Buschbrände: Verschiebt das Dschungelcamp!

  • In Australien toben die tödlichen Buschbrände, Menschen sterben und Tiere kommen zu Millionen in den Flammen um.
  • Da ist es keine gute Idee, das Klamauk-Camp von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus” ein paar Stunden von der Flammenhölle entfernt aufzuschlagen.
  • Das Spaßformat sollte nicht gegen das reale Drama ansenden, meint Daniel Killy.
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Es geschieht ja relativ selten, dass sich die Politik in die Niederungen der seichten TV-Unterhaltung begibt. Und Fans von „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ (kurz IBES) brauchen auch nicht unbedingt zu wissen, dass SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ihre Lieblingssendung nicht mag.

Aber in einem Punkt haben Lauterbach und all die anderen Stimmen aus CDU, SPD, FDP und Grünen durchaus recht: Das Camp unter diesen Umständen gnadenlos durchzusenden ist weder angebracht noch sonderlich sensibel. Es hilft den Australiern nämlich überhaupt nichts, dass der deutsche Unterhaltungsriese RTL aus dem vermieteten Pseudodschungel sendet. Denn Australien ist kein Entwicklungsland, das dankbar für die paar Handlangerjobs wäre, die bei der TV-Produktion in der Umgebung von Murwillumbah abfallen.

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Die Gewinner von „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“
1:17 min
Im Jahr 2004 startete die Realityshow „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“, in der Prominente darum kämpfen, sogenannter „Dschungelkönig“ zu werden.  © Fotos: dpa
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Vor allem aber sollte man Australien und auch Deutschland ersparen, dass aus dem Dschungelcamp plötzlich statt eines munter moderierten Intrigenstadls eine Sendung mit moralischem Tiefgang wird. Australien hat schon genug zu leiden, da wären Solidaritätsbekundungen aus dem Mund von Nacktfröschlein Anastasiya Avilova, bisher bekannt aus der textilarmen Realityshow „Temptation Island“, oder Beau Marco Cerullo („Bachelor in Paradise“) das buchstäblich Letzte.

Natürlich ist die Produktion in dem Waldstudio in New South Wales nicht einfach flugs woanders aufzubauen, aber gegen eine zeitliche Verschiebung spricht nun wirklich wenig, zumal außer den Deutschen nur noch das englische Format aus Australien sendet. Es wäre ein Zeichen des Respekts gegenüber den Australiern – und auch gegenüber dem eigenen Format: Denn den regulären Klamauk im Camp, zwei Stunden von der Feuerwand entfernt, den gäbe es bestimmt nicht, würde man am 10. Januar auf Sendung gehen.

Und eine Verschiebung hätte noch einen weiteren angenehmen Nebeneffekt für alle Freunde der Urwald-Illusion: Der zentrale Ort des Camps bliebe erhalten – die Feuerstelle. Denn die soll es ab Sendestart nicht mehr geben: „Um offenes Feuer zu vermeiden, ersetzt eine Gaskochstelle das Lagerfeuer im Dschungelcamp. Die Platte der Kochstelle ist nur an, während gekocht wird“, heißt es bei RTL – ein Statement, das die ganze Absurdität des Unterfangens gut zusammenfasst. Deshalb: Verschiebt das Camp!

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