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Spanien, Frankreich, USA

Der Hitze trotzen: Was Deutschland von anderen Ländern lernen kann

Ein Hund liegt bei sommerlichen Temperaturen erschöpft auf den Steinen einer Terrasse. Ein schattiges Plätzchen wäre besser.

Spanien, Frankreich und Italien kämpfen schon mit einer Hitzewelle mit 40 Grad, Deutschland erwartet sie für Mitte Juli. Welche Strategien haben andere Länder im Umgang mit hohen Temperaturen, von denen auch Deutschland profitieren kann?

Die Folgen des Klimawandels zeigen sich in Deutschland immer deutlicher. Die Häufigkeit und Stärke von Extremwetterereignissen erhöhen sich, dazu gehören auch häufigere und länger andauernde Hitzeperioden, wie sie der Deutsche Wetterdienst für Mitte Juli ankündigt. Auf der Suche nach Strategien gegen die drückende Hitze lohnt sich ein Blick auf Länder, die hohe Temperaturen längst gewohnt sind. Welche Maßnahmen haben sie entwickelt, um der Hitze zu trotzen?

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Frankreich: Smartphone-App und Frischeinseln

Die Hitzewelle von 2003 traf besonders Frankreich sehr hart. Etwa 15.000 Menschen starben. Vor allem in der Hauptstadt Paris kamen viele ältere, allein lebende Menschen ums Leben. Dieser Hitzesommer war der Startschuss für den Aufbau von Hitzewarnsystemen in Europa. Seit 2017 hat das Land einen vierstufigen Hitzeaktionsplan. Steigen die Temperaturen an, intensivieren Wetterdienst Météo France und die Generaldirektion für Gesundheit stufenweise die Überwachung. Die Kommunen und das Gesundheitswesen ergreifen präventive Maßnahmen, bei denen beispielsweise allein lebende Menschen kontaktiert und kühle Zufluchtsorte in den Rathäusern bereitgestellt werden. Bei rotem Wetteralarm, der letzten Warnstufe, werden Sportveranstaltungen und Open-Air-Termine abgesagt und die Behörden richten Krisenstäbe für Pflegeheime wie Kliniken ein.

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2018 veröffentlichte die Stadt die Smartphone-App „Extrema Paris“, die Nutzern und Nutzerinnen kühle Zufluchtsorte in der Hauptstadt anzeigt. Diese Frischeinseln reichen von Grünanlagen, Zerstäubern und kostenfreien Badestellen bis hin zu Kirchen, Museen, Bibliotheken und unterirdischen Passagen. 150 von ihnen sind auch nachts zugänglich. In Athen entwickelt, übernahmen weitere Städte wie Rotterdam und Mailand die App. Basierend auf Echtzeit-Satellitendaten sowie modell- und stadtspezifischen Daten kalkuliert die App Temperatur, Luftfeuchtigkeit und den Unbehaglichkeitsindex je Quadratkilometer. So ordnet sie die Parks entsprechend ihrer Sonneneinstrahlung an.

In Paris kann der Durst an 1200 Trinkwasserbrunnen gestillt werden. 48 Zerstäuber und 37 sogenannte Zwei-in-eins-Brunnen bieten Wasser und Erfrischung. Zudem soll mehr Grün Schatten und Kühlung bringen: 100 Hektar Dächer und Fassaden sollen begrünt, 30 Hektar neue Grünflächen in der Stadt geschaffen und 200 öffentlichen Plätze bepflanzt werden.

USA: Reflektierende Dächer und helle Fahrbahnflächen in New York und Los Angeles

Extreme Hitze kommt in New York während der Sommermonate regelmäßig vor. Die größtenteils aus Asphalt, Beton und Metall bestehende Infrastruktur fängt die Wärme ein. Es gibt aber Dächer, die die Hitze reflektieren, anstatt sie aufzunehmen. Bei dieser Idee setzte die „CoolRoof“-Initiative aus New York an und überzeugte viele Bauherren davon, ihre Dächer mit sonnenreflektierender Beschichtung zu streichen und so die lokale Umgebungstemperatur zu senken.

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Dass die Methode funktioniert, ist mittlerweile wissenschaftlich bestätigt. Untersuchungen der Nasa haben ergeben, dass ein weißes Dach an den heißesten Sommertagen in New York City bis zu 42 Grad kühler sein kann als ein normales schwarzes Dach. Ab 2018 wurden mehr als 450.00 Quadratmeter Dächer mit einer reflektierenden Beschichtung gestrichen. Die weißen Dächer haben einen weiteren positiven Effekt: Sie helfen dabei, den Energieverbrauch durch Klimaanlagen zu mindern und somit den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren.

Wenn die Temperaturen in der Stadt gefährlich hohe Werte annehmen, öffnen in den fünf Bezirken von New York Kühlhäuser. Das nächstgelegene kann man über die Webseite des städtischen Notfallmanagements finden.

