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  • Warwickshire, England: 118 Jahre alter Hunde-Grabstein wird wegen rassistischem Namen entfernt

Wegen rassistischem Namen: Hunde-Grabstein aus englischem Park entfernt

  • Der 118 Jahre alte Grabstein eines Hundes namens Nigger wurde aus dem lauschigen Coombe Abbey Park in der Grafschaft Warwickshire entfernt.
  • Schon im Vorjahr hatte die "Black Lives Matter"-Bewegung protestiert.
  • Jetzt wird die Antirassismus-Maßnahme in Coventry kontrovers diskutiert.
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Der Grabstein von “Nigger” wurde aus dem pittoresken Coombe Abbey Park der mittelenglischen Grafschaft Warwickshire entfernt. Es handelte sich dabei um einen Hund, der am 22. Juli 1902, also vor ziemlich genau 118 Jahren, starb, und dem sein Herrchen einen Gedenkstein setzen ließ. Das N-Wort auf dem Stein war der “Black Lives Matter”-Bewegung schon im vergangenen Jahr ein Dorn im Auge gewesen.

Die Verwaltung wollte den Stein zunächst stehen lassen

Deren Beschwerden hatte der Stadtrat von Coventry im Vorjahr nicht stattgegeben. Die Verwaltung weigerte sich, den Stein verschwinden zu lassen. Nachdem die Antirassismus-Bewegung in der Folge der Tötung des Afroamerikaners George Floyd durch Polizisten am 25. Mai im US-Bundesstaat Minneapolis weltweit anwuchs und in vielen Städten Demonstrationen gegen Diskriminierung stattfanden, wurde dem Ansinnen von “Black Lives Matter” doch noch Rechnung getragen. Der Grabstein mit dem N-Wort verschwand.

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“Nigger” immer öfter als “N-Wort” umschrieben, ist eine Verballhornung des ebenfalls umstrittenen Wortes “Negro”, das sich von dem lateinischen Wort “niger/nigra/nigrum” für “schwarz, dunkel, düster” herleitet. Die Bezeichnungen gelten als ab- und entwertende Worte, als rassistische Beleidigungen und Diskriminierungen von Menschen mit dunkler Hautfarbe. Vor allem in der Sklaverei und während der Kolonialzeit wurden die Bezeichnungen massiv genutzt, um weiße Dominanz auszudrücken.

Stadtrat: “Unsere Haltung zu Rassismus ist eindeutig”

Kontrovers wird diskutiert, ob die heute eindeutig als verächtlich machend konnotierten Worte aus historischen Werken entfernt und durch alternative Begriffe ersetzt werden oder aber erhalten bleiben sollten, um keine historische Verfälschung zu erzeugen. “Unsere Haltung zu Rassismus ist eindeutig”, versicherte ein Sprecher des Stadtrates entsprechend, “und obwohl der Grabstein aus einer anderen Zeit stammt, wirkt er heute unpassend.” Dass der Stein nicht schon im Vorjahr entfernt wurde, geschah angeblich aus guten Gründen. Man wollte Touristen wie Einheimischen einen Denkanstoß in puncto Rassismus geben.

Ein Einheimischer äußerte sich gegenüber der “Daily Mail” bezüglich all jener, die den Grabstein als Dokument einer vergangenen Zeit sahen: “Sie sehen nicht, dass er (der Stein) nur für weiße Menschen akzeptabel war, und dass schwarze Menschen bis zuletzt gekränkt waren, weil man dieses Wort an so einem öffentlichen Platz verewigt hatte.”

Die Entfernung wird kontrovers diskutiert

Jody Pattison, die für den Verbleib des Steins plädiert hatte, äußerte sich sarkastisch gegenüber der Zeitung: “Warum machen wir nicht ganz Großbritannien platt, um die Erinnerung an den Imperialismus komplett zu löschen.” Eine andere Einwohnerin von Coventry, Lisa Pickering, empfindet die Entfernung glattweg als “Witz”: “Lasst Geschichte in Ruhe, ob es ein Grab oder eine Statue ist – bevor diese Stadt keine Geschichte mehr hat.”

RND/big

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