahl verschwindend gering“, teilt das Unternehmen lediglich mit.

Über eine ähnlich große Flotte verfügt der Anbieter Tier in Deutschland. Hier legt der Verleiher auch Zahlen über verlorene oder zerstörte E‑Scooter vor: „Eine genaue Zahl ist nicht bekannt, es existieren hier lediglich Schätzwerte. Wir gehen davon aus, dass weit weniger als ein Prozent aller E‑Scooter Straftaten und Vandalismus zum Opfer fallen, wobei es hier große regionale Unterschiede gibt“, heißt es auf Nachfrage des RND. Das entspricht also weniger als 500 Rollern, die deutschlandweit bei Tier Vandalismus zum Opfer fallen. Ob es einen Hotspot in der Bundesrepublik gibt, kann der Verleiher nicht beurteilen.

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Die Bergungsaktion in Köln ist übrigens nicht die erste, die durchgeführt wurde. Auch in Berlin wurden bereits E‑Scooter aus den Gewässern der Stadt gezogen. Laut Tier werden auch regelmäßig Geräte, wenn sie in Ufernähe liegen, von lokalen Teams geborgen. Das Umweltbundesamt führt keine Statistik darüber, wie hoch die Belastung durch versenkte E‑Scooter ist.

Problem: Schwermetalle in den Akkus

Wenn E‑Scooter in Gewässern herumliegen, sind vor allem die Akkus ein Problem: Die enthalten Giftstoffe wie Schwermetalle. Regulär müssen sie im Sondermüll entsorgt werden, informiert das Umweltbundesamt auf RND-Nachfrage. In Deutschland gibt es nach aktuellem Stand sieben Recyclinganlagen, die die Batterien auseinandernehmen, Einzelteile schreddern und Ressourcen zurückgewinnen.

In einem allerdings stimmen die Anbieter Lime und Tier überein: Die elektronischen Roller haben inzwischen eine Haltbarkeit von etwa fünf Jahren, wobei hier der Tausch einzelner Teile wie der Akkus bereits eingeplant ist. 2019 hatte das Bundesumweltamt noch über eine geschätzte Lebensdauer von nur drei Monaten berichtet. Auf Nachfrage teilt es heute mit, dass es keine unabhängige Untersuchung dazu gibt und dass Anbieter bei den Akkus heute eine Haltbarkeit von zwei bis drei Jahren angeben würden.

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