Weiteres Verfahren in Missbrauchsfall Münster gestartet

  • Ein 35-Jähriger muss sich vor dem Landgericht Münster wegen sexuellen Missbrauchs verantworten – so lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.
  • Ein Ziehvater soll das Kind vorsätzlich dem Tatverdächtigen überlassen haben.
  • In den Missbrauchskomplex sind 30 Kinder als Opfer und bis zu 40 Tatverdächtige verwickelt.
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Münster. In einem weiteren Verfahren im Missbrauchskomplex Münster steht seit Montag ein 35-Jähriger aus dem Kreis Warendorf vor dem Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, zwischen Ende 2019 und Frühjahr 2020 einen heute Elfjährigen bei drei Gelegenheiten schwer sexuell missbraucht zu haben. Das Kind war ihm von dessen eigenem Ziehvater für die schweren Gewalttaten überlassen worden.

Der Ziehvater, ein 28-Jähriger IT-Techniker aus Münster, gilt in dem Tatkomplex als Drahtzieher. Er soll den Jungen wiederholt selbst vergewaltigt und ihn anderen Männern immer wieder für den Missbrauch zur Verfügung gestellt haben. Gegen ihn, seine Mutter und weitere mutmaßliche Peiniger des Jungen läuft vor dem Landgericht ein großer Prozess, in dem es vor allem um den Missbrauch mehrerer Kinder in einer Gartenlaube in Münster geht. Weitere Angeklagte sind inzwischen wegen Taten in Zusammenhang mit dem Tatkomplex verurteilt worden.

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Via Messenger zum Missbrauch verabredet

Das nun gestartete Verfahren findet in weiten Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Angeklagte wollte den Angaben eines Gerichtssprechers zufolge nach der Verlesung der Anklage zu den Vorwürfen aussagen. Der 35-Jährige aus dem Kreis Warendorf war im November festgenommen worden, nachdem Ermittler ihm durch die Auswertung von Chatverläufen mit dem 28-Jährigen aus Münster auf die Spur gekommen waren. Die beiden sollen sich über Messengerdienste kennengelernt und dann für den Missbrauch verabredet haben. Außerdem soll der Angeklagte kinderpornografische Bilder und Videos besessen und auch an andere verschickt haben. Darüber hinaus wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, kurz vor Weihnachten 2019 einen damals Siebenjährigen aus seinem Bekanntenkreis missbraucht zu haben.

Münster ist neben Lügde und Bergisch Gladbach einer von drei großen Tatkomplexen in Nordrhein-Westfalen, die seit dem Jahr 2019 aufgedeckt wurden. Es geht dabei um sexuelle Gewalt an einer Vielzahl von Kindern und um große Netzwerke mit zahlreichen Beteiligten und Opfern. Im Tatkomplex Münster gibt es über 40 Tatverdächtige, von denen rund 30 in Untersuchungshaft sitzen. Etwa 30 Kinder sollen Opfer geworden sein, besonders häufig der Ziehsohn des 28-jährigen Münsteraners.

RND/dpa

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