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Verein fordert Abschaffung des Königs: Angriff auf Schwedens Märchenwelt

  • Ein Republikanischer Verein schaltet in einer großen schwedischen Zeitung eine Anzeige zur Abschaffung des Königs.
  • Das sorgt für viel Unmut, denn die Mehrheit der Schweden liebt ihr Königshaus.
  • Doch ist die Kritik an den Royals tatsächlich haltlos?
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Stockholm. Die Mehrheit der Schweden liebt ihr Königshaus. So gilt es in den großen Landesmedien eigentlich als unantastbar. Interviews mit der Königsfamilie beschränken sich zumeist auf blumige Nichtigkeiten. Die Medien schmücken sich trotzdem damit.

Auch Umfragen ergeben immer wieder, dass die meisten Schweden König und Monarchie nicht zugunsten einer Republik mit einem demokratisch gewählten, rein repräsentativen Präsidenten wie in Deutschland aufgeben wollen. Sie finden die Märchenwelt der Schlösser, Hochzeitskutschen und Kronen gemütlich. So sah man König Carl XVI. Gustaf (74) bei der jährlichen Weihnachtsrede vor einem geschmückten Tannenbaum im Schloss. Mit Charme rief er seine Untertanen auf, durchzuhalten in der Pandemie. „Das Licht kommt zurück“, versprach der Regent seinen Untertanen tröstend.

Die Schweden sind an ihren König gewöhnt. Auch wenn er seine Macken hat. Seit 47 Jahren sitzt Carl Gustaf auf dem Thron. Länger als irgendein anderer schwedischer König. Während der 74-Jährige durch Untreueaffären und unbedachte Äußerungen etwas an Popularität verloren hat, gilt Kronprinzessin Victoria (43) als sehr beliebt und noch unantastbarer als der König.

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Kritik: König hat viel informelle Macht

Dementsprechend verärgert waren viele über eine ganzseitige Anzeige in der führenden Landeszeitung „Dagens Nyheter“. Darin sieht man zwei Comicfiguren: König und Kronprinzessin posieren lächelnd vor einem Schloss. Das Ganze sieht niedlich aus – doch darüber steht boshaft: „Denkt ihr nicht auch, dass Prinzessinnen und Könige besser in ein Märchenbuch passen würden als in das Grundgesetz?“ Gemeint ist freilich das sonst demokratische, schwedische Grundgesetz, in dem dem König und seiner Kronprinzessin nicht durch Leistung, sondern durch Geburt die Rolle des repräsentativen Staatschefs zukommt.

Der republikanische Verein Schwedens sorgte für viel Unmut mit einer Werbeanzeige in der größten Landeszeitung, die zur Abschaffung von König und Kronprinzessin zugunsten einer Republik aufruft. © Quelle: Republikanska Föreningen

Schwedens König hat zudem viel informelle Macht. Und die kann nicht demokratisch kontrolliert werden, warnt der Republikanische Verein, der die Anzeige schaltete. So befand Carl Gustaf kürzlich: „Die schwedische Corona-Strategie ist gescheitert“, ohne ein Mandat dafür zu haben. Auch stehen die Reichen und Mächtigen im Lande Schlange, um in das nähere Umfeld der Königsfamilie aufrücken zu dürfen. Doch auch im Volke ist das Königshaus so beliebt, dass die Anzeige große Wellen der Entrüstung in sozialen Medien schlug. Man habe ja nichts gegen Carl Gustaf und Victoria persönlich, steht denn auch vorsichtig im kleingedruckten Teil der Anzeige. Aber in einer demokratischen Gesellschaft dürften Macht und Amt nicht vererbt werden.

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Verein kämpft seit Jahrzehnten für die Abschaffung des Königshauses

Bezahlt hat die Anzeige der Republikanische Verein, der seit Jahrzehnten für die Abschaffung des Königshauses kämpft. In den 70ern wäre es fast geglückt, da kippte die Stimmung. Doch die Hochzeit des Königs mit der beliebten Silvia Sommerlath rettete das Königshaus. Der Verein kämpft weiter: „Wir sind gegen das Königshaus in Schweden. Es geht um den Grundgedanken der Demokratie. Jeder sollte jede Position in der Demokratie innehaben können“, so Vorstandsmitglied Jessica Schedvin.

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Die Royalisten sehen das anders. Schwedens Königshaus könne das Land besser repräsentieren als alle vier bis fünf Jahre neu gewählte Altpolitiker. Das internationale Netzwerk eines Königs sei für Schweden so nützlich, dass sich die Zusatzkosten lohnen würden. So hatte König Carl Gustaf etwa in einem Streit zwischen Schwedens Außenministerin und dem König von Saudi-Arabien vermitteln können. Von König zu König lässt es sich eben besser reden. Zudem gebe es Schweden auch etwas Gemütliches und für Touristen Ansprechendes, so die königstreuen Schweden.

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