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Weiße Weihnachten 2019: Wie wahrscheinlich ist Schnee an den Feiertagen?

  • Alle Jahre wieder dieselbe Frage: Gibt es in diesem Jahr Schnee an Weihnachten?
  • Alle Jahre wieder dieselbe Antwort: Höchst unwahrscheinlich.
  • Wie sieht es in diesem Jahr aus? Die Trends lassen wenig Hoffnung aufkommen.
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„I’m dreaming of a white christmas...“ - nicht nur Bing Crosby träumte von einer weißen Weihnacht. Jedes Jahr lautet die Frage, die sich viele schon im Sommer stellen: Gibt es in diesem Jahr Schnee an Weihnachten?

In unzähligen Weihnachtsliedern, Geschichten, Filmen und natürlich auch in der Werbung, verwandelt sich die Welt an Weihnachten in ein zauberhaftes Schneeparadies. Das Bild, das wir von Weihnachten haben, ist somit stark verzerrt. Denn meteorologisch betrachtet sind weiße Weihnachten, zumindest in weiten Teilen Deutschlands, eher die Ausnahme. Zudem belegen Statistiken: Auch früher hat es an Weihnachten nicht häufiger geschneit.

Wann ist Winteranfang 2019?

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Schnee zum Winteranfang klingt passend, ist aber in der Regel Wunschdenken. Aus kalendarischer Sicht beginnt der Winter auf der Nordhalbkugel erst wenige Tage vor Heiligabend. Dieses Jahr findet die sogenannte Wintersonnenwende am 22. Dezember statt. An diesem Tag steht die Sonne an ihrem tiefsten Punkt. Es handelt sich somit um den „kürzesten“ Tag des Jahres.

Daneben gibt es noch den meteorologischen, auch klimatologischen, Winteranfang. Meteorologen haben den 1. Dezember als Winteranfang festgelegt, um Wetterdaten und Klimaentwicklungen besser auswerten zu können. Das rein praktisch gewählte Datum sagt also herzlich wenig über die Chancen weißer Weihnachten aus.

Weiße Weihnachten 2019: Wie sind die Prognosen?

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Zuverlässige Wettervorhersagen können erst wenige Tage im Voraus gemacht werden. Allerdings analysieren Wetterexperten immer wieder Langzeitmodelle, anhand derer sich ein Trend für das kommende Wetter ableiten lässt. Ein solches Wettermodell des amerikanischen Wetterdienstes NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) dürfte Schneefans in Deutschland entmutigen: Die Forscher erwarten in diesem Jahr einen überdurchschnittlich warmen Dezember in Mitteleuropa. Bezogen auf das langjährige Mittel könnte der Monat rund 1 bis 2 Grad wärmer ausfallen.

Trotzdem ist Schnee an Weihnachten 2019 nicht komplett ausgeschlossen. Das Wettermodell betrachtet nämlich lediglich das Monatsmittel im Dezember. Kalte Witterungsphasen sind also durchaus möglich. Wenn diese auf die Feiertage fallen, könnte es mit der weißen Weihnacht klappen.

Am größten sind die Chancen auf weiße Weihnachten in diesem Jahr wie sonst auch in den Hochlagen ab 800 Metern und in Süddeutschland.

Weiße Weihnacht: Der Deutsche Wetterdienst klärt auf

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) informiert in diesem Video über die Hintergründe zur Entstehung des Weihnachtstauwetters und zeigt anhand von Statistiken, wie oft man in verschiedenen Regionen in Deutschland mit „Weißen Weihnachten“ rechnen kann.

Welche Bedingungen müssen für Schnee an Weihnachten vorliegen?

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Aus meteorologischer Sicht kann von einer „weißen Weihnacht“ nur dann gesprochen werden, wenn an allen drei Festtagen eine mindestens ein Zentimeter hohe Schneedecke liegt. Die klimatischen Bedingungen dafür sind in den meisten Regionen Deutschlands jedoch eher schlecht. Stattdessen ist ein anderes Wetter deutlich wahrscheinlicher an Weihnachten: das sogenannte Weihnachtstauwetter. Unter Meteorologen wird eine solche, von dem normalen Wetterverlauf abweichende, Wetterlage als Singularität bezeichnet. Andere Beispiele sind die Eisheiligen im Mai oder der Martini-Sommer Mitte November.

Damit es an Weihnachten schneit und der Schnee auch liegen bleibt, muss die Frost- beziehungsweise Schneegrenze dauerhaft tief genug sein. Darüber hinaus spielen die örtliche Höhenlage und Witterung sowie die Windverhältnisse eine entscheidende Rolle. Friert der Boden vor den Feiertagen aus und gibt es ausgiebigen Schneefall, der durch eine kalte Hochdruckphase verfestigt wird.

Wo schneit es in Deutschland am wahrscheinlichsten an Weihnachten?

Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gibt es nur an einem einzigen Ort in Deutschland verlässlich Schnee an den Weihnachtstagen: die Feiertage auf der Zugspitze zu verbringen, dürfte für die meisten aber keine Option sein. Abgesehen davon sind die Chancen für weiße Weihnachten im Alpenvorland und im Mittelgebirge relativ gut.

Unter den deutschen Großstädten liegen die bayerischen vorne. In München lag zwischen 1971 und 2015 an 13 von 45 Jahren Schnee an Heiligabend. Das entspricht einem prozentualen Anteil von 29 Prozent. In Regensburg und Augsburg sind es gar 38 beziehungsweise 31 Prozent. Dahinter folgen ostdeutsche Großstädte: Potsdam (27 Prozent), Chemnitz (29 Prozent) und Erfurt (27 Prozent) waren seit 1971 vergleichsweise häufig an Heiligabend von Schnee bedeckt.

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Im norddeutschen Tiefland, im Rheinland und an der Küste ist die Wahrscheinlichkeit für Schnee an den Weihnachtsfeiertagen dagegen statistisch betrachtet eher gering. So lag in Cuxhaven zwischen 1971 und 2015 an gerade einmal vier, in Helgoland sogar nur an zwei Jahren Schnee an Heiligabend. In Hamburg liegt der prozentuale Anteil bei 11, in Hannover bei immerhin 18 Prozent. Schlechter sieht es dagegen in Düsseldorf (9 Prozent) und Köln (11 Prozent) aus.

Gab es früher häufiger weiße Weihnachten?

Früher war alles besser. Auch das Wetter. Doch gab es früher auch häufiger Schnee an Weihnachten? Die Statistik beantwortet diese Frage mit einem klaren Nein. Zwar sticht ein Zeitraum in den letzten sechzig Jahren heraus: Von 1961 bis 1964 gab es eine Folge sehr kalter Winter mit vielerorts weißen Weihnachten. Allerdings waren das vier außergewöhnliche Jahre. Eine vergleichbare Serie hat es in Deutschland seitdem nicht mehr gegeben.

Zuletzt Serie an warmen Dezembern

Im Gegenteil, ein Blick in die Vergangenheit verrät: In Deutschland gab es in den vergangenen zehn Jahren überdurchschnittlich milde Dezember. Allein der Dezember 2010 war kälter als gewöhnlich. Am wärmsten war der Dezember 2015. Damals lag die Durchschnittstemperatur in Deutschland bei knapp 6,5 Grad Celsius.

Das sind die Temperaturmittel im Dezember der letzten zehn Jahre für Deutschland:

Zeitraum Temperaturmittel in °C
Dezember 2009 0,32
Dezember 2010 -3,66
Dezember 2011 3,9
Dezember 2012 1,49
Dezember 2013 3,56
Dezember 2014 2,73
Dezember 2015 6,49
Dezember 2016 2,16
Dezember 2017 2,71
Dezember 2018 3,9

Quelle: wetterkontor.de

Wann gab es das letzte Mal weiße Weihnachten in Deutschland?

Landesweit Schnee an Weihnachten gab es zuletzt 2010. Damals sorgten frostige Temperaturen in der Winterfrühphase vielerorts für weiße Weihnachten. Abrupt vorbei mit dem Winterzauber war es dann aber ab Januar 2011. Wenn also von mehr weißen Weihnachten in der Vergangenheit gesprochen wird, liegt meist ein verzerrtes Bild zugrunde. Einerseits bleiben schöne Kindheitserinnerungen, und weiße Weihnachten zählen sicherlich dazu, besser im Gedächtnis. Andererseits ist auch denkbar, dass sich ältere Generationen noch gut an die außergewöhnliche Kälteperiode in den frühen Sechzigern erinnern.

Ist die globale Erderwärmung Schuld, dass es keine weißen Weihnachten mehr gibt?

Zunächst einmal ist die Fragestellung problematisch, denn sie geht davon aus, dass es früher häufiger Schnee an Weihnachten gegeben habe. Das ist aber angesichts der Daten, die Wetterforscher seit Jahrzehnten sammeln, ein Mythos. Tatsächlich ist mildes Wetter an Weihnachten typisch für viele Regionen in Deutschland. Ganz unschuldig ist der Klimawandel aber auch nicht. Zwar ist er nicht dafür verantwortlich, dass es über die Weihnachtsfeiertage selten Schnee gibt, wohl aber dafür, dass milde Winter insgesamt häufiger vorkommen.

Weiße Weihnachten 2019?

Schlittschuhlaufen und Schneeballschlachten an Weihnachten? Auf diese und weitere Winterfreuden muss in vielen Regionen auch 2019 verzichtet werden - zumindest an den Feiertagen selbst. Trotzdem sollte man sich deshalb nicht das Fest verderben lassen. Und den Winterurlaub gibt es ja schließlich auch noch.

RND/pf