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Wegen Nähe zu Verschwörungstheoretikern: Hamburger Kiezszene distanziert sich von legendären Clubs

  • Die Betreibenden der Hamburger Clubs Große Freiheit und Docks waren bereits vergangenes Jahr mit Plakaten fragwürdigen Inhalts gegen die Corona-Maßnahmen aufgefallen.
  • Ein Plakat, das letzte Woche vor dem Docks hing, brachte nun die Eskalation.
  • Etliche Veranstalter der Hamburger Kulturszene haben angekündigt, nicht mehr mit den beiden Clubs zusammenzuarbeiten.
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Die Corona-Pandemie und der damit einhergehende Lockdown sind wahrscheinlich die größte Krise, die die Club- und Veranstaltungsszene seit Jahrzehnten erlebt hat. In Hamburg sind die Betreiber zweier bekannter Kiezclubs, der Großen Freiheit 36 und des Docks, in den letzten Monaten immer wieder mit Kritik an den Corona-Regeln und fragwürdigen Äußerungen auf Plakaten an ihren Einrichtungen aufgefallen.

Denn inhaltlich stünden die Aussagen in der Nähe von Behauptungen, die auch von Akteuren aus der Querdenker-Szene gemacht werden, so die Kritik. Wichtige Geschäftspartnerinnen und -partner aus der Veranstaltungsszene haben sich deswegen am Mittwoch in einem offenen Brief von den Clubs distanziert.

Fragwürdige Aufrufe

Auslöser war nach einem Bericht der „Hamburger Morgenpost“ offenbar ein Plakat am Docks, das den Passanten in der vergangenen Woche empfahl, sich „mit Wissen zu bewaffnen“. Darunter fand sich eine Liste mit Webseitenempfehlungen, deren Urheber in der Szene von Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern bekannt sind. Auch die Webseite des Publizisten Ken Jebsen wurde aufgelistet – dessen Youtube-Kanal wurde von der Videoplattform bereits dauerhaft wegen Falschinformationen gesperrt.

In ihrem offenen Brief haben die Hamburger Veranstalter nun gedroht, ihre Zusammenarbeit mit den beiden Clubs zu beenden. „Spätestens mit indirekten Aufrufen zur Gewalt und dem Verweis auf rechtspopulistische und verschwörerische ‚Medien‘, die diesen Namen nicht verdienen, hat unsere Geduld ihr Ende gefunden“, schreiben die Unterzeichner des Briefs, der unter anderem auch bei Facebook veröffentlicht wurde.

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Absage aus der Szene

„In einer Zeit, in der unsere Branche zusammenstehen sollte, und in der sich unzählige Menschen nach der verbindenden Kraft von Livekultur sehnen, sucht ihr anscheinend den Schulterschluss mit Schwurblern, Verschwörern und jenen, die keinen Widerspruch darin sehen, neben Nazis für Demokratie zu demonstrieren“, heißt es weiter. Die Veranstalter sind auch gewillt, Konsequenzen zu ziehen und sich nicht nur inhaltlich zu distanzieren: „Das können und werden wir nicht länger akzeptieren. Veranstaltungen unter eurem Dach kommen unter diesen Bedingungen für uns nicht infrage – den daraus entstehenden Schaden für alle Gäste und den Kulturstandort der weltoffenen Stadt Hamburg werden wir dafür in Kauf nehmen.“

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Halten sie Wort, könnte das die Lage der beiden Hamburger Clubs weiter verschlechtern – vor allem über das Ende eines Lockdowns hinaus. Laut eigener Aussage sind die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des Briefs für 90 Prozent der offiziell veranstalteten Konzerte in Hamburg verantwortlich.

Betroffene äußern sich nicht

Die Adressaten des Briefs haben bisher nicht auf den Appell ihrer Kolleginnen und Kollegen reagiert. Weder auf der Webseite des Docks noch auf der der Großen Freiheit 36 findet sich ein Statement. Auf den Facebook-Seiten der Clubs blieb es bis jetzt still. Auch eine Anfrage des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) ließen die Verantwortlichen des Docks und der Großen Freiheit 36 bisher unbeantwortet.

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Tontechniker meldet sich zu Wort

Fast zeitgleich mit der Veröffentlichung des öffentlichen Briefes hat sich am Mittwoch allerdings auch ein Tontechniker auf Facebook geäußert. Der Mann war nach eigenen Angaben mehr als zehn Jahre lang häufig für die Große Freiheit tätig. Er kündigte an, künftig nicht mehr für das Docks und die Großen Freiheit 36 arbeiten zu wollen, weil er „ganz und gar nicht“ mit den Äußerungen der Inhaber einverstanden sei.

Doch warnt der Hamburger, die Mitarbeiter nicht für die Äußerungen ihrer Chefs abzustrafen: „Ich möchte abschließend noch einmal zusammenfassen, dass wir, der überwiegende Teil der Mitarbeiter aus der Großen Freiheit 36, nicht hinter den Ansichten und Aussagen der Inhaber und Geschäftsführer stehen. Ich möchte für ein Verständnis der Leute werben, die uns alle gemeinsam in einen Topf mit denen werfen, die mit unseren Ansichten und unserem Denken rein gar nichts zu tun haben und uns deren Identifizierung aufzwingen wollen.“

Der Musikclub Große Freiheit 36, der sich an der namensgebenden Adresse auf St. Pauli in Hamburg befindet, ist legendär. Schon die Beatles haben hier ihre ersten Konzerte gegeben.

Nadine Wolter

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