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Wegen Kopftuch: Muslimin wird am ersten Praktikumstag nach Hause geschickt

  • Eine 20-jährige Frau aus Bochum wollte eigentlich in einem Herner Krankenhaus ein Praktikum machen – und wurde sofort wieder nach Hause geschickt.
  • Der Grund: ihr Kopftuch.
  • Es zu tragen sei während der Arbeitszeiten nicht erlaubt, heißt es seitens der Klinik.
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Herne. Einer 20-jährigen Frau ist in Herne (NRW) das Praktikum in einem Krankenhaus verweigert worden – und zwar offenbar deshalb, weil sie ein Kopftuch trägt. Darüber berichtet die “Westdeutsche Allgemeine Zeitung” (WAZ).

Laut dem Bericht habe die Muslimin ein fünftägiges Praktikum im örtlichen Marien-Hospital antreten wollen, wurde aber direkt am ersten Tag wieder nach Hause geschickt. Wenn sie ihr Kopftuch nicht ablege, dann dürfe sie in der Uniklinik kein Praktikum machen, habe man der Bochumerin direkt am Morgen zur Begrüßung mitgeteilt.

Die Studentin sei daraufhin tief getroffen nach Hause gegangen. “Das ist pure Diskriminierung”, sagte sie der Zeitung. Das Verhalten des Krankenhauses bezeichnet sie als unverschämt, unmenschlich und entwürdigend.

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“Erschüttert mich zutiefst”

Die 20-Jährige trage das Kopftuch, weil sie Muslimin sei. Sie habe marokkanische Wurzeln, sei in Deutschland geboren und habe einen deutschen Pass. Dass sie im Jahr 2020 wegen “eines Stück Stoffs” daran gehindert werde, in einem deutschen Krankenhaus ein Pflichtpraktikum für ihr Studium zu machen, erschüttere sie zutiefst.

Doch was sagt das Krankenhaus zum Vorfall? Geschäftsführer Theo Freitag argumentiert gegenüber der Zeitung, dass das Tragen von Kopftüchern am Arbeitsplatz in den Krankenhäusern der St.-Elisabeth-Gruppe grundsätzlich nicht erlaubt sei. Unvoreingenommenheit und Zuwendung seien im Kontakt mit den Patienten für das Unternehmen wichtig. „Entsprechend erwarten wir von unseren Mitarbeitern ein neutrales Erscheinungsbild am Arbeitsplatz, an dem die Behandlung der Patienten im Fokus steht“, betont Freitag. „Symbolische Glaubensbekenntnisse haben keinen Vorrang am Arbeitsplatz.“

Arbeitsgericht entschied bereits 2014

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Ein Einzelfall sei das übrigens nicht, schreibt die Zeitung. Auch andere Krankenhäuser in der Region, etwa die Evangelische Krankenhausgemeinschaft Herne/Castrop-Rauxel sowie die Kliniken in Herne-Süd und Eickel dulden während der Arbeitszeiten kein Kopftuch.

Die Krankenhäuser berufen sich auf eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 2014. Damals entschied das Gericht, dass kirchliche Ein­rich­tun­gen das Tra­gen eines Kopf­tu­ches als Sym­bol der Zu­ge­hö­rig­keit zum is­la­mi­schen Glau­ben ver­bie­ten dür­fen.

RND/msc

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