Das Konzept der weißen Dächer hat Los Angeles 2017 für die Straßen adaptiert. In einem Pilotprojekt experimentierte die Stadt mit einer hellen Spezialfarbe, durch die sich die Fahrbahnflächen nicht so schnell aufheizen. Bis 2030 möchte Bürgermeister Eric Garcetti die Durchschnittstemperatur der Stadt um 1,7 Grad abkühlen. Das Projekt zeigt bereits: Die Temperatur der gestrichenen Straßen sinkt um bis zu 23 Grad. Der Grund: Normaler schwarzer Asphalt absorbiert bis zu 95 Prozent des Sonnenlichts und heizt dadurch die Straße auf.

Japan: Sonnenschirme, Kühlpacks in Handtüchern und Ventilatoren im Hemd

Im Süden Japans wird es während des Sommers mit 30 bis 38 Grad sehr heiß und feucht. Während in den meisten Haushalten die Klimaanlagen die Räume kühl halten, sind draußen Sonnenschirme ein unerlässlicher Schutz gegen die Sonne. In den Städten haben sich spezielle Modelle mit einem UV-Schutz durchgesetztes. Ein nass-kühlendes Handtuch im Nacken oder auf dem Kopf sind ebenso ein häufiges Bild auf den Straßen. Andere greifen auf Kühlpacks zurück, die, ähnlich dem Prinzip von Wärmflaschen, in Handtücher gewickelt werden.

Um sich vor der Sonne zu schützen, nutzen die Menschen in Japan gern einen Sonnenschirm. Zum Abkühlen nutzen sie auch Kühlpacks in Handtüchern gewickelt.

Um sich vor der Sonne zu schützen, nutzen die Menschen in Japan gern einen Sonnenschirm. Zum Abkühlen nutzen sie auch Kühlpacks in Handtüchern gewickelt.

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Viele Menschen in Japan tragen lange, luftdurchlässige Kleider. Traditionell tragen Frauen einen Sommerkimono und Männer einen Pyjama-ähnlichen Jinbei. Sie schützen sowohl vor Sonneneinstrahlung als auch Erkältungen beim Wechsel zwischen warmer Außenluft und klimatisierten Innenräumen. Auch Erfindungsreichtum ist gefragt: Es gibt Kleidung mit Kühlaggregaten oder verbauten Ventilatoren zu kaufen, die den Träger auch im klassischen Hemd kühl hält.

Spanien: schattenspendende Innenstädte, Klimaunterkünfte und Superblocks in Barcelona

In Spanien leben die Menschen schon lange mit heißen Temperaturen und haben gelernt, die intensive Sonneneinstrahlung zu meiden. In vielen Innenstädten sind die Straßen so eng angelegt, dass sie den Tag über natürlichen Schatten bieten. Vor 16 oder gar 18 Uhr bewegt sich kaum jemand aus dem Schatten. Erst in den Abendstunden, wenn die Temperaturen auf unter 30 Grad Celsius fallen, trifft man hier Freundinnen und Freunde oder setzt sich in Bars und Restaurants.

Doch als Folge des Klimawandels kämpft das Land wiederholt mit Hitzewellen, die über 40 Grad ins Land bringen. Das ist selbst für Spanien eine Extremsituation. Abkühlung suchen die Menschen in Brunnen, Eisdielen, Einkaufszentren und den Stränden. Die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen möchte der Stadtrat von Barcelona mit einem Netzwerk an Klimaunterkünften schützen. Die gut erreichbaren Räume, vor allem in örtlichen Schulen, werden auf 26 Grad klimatisiert und sollen auch Ruhe- und Wasserbereiche beinhalten. Von 15. Juni bis 15. September sind die mittlerweile 163 Räume in allen Stadtteilen aktiviert. Sie sollen sicherstellen, dass etwa 90 Prozent der Bevölkerung innerhalb von zehn Minuten zu Fuß eine der Klimaunterkünfte erreichen können.

Bald im Gerichtsviertel? So sieht die Straße eines sogenannten Superblocks in Barcelona aus. Autos sind dort nur geduldet.

So sieht die Straße eines sogenannten Superblocks in Barcelona aus. Autos sind dort nur geduldet.

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Im hoch verdichteten Zentrum weist die Stadt seit fünf Jahren großflächig sogenannte Superblocks aus. Im Inneren gibt es Platz für Grün und Freizeitflächen, der Durchgangsverkehr muss außen herumfahren. Die derzeit noch isolierten, grünen Inseln sollen in Zukunft ein Netz bilden. In Deutschland inspirieren die Superblocks bereits einige Städte dazu, die Verkehrsplanung neu zu denken, darunter Leipzig, Hamburg und München. In Berlin sollen schon bald 15 dieser Blocks entstehen.

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