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Brände in Griechenland: Hoffnung auf Entspannung

Ein Feuerwehrmann kämpft gegen einen Brand im Norden der Insel Euböa. Die Waldbrände wüten in ganz Griechenland weiter. Vor allem auf der Insel Euböa, wo am Wochenende Tausende Menschen evakuiert wurden.

Ein Feuerwehrmann kämpft gegen einen Brand im Norden der Insel Euböa. Die Waldbrände wüten in ganz Griechenland weiter. Vor allem auf der Insel Euböa, wo am Wochenende Tausende Menschen evakuiert wurden.

Seit sieben Tagen fressen sich gewaltige Feuerwalzen durch die Wälder im Norden der zweitgrößten griechischen Insel Euböa, aber den Feuerwehren gelang es bis zum Montagnachmittag nicht, die Flammen entscheidend einzudämmen. Unterdessen beginnt eine Diskussion über die Ursachen der Katastrophe. Die Regierung des konservativen Premiers Kyriakos Mitsotakis kommt politisch unter Druck.

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Waldbrände auf griechischer Insel Euböa weiter außer Kontrolle

Auf dem Festland, wo in den vergangenen Tagen Vororte der Hauptstadt Athen bedroht waren, gingen die Feuer dagegen etwas zurück.

Dramatische Szenen spielten sich in der Nacht zum Montag auf Euböa ab: Bewohner und Bewohnerinnen flüchteten vor den herannahenden Flammen aus ihren Dörfern an die Strände und wurden dort von Fischerbooten und Fähren aufgenommen, weil alle anderen Fluchtwege versperrt waren. Seit Tagen laufen diese Rettungsaktionen. Über 40 Dörfer wurden bereits geräumt, Tausende Menschen sind obdachlos. Viele kamen bei Freunden und Freundinnen und Verwandten unter, andere wurden kostenlos in Hotels einquartiert oder nächtigen auf Feldbetten in Sporthallen. Alle hoffen, dass ihre Häuser noch stehen, wenn sie in die Dörfer zurückkehren können. Ein tragischer Lichtblick: Auf Euböa ist inzwischen so viel Wald verbrannt, dass die Feuer vielerorts keine Nahrung mehr finden und von selbst verlöschen – etwa wenn die Flammen die Küste erreichen.

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Wälder in Griechenland völlig ausgedörrt

Hunderte Gebäude sind bereits abgebrannt. Viele Ortschaften sind ohne Elektrizitätsversorgung, über 2000 Strommasten hat das Feuer zerstört. Nach einer Woche Dauereinsatz sind die Löschmannschaften mit ihren Kräften am Ende. Umso willkommener ist die Hilfe aus dem Ausland. 20 Länder haben bereits Feuerwehrleute, Löschfahrzeuge, Flugzeuge und Hubschrauber geschickt oder zugesagt. Neben vielen EU-Staaten sind darunter auch Katar, Kuwait, Ägypten und die Ukraine. Deutschland zögerte lange. Erst gegen Ende der Woche wird ein Konvoi aus 46 Fahrzeugen mit 221 Feuerwehrleuten und Helfenden des Technischen Hilfswerks in Griechenland erwartet.

Bis dahin wird das Schlimmste vorbei sein, hoffen Experten und Expertinnen. Der Vorsitzende der Feuerwehrgewerkschaft, Dimitris Stathopoulos, äußerte die Hoffnung, dass die Feuerfronten auf Euböa bis zum Montagabend unter Kontrolle gebracht werden können. Auch bei den Bränden auf der Halbinsel Peloponnes zeichnete sich am Montag eine Entspannung ab. Die Feuer nördlich der Hauptstadt Athen waren am Montag bis auf wenige Brandnester gelöscht. Aber die Feuerwehren rücken nicht ab. Größte Sorge der Löschmannschaften ist, dass auffrischende Winde die Flammen neu anfachen könnten. Nach zwei extremen Hitzewellen in den vergangenen acht Wochen sind die Wälder in Griechenland völlig ausgedörrt.

Über die Ursachen der Feuer gibt es bisher nur Vermutungen. In vielen Fällen dürfte Unachtsamkeit im Spiel sein, in anderen möglicherweise Brandstiftung. In einem abgebrannten Wald bei Athen fanden Löschmannschaften Gerätschaften, die auf Brandstiftung hinweisen. Die Staatsanwaltschaft beim Obersten Gerichtshof ordnete Ermittlungen an. Die Polizei meldete im ganzen Land etwa zwei Dutzend Festnahmen verdächtiger Personen. Belastbare Beweise scheint es aber bisher nicht zu geben.

Noch sind die Brände nicht gelöscht, aber die Bilanz dieser Katastrophe ist bereits jetzt verheerend. Griechische Fachleute haben Satellitenbilder ausgewertet. Danach sind bisher in der Hauptstadtprovinz Attika rund 8000 Hektar abgebrannt, auf der Halbinsel Peloponnes 11.100 Hektar und auf Euböa etwa 46.000 Hektar, zusammen also mehr als 65.000 Hektar. Das entspricht dem Dreifachen der Fläche Düsseldorfs. Damit sind seit Anfang dieses Jahres in Griechenland bereits mehr als doppelt so viele Wälder abgebrannt wie im jährlichen Durchschnitt der vergangenen zwölf Jahre.

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Waldbrände bei Athen: Feuerwehrkräfte aus NRW eilen zur Hilfe

Seit Tagen kämpft Griechenland gegen verheerende Waldbrände. Mehrere Ortschaften werden evakuiert, viele Einsatzkräfte sind entkräftet. Nun kommt Unterstützung.

Experten und Expertinnen kritisieren seit Jahren, dass Griechenland nicht genug zur Brandvorsorge tut. Die meisten griechischen Wälder werden nicht bewirtschaftet. Trockenes Gestrüpp und totes Geäst bieten dem Feuer reiche Nahrung. Es fehlt an Wirtschaftswegen, auf denen die Feuerwehren in die Wälder gelangen könnten. Weil es auf dem Land immer noch kein flächendeckendes Netz freiwilliger Feuerwehren gibt, vergeht oft viel Zeit, bis entstehende Brände entdeckt und bekämpft werden können.

Winde, Rauchentwicklung und das schwierige Terrain behinderten Löscharbeiten

Aktuell gibt es viel Kritik an der Regierung, weil vielerorts die Bewohner bedrohter Ortschaften lange vergeblich auf die Löschflugzeuge warten mussten. Vor allem auf Euböa ist der Vorwurf zu hören, die Regierung habe die Wasserbomber und Hubschrauber im Norden Athens eingesetzt und die Insel ihrem Schicksal überlassen. Aber auch regierungsfreundliche Medien üben Kritik. Die Zeitung „To Vima“ stellte fest, die bisher erfolgreiche Regierung habe nun „zum ersten Mal stufenweise die Kontrolle verloren“. Der Chef des griechischen Zivilschutzes sagte dazu, starke Winde, extreme Rauchentwicklung und das schwierige Terrain hätten die Einsätze von Löschflugzeugen auf Euböa behindert. Man sei durch die zahlreichen Feuer, darunter vier gleichzeitige Großbrände, mit einer „extremen Lage“ konfrontiert worden, die es so noch nie gegeben habe. Auf der anderen Seite räumen auch kritische Stimmen ein, dass die Evakuierungen bedrohter Orte dank des neuen Alarmsystems viel besser funktionierten als bei früheren Brandkatastrophen. Bei den Bränden gab es bisher nur ein Todesopfer: Ein 38-jähriger Brandhelfer wurde bei Athen von einem umstürzenden Strommast erschlagen.

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