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„Waldläufer von Oppenau“: Drei Jahre und neun Monate Haft gefordert

  • Vor Gericht wird dem „Waldläufer von Oppenau“ von einem Psychiater eine zumindest teilweise verminderte Schuldfähigkeit bescheinigt.
  • Die Staatsanwaltschaft geht von einem minderschweren Fall von Geiselnahme aus.
  • Sie fordert drei Jahre und neun Monate Haft.
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Offenburg. Die Staatsanwaltschaft hat im Prozess um den „Waldläufer von Oppenau“ und dessen spektakuläre Flucht mit gestohlenen Polizeiwaffen eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten gefordert. Man gehe von einem minderschweren Fall von Geiselnahme aus, sagte Staatsanwältin Raffaela Sinz am Dienstag vor dem Landgericht Offenburg. Für den Angeklagten spreche unter anderem, dass er frühzeitig ein Geständnis abgelegt und sich im Verfahren entschuldigt habe - und dass es sich nicht um eine typische Geiselnahme gehandelt habe.

Zuvor hatte ein Psychiater dem Beschuldigten eine zumindest teilweise verminderte Schuldfähigkeit bescheinigt. Yves R. leide an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung, sagte Gutachter Dr. Stephan Bork. Für die Festnahmesituation, als R. einen Beamten mit einem Beil verletzte, stellte der Gutachter eine verminderte Schuldfähigkeit fest, nicht jedoch für die vorangegangene Entwaffnung der Polizisten.

Vor Festnahme in affektiver Ausnahmesituation

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Vor seiner Festnahme habe sich der hungrige, durstige und übernächtigte Mann in einer affektiven Ausnahmesituation befunden - und in einer für ihn ausweglosen Pattsituation. Sein Verständnis von Ehre habe es ihm unmöglich gemacht, aufzugeben. Sein Lebenswille sei jedoch so stark gewesen, dass er keine der gestohlenen Waffen habe ziehen wollen. Dann habe ihn ein Taser getroffen, woraufhin er mit dem Beil in Richtung des Schmerzreizes geschlagen und den SEK-Beamten getroffen habe. Keine affektive Ausnahmesituation habe jedoch für R. geherrscht, als er in der Hütte von den Polizisten kontrolliert worden sei. Der Gutachter beschrieb R. als einen intelligenten Mann, der in seinen Verhaltensmustern jedoch deutlich von gesellschaftlich akzeptierten Normen abweiche.

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Der als „Waldläufer von Oppenau“ bekannt gewordene Yves R. hatte im Juli 2020 bei der Kontrolle einer von ihm illegal bewohnten Waldhütte im Schwarzwald vier Polizisten entwaffnet und war mit deren Dienstwaffen in den Wald geflohen. Die Polizei suchte mit einem Großaufgebot nach dem heute 32-Jährigen. Erst fünf Tage später gelang die Festnahme in einem Gebüsch nahe Oppenau. Der mehrfach vorbestrafte R. verletzte dabei einen SEK-Beamten mit einem Beil am Fuß. Neben Geiselnahme werden ihm auch tätlicher Angriff gegen Vollstreckungsbeamte und Verstöße gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Ein Urteil wird für Freitag erwartet.

RND/dpa

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