Wenden in der Rettungsgasse: Anwalt wehrt sich gegen Bußgeld

  • Im Mai 2019 wurden auf der A1 gleich mehrere Autofahrer erwischt, wie sie in der Rettungsgasse aus einem Stau herausfuhren.
  • Sechs davon wehren sich jetzt gegen ihren Bußgeldbescheid vor Gericht.
  • Die Polizei habe das Wenden veranlasst, behauptet ein Rechtsanwalt aus Niedersachsen.
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Lübeck. 14. Mai 2019: Auf der Autobahn 1 bei Lübeck staut sich der Verkehr, dann bleiben die Autos stehen. Und irgendwann wird es dem ersten Autofahrer zu bunt: Er beginnt, auf der Autobahn zu wenden, und nutzt die Rettungsgasse in falscher Richtung für die Ausfahrt. Andere machen es ihm nach. Ein Video mit dieser Szenerie verteilt sich im Mai 2019 in Windeseile im Netz – und sorgt für mächtig Empörung.

Nur kurze Zeit später hat die Geisterfahrt für die gefilmten Autofahrer Konsequenzen. Sie alle bekommen Bußgeldbescheide: 400 Euro wegen des Wendens in der Rettungsgasse. Auch Rechtsanwalt Burkart Fischer aus Verden in Niedersachsen erhält ein solches Schreiben – und geht jetzt dagegen vor. Sein Fall wird seit Montag in Lübeck vor Gericht verhandelt.

Video
Rettungsgasse richtig bilden
1:01 min
Rettungskräfte kommen oft nicht schnell genug an eine Unfallstelle.  © RND
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Polizei soll Zeichen gegeben haben

“Ich stand schon stundenlang im Stau. Viele Personen stiegen auf der Autobahn aus ihren Autos. Es war ein heißer Tag”, erklärt Fischer den “Lübecker Nachrichten”. “Ich unterhielt mich mit einigen anderen Autofahrern, bis uns ein Polizist signalisierte, dass wir wenden können und durch die Rettungsgasse in entgegengesetzter Richtung zur A-20-Abfahrt fahren dürfen.”

Er bestreite ja gar nicht, gewendet zu haben. Allerdings habe er dies auf Geheiß eines Polizeibeamten getan. Fischer: “Vor mir fuhren 40 bis 50 Fahrzeuge. Die Leute riskieren doch nicht alle ihren Führerschein.” Am Autobahnkreuz habe er noch kurz gehalten und sich bei einem anderen Beamten bedankt. “Man tut, was man kann”, habe dieser gesagt.

Fall ist noch nicht abgeschlossen

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In der Tat hatte die Polizei im Laufe des Vormittags angefangen, die Autofahrer geordnet Richtung Autobahnkreuz zurückzuführen. Die Frage ist nur, wann diese Maßnahme genau begann und wer möglicherweise schon davor – ordnungswidrig – auf der Autobahn wendete und die Rettungsgasse befuhr.

Vor dem Amtsgericht wurde deshalb nun ein weiterer Termin angesetzt, zu dem auch Polizeibeamte gehört werden sollen. Neben dem Fall des Rechtsanwalts haben auch sechs weitere Personen Einspruch gegen ihre Bußgeldbescheide erhoben.

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RND/msc/ln

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