• Startseite
  • Panorama
  • Vorwürfe gegen US-Auffanglager: Migrantinnen sterilisiert, Corona ignoriert

Vorwürfe gegen US-Auffanglager: Migrantinnen sterilisiert, Corona ignoriert

  • Ein Arzt soll in einem US-Auffanglager Migrantinnen ohne deren Wissen sterilisiert haben.
  • Zudem seien in dem Auffanglager die Gefahren des Coronavirus systematisch ignoriert worden.
  • In einer Beschwerde fasst eine ehemalige Krankenschwester der Einrichtung ihre Vorwürfe zusammen.
Anzeige
Anzeige

Irwin County. Die Krankenschwester Dawn Wooten erhebt schwere Vorwürfe gegen die US-amerikanische Einwanderungs- und Zollbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) und ein von der Behörde betriebenes Auffanglager für Migranten in Irwin County im Bundesstaat Georgia.

Demnach soll ein für die Einrichtung tätiger Arzt spanischsprachige Migrantinnen sterilisiert und dabei die Gebärmutter teilweise oder komplett entfernt haben. Die Frauen seien sich vorher über die Folgen der Operationen nicht im Klaren gewesen. Über den Fall berichtet unter anderem der Nachrichtensender BBC.

Die Bürgerrechtsorganisation “Project South” reichte demnach auf Basis von Wootens Berichten und weiteren Zeugenaussagen eine Beschwerde bei der Ministeriumsaufsicht ein, dessen zuständiges Department of Homeland Security (DHS) die Einwanderungsbehörde überwacht.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

“Ich wurde eine Whistleblowerin, jetzt bin ich ein Ziel”

BBC zitiert Wooten, die in der Beschwerde zu Wort sagt, dass so ziemlich jeder Frau, die zu dem Arzt gegangen sei, die Gebärmutter entfernt worden sei. “Das ist seine Spezialität, er ist der Gebärmuttersammler”, sagte Wooten, die von mehr als 20 Betroffenen ausgeht, demnach. Ein paar der Frauen sollen vorher über starke Periodenblutungen geklagt haben.

Ein Häftling, der von “Project South” interviewt wurde, verglich das Zentrum mit “einem experimentellen Konzentrationslager” und fügte hinzu: “Es war, als würden sie mit unseren Körpern experimentieren.”

“Ich wurde ein Whistleblowerin, jetzt bin ich ein Ziel”, zitiert BBC Wooten weiter, die sich demnach auf einer Pressekonferenz am Dienstag äußerte. Sie ziehe es trotzdem jederzeit vor, ein Ziel zu sein anstatt ein Teil dessen zu bleiben, was sie als “unmenschliches” System bezeichnet.

Anzeige

Einrichtung soll Coronavirus systematisch ignoriert haben

In der Beschwerde wird demzufolge auch behauptet, dass in der Einrichtung die Gefahren des Coronavirus’ systematisch ignoriert wurden. So seien Häftlinge mit Symptomen nicht getestet, Verdachtsfälle nicht isoliert und keine medizinischen Unterlagen erstellt worden, wie BBC berichtet. Sie selbst sei degradiert worden, nachdem sie gegen die Bedingungen protestiert hatte und mit Symptomen zu Hause geblieben sei, sagt die Krankenschwester demzufolge.

Anzeige

Einwanderungsbehörde behandelt Anschuldigungen mit Skepsis

Die US-amerikanische Einwanderungsbehörde teilte am Montag mit, dass sie die Vorwürfe ernst nehme und sich “fest für die Sicherheit und das Wohlergehen aller in seiner Obhut befindlichen Personen verpflichtet” sehe. Weiter sagte sie der BBC, dass “anonyme, unbewiesene Anschuldigungen, die ohne überprüfbare Einzelheiten erhoben wurden, mit der angemessenen Skepsis behandelt werden sollten”.

Das Irwin County Detention Center hat Betten für bis zu 1200 Personen. Nach Angaben von Aktivisten befinden sich derzeit zwischen 500 und 800 Personen im Zentrum.

RND/ak

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen