Vatikan räumt Fehler im Missbrauchsskandal McCarrick ein

  • Der Vatikan räumt im Missbrauchsskandal um Ex-Kardinal Theodore McCarrick Fehler ein, verteidigt aber auch sein langes Zögern.
  • Das aktuelle Kircheoberhaupt Papst Franziskus wird in einem neuen Bericht weitgehend entlastet.
  • McCarrick war 2019 in einer Untersuchung der Glaubenskongregation des Vatikans des sexuellen Fehlverhaltens im Umgang mit Minderjährigen und Erwachsenen für schuldig befunden worden.
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Rom. Im Missbrauchsskandal um Ex-Kardinal Theodore McCarrick hat der Vatikan Fehlentscheidungen bis nach ganz oben in der katholischen Kirchenhierarchie eingestanden. Der Vatikan veröffentlichte am Dienstag einen mehr als 400 Seiten langen Bericht zu den mutmaßlichen Vergehen des einstigen US-Erzbischofs. Darin wurden vor allem dem früheren Papst Johannes Paul II. Fehler vorgeworfen. Dieser habe McCarrick im Jahr 2000 zum Erzbischof von Washington D. C. gemacht, obwohl eine vom Papst selbst in Auftrag gegebene Untersuchung bestätigt habe, dass der Geistliche mit Priesteramtskandidaten Sex hatte.

In dem am Dienstag in Rom vorgelegten Report heißt es, Papst Franziskus habe jedoch schnell reagiert, als er von Vorwürfen von 2017 erfahren habe, die ein minderjähriges Opfer betrafen. Sie hätten sich auf Vorfälle in den 70er-Jahren bezogen.

McCarrick wurde das Priesteramt 2019 entzogen

2019 wurde McCarrick nach einer weiteren Vatikan-Ermittlung das Priesteramt entzogen, weil er Kinder und Erwachsene sexuell missbraucht haben soll. Manche Vorwürfe reichen bis Anfang der 1970er-Jahre zurück, in den 1990er-Jahren gingen in Kirchenkreisen etliche entsprechende Gerüchte über ihn um. McCarrick ist heute 90 Jahre alt.

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In einer Zusammenfassung des Berichts hieß es, trotz der Vatikan-Untersuchung habe Johannes Paul II. naiverweise McCarricks handschriftlicher Leugnung der Anschuldigungen geglaubