Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

„Verwüstetes Paris“? Twitter-Kampagne setzt Bürgermeisterin unter Druck

Müllsäcke und überquellende Mülltonnen sammeln sich auf einem Bürgersteig in Paris (Archivfoto).

Müllsäcke und überquellende Mülltonnen sammeln sich auf einem Bürgersteig in Paris (Archivfoto).

Paris. Die Fotos zeigen Straßenecken, an denen sich der Müll häuft, Bordsteine, auf denen sich kleine Urinbäche einen Weg suchen – „50 Nuancen von Urin“, steht dadrunter – und Straßenlampen, die von oben bis unten mit Straßenschildern zugepflastert sind. Auch Bänke, die Paris eigentlich gemütlicher machen sollten, sind zu sehen – weil sie schon nach kurzer Zeit abgenutzt und verrottet erscheinen. Die Twitter-Kampagne ist ausgegangen von dem Konto @PanamePropre (sauberes Paris), das es seit Februar dieses Jahres gibt. Dessen Fotos, seit zwei Wochen mit dem Hashtag #saccageparis (verwüstetes Paris) versehen, haben vor allem in den vergangenen Tagen an Fahrt gewonnen. Die Stadtverwaltung versucht zwar, das Ganze als politische Schmierkampagne abzutun. Doch sie gerät immer mehr unter Druck.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Es hat mich wütend gemacht, zu sehen, dass der Zustand unserer Hauptstadt sich immer weiter verschlechtert“, sagt der Gründer von PanamePropre gegenüber der Tageszeitung „Le Parisien“. „Das ist schon seit 20 Jahren so, aber seitdem Anne Hidalgo Bürgermeisterin ist, hat sich das Ganze noch beschleunigt.“ Er will anonym bleiben, gibt aber an, er sei um die 50 und gehöre keiner politischen Partei an.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, Inc., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Seine Kampagne breitet sich inzwischen so rasant aus, dass sich schon Tausende Tweets angesammelt haben. Auch die politische Opposition ist auf den Twitter-Zug aufgesprungen: „Angesichts der Realitätsverweigerung der Stadt verlangen wir, eine sofortige außergewöhnliche Sitzung des Stadtrats einzuberufen, um über die Hygieneprobleme in Paris zu sprechen“, schreibt Rachida Dati, Bürgermeisterin des siebten Arrondissements von Paris und Mitglied der konservativen Partei Die Republikaner. Marine Le Pen, Chefin der rechtsextremen Partei Rassemblement National, kommentiert: „Es ist eine Qual mit anzusehen, wie das Team Hidalgo unsere schöne Hauptstadt herunterkommen lässt.“

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, Inc., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Stadtverwaltung sieht „Schmierkampagne“

Dabei will die sozialistische Bürgermeisterin Hidalgo eigentlich für ein schöneres Paris stehen. Sogar international gelten ihre Pläne oft als Musterbeispiel – wie etwa die Fahrradwege, die sie in der französischen Hauptstadt vervielfacht, um den Autoverkehr zu begrenzen. Für die Stadtverwaltung ist #saccageparis so eine reine „Schmierkampagne“. „Wie jede französische Stadt haben auch wir mit Vandalismus zu kämpfen“, schreibt die Stadt auf Twitter. „Aber einige dieser Fotos sind alt oder aufgenommen, bevor unsere Müllmänner ihre Arbeit gemacht haben.“ Außerdem seien gerade wegen Covid-19 ein Zehntel der Reinigungsteams ausgefallen, was zu Verspätungen bei der Säuberung führen könne.

Der sozialistische Senator David Assouline tweetet, dass sich „der politische Hass“ Hidalgos Widersacher in einer Kampagne vereine, um das Image der Bürgermeisterin zu beschmutzen – vor allem, weil diese für die Präsidentschaftswahlen 2022 kandidiere. Dem Schmuddelimage versucht die Stadtverwaltung auch entgegenzusteuern, indem sie sonnige Fotos von schönen, müllfreien Stellen von Paris mit dem Titel „Paris sieht auch so aus“ postet.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, Inc., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Doch diese Versuche der Rechtfertigung scheinen die Twitter-Nutzer nur noch mehr zu verärgern. „Nein, es ist ein Hilfeschrei“, schreibt Malo Malo. „Wir wehren uns gegen Ihre hässlichen ‚Verschönerungen‘, die fehlende Sauberkeit, die heruntergekommenen Pflanzen und die Ratten“. Ein anderer Nutzer, genannt Eiram, meint: „Sie haben unsere Erwartungen übertroffen. Realitätsverweigerung und Opferposition. Die Sauberkeit ist nicht das einzige Thema, aber sie ist wichtig, und das wissen Sie. Wir werden weitermachen, solange Sie nicht reagieren.“

Mehr aus Panorama

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen