Warmer Einheitsbrei: Wie der Hafer zum Trendgetreide wurde

Chia, Quinoa und Co. waren gestern, der neue Liebling unter den gesunden Getreidesorten ist ein alter Bekannter: Der bescheidene Hafer erobert – vor allem gekocht, als Porridge – die Foodblogs und Restaurantküchen.

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Hannover. Ein finnisches Unternehmen hat ein Verfahren entwickelt, mit dessen Hilfe sich Hafer so zubereiten lässt, dass er schmeckt, als habe man gerade einen Burger oder besser noch ein Pulled-Pork-Sandwich gegessen. Vielen Menschen scheint das eine bessere Alternative zu sein, als der Gedanke, anstelle von Fleisch eines Tages Insekten essen zu müssen.

Es könnte also gut sein, dass 2019 das Jahr des Hafers wird. Hafer enthält nicht nur viele Nährstoffe und Vitamine. Vor allem könnte das Getreide, mal ganz theoretisch und ungeachtet jeglicher Absurditäten der modernen Landwirtschaft, auf Feldern direkt vor unserer Haustür wachsen.

Mit Blick auf die CO2-Bilanz hat der Hafer als Superfood all den Chiasamen, Gojibeeren und Quinoakörnern, die gesundheitsbewusste Deutsche zurzeit kaufen, somit sehr viel voraus.

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Porridge ist allgegenwärtig

Tatsächlich sind die vielen Verwendungsmöglichkeiten beim Hafer aber gar nicht entscheidend. Denn am liebsten essen wir das Getreide ganz einfach so, schlicht, als Flocke. Haferflocken bilden schließlich die Grundlage für jedes Müsli. Wenn man sie vorher backt, wird ein zeitgemäßes Granola daraus, wenn man sie einweicht, die sogenannten Overnight Oats.

Wirklich viele Menschen essen ihre Haferflocken aber mittlerweile nicht nur morgens, sondern auch mittags und abends als Porridge. Das mag verwundern, weil da ausgerechnet ein einfaches Mahl der lange als ungenießbar verschrieenen britischen Küche Weltkarriere macht. Aber es stimmt: Rezepte für Porridge sind zurzeit nicht nur im Internet allgegenwärtig.

Auch im Supermarkt reiht sich Packung um Packung mit Instant-Porridge in das Cerealien-Regal ein. Es gibt Haferbrei mit Banane und Schokolade, mit Mohn, Aprikosen und Kürbis. Der „Süddeutschen Zeitung“ haben vor Kurzem mehrere Spitzenköche Rezepte für ihren Lieblingsporridge verraten.

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Gesund, regional anbaubar und als Porridge auch noch instagramfähig: Hafer hat viele Qualitäten.

Zwar gab es schon vor zehn Jahren Berichte, nach denen Porridge ein Foodtrend sein sollte. Mittlerweile, kann man sagen, er ist es wirklich. Es gibt sogar einige Studien dazu: Jodie Minotto vom Marktforschungsinstitut Mintel etwa prognostizierte zuletzt im Jahr 2018 eine Art Siegeszug des Porridges. In Berlin, wo so viele Trends ihren Anfang nehmen, gibt es ein Porridge-Restaurant.

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Deshalb scheiden sich längst auch mal wieder die Geister darüber, was echt ist: Kenner sind stolz darauf, den ursprünglich aus Schottland stammenden Brei aus geschnittenem Hafer in Mineralwasser und einer Prise Salz für etwa 20 Minuten zu kochen, bis er sämig ist. Milch, Sahne oder Joghurt gibt man erst später dazu, oder tunkt traditionell einfach den Löffel hinein.

Ein warmes Gefühl im Bauch

Andere kochen zarte Flocken sofort in Milch, geben Butter, Zimtzucker, Nüsse, Apfelmus oder süße Früchte hinzu. Zeitgeister kochen Haferflocken oder Quinoakörner in Wasser und kombinieren diese mit Ziegenkäse, Honig, Kräutern und Ofengemüse.

Was bleibt, wenn die Briten am 29. März tatsächlich die EU verlassen? Seien wir ehrlich, wir wissen es nicht. Die Briten behalten ihren Sitz in der Nato. Uns bleibt der Porridge. Immerhin können wir dann mit einem warmen Gefühl im Bauch an Zeiten der Einheit zurückdenken.

Von Dany Schrader

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