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Von Hatern, Perücken und Cardi B: So wurde Trenton Lee mit 17 Jahren Szene-Stylist

  • Trenton Lee ist 17 Jahre alt – und schon sein eigener Chef.
  • Als er klein war, liebte er es, mit Haaren zu spielen – dafür wurde er gemobbt.
  • Heute fertigt, färbt und stylt er Perücken für Instagram-Stars.
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Seine Geschichte klingt wie der klassische amerikanische Traum: Ein schwarzer Teenager glaubt an seine eigenen Fähigkeiten, lässt sich selbst durch Widerstände wie Mobbing und Anfeindungen in der Schule nicht beirren und steigt schließlich durch harte Arbeit mit seinem eigenen Geschäft, in diesem Fall Echthaarperücken, mit nur 17 Jahren in die Welt der Reichen und Schönen auf. Es ist die wahre Geschichte von Trenton Lee.

Beim Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sitzt er in Kansas City im US-Bundesstaat Missouri im Haus seiner Mutter Gianina Jennings, die ihn heute noch im täglichen Geschäft seines Onlinehandels für handgemachte Echthaarperücken unterstützt. Alle paar Minuten ist während des Telefonats eine E-Mail-Benachrichtigung zu hören – neue Anfragen treffen ein. „Ich liebte Haare, bevor ich überhaupt ‚Haar‘ sagen konnte“, sagt Trenton Lee. Doch wie wurde aus einem Jungen, der sich einfach nur für Haare interessiert, ein erfolgreicher Unternehmer?

Er sollte ein richtiger Junge sein

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Alles begann mit der Begeisterung für Puppen - oder eher: für ihre Haare. Doch das gefiel nicht jedem: „Mein Vater wollte nicht, dass ich mit Puppen spielte. Meine Mama musste sie mir immer heimlich zustecken“, sagt Lee. Aus Sicht seines Vater sollte er, wie später in der Schule auch, Dinge machen, die Jungs machen. Sich raufen, Basketball spielen, Football spielen. Die Beziehung der Eltern zerbrach, der Vater ging. Doch die Erwartung, ein richtiger Junge zu sein, blieb – zumindest in den Schule. „In der siebten Klasse war ich an meinem tiefsten Punkt“, sagt der Teenager im Gespräch. Er wusste nicht weiter, war depressiv. Seine Mutter holte ihn da wieder raus: Sie bat einen Freund aus ihrer Schulzeit, der ebenfalls früher gemobbt wurde und heute im Showgeschäft ist, um Hilfe.

Der Freund hatte allerdings nicht nur ein paar nette Worte für Lee, er organisierte gleich ein ganzes Video aus dem Showbusiness für ihn: Schauspieler, Moderatoren und Schriftsteller sagten Lee darin, dass er nicht aufgeben sollte – und wiesen darauf hin, dass viele Menschen solche Erfahrungen machten. „Einmal im Jahr schaue ich mir das Video an, um mir zu zeigen, was ich seitdem geschafft habe.“ Und geschafft hat er einiges: nämlich aus seinem Hobby einen Beruf gemacht. Innerhalb kürzester Zeit baute sich der Teenager ein Unternehmen auf.

Das lief natürlich nicht sofort rund. Es passierten Fehler, und Lee musste sich jedes einzelne Haarteil mühsam zusammensparen. Heute reist er alle paar Wochen zu Kunden an die Westküste, passt die Echthaarperücken, die mindestens 1000 US-Dollar kosten, vor Ort an. Die Schulaufgaben erledigt er mittlerweile vorher oder hinterher, bei seiner Onlineschule sind die Lehrer flexibel. Nebenher fertigt er kostenlos Perücken für Kinder an, die zum Beispiel wegen Chemotherapie unter Haarverlust leiden. Für die, die ihn früher gemobbt haben, hat er heute keine Zeit mehr. In zwei Wochen macht er seinen Abschluss.

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Instagram hilft beim Vermarkten

Auftritte im Fernsehen, vermittelt durch den alten Freund der Mutter, beschleunigen das Geschäft. Ebenso wie Instagram: Dort hat er mittlerweile mehr als 100.000 Follower. Über die Plattform findet er auch Anschluss an die Influencer-Szene, wo Perücken inzwischen gang und gäbe sind. Zu seinen Kunden zählt die Rapperin Blac Chyna. Und die Sache mit Megastar Cardi B? Er soll doch schon Perücken für sie gemacht haben. „Na ja, also ich habe ihr eine gemacht. Aber sie hat sie dann doch nicht getragen“, erzählt Lee. Er redet jetzt vorsichtiger als zu Beginn, setzt bei einem Satz komplett neu an, wenn er sich verhaspelt. Schnell schiebt der junge Mann hinterher: „Cardi war wunderbar. Sie hat mir weitergeholfen und durch das Treffen mir ihr Kontakte vermittelt.“ Aber die Perücke getragen hat sie nicht.

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An Deutschland ist der Perückentrend vollkommen vorbeigegangen, berichtet der Bundesverband der Zweithaar-Spezialisten (BVZ) auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). „Nur etwa fünf Prozent der Perücken, die in Deutschland verkauft werden, sind Modeaccessoires“, sagt der Vorsitzende Rainer Seegräf. Der Rest würde aus medizinischen Gründen gekauft werden. Doch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist das anders: Schon in den 1960ern, der Zeit der großen Turmfrisuren, waren die USA die größten Importeure von Echthaar. Einen weiteren Schub gab es nach der Jahrtausendwende, als HD-Fernsehen immer bessere Stylingtechniken forderte, um die Illusion der perfekten Aussehens aufrechtzuerhalten. Stars wie Katy Perry, Lady Gaga oder Kylie Jenner holten Perücken schließlich aus der Tabuecke heraus in den Mainstream.

Erfolgreich schon - und reich?

Trenton Lee scheint am Ziel angekommen: Mittlerweile bestellt er schon vorbereitete Perücken, um bei der hohen Nachfrage hinterherzukommen. Er bearbeitet sie dann, insbesondere den Haaransatz, färbt und stylt. Doch wer genau hinsieht, merkt, dass die Geschichte noch nicht vorbei ist. Erfolgreich ist er in mit seinem Perückengeschäft schon geworden, Selfies zeigen ihn immer wieder mit Influencerinnen. Aber reich? „Ich bin nicht pleite“, sagt Trenton Lee ernsthaft. „Aber ich verdiene auch nicht viel.“

Ab dem Sommer will er Entrepreneurship am College studieren. „Ich will mit meinem Business alles richtig machen“, sagt der Teenager. Und will er dann ausziehen? Trenton Lee schaut überrascht und lacht: „Nein, auf gar keinen Fall. Dazu fühle ich mich nicht bereit“, sagt er sofort. Dann wirkt er nicht wie ein medienerprobter Geschäftsmann, sondern wie ein 17-Jähriger, der sich auf das Leben nach der Schule freut.

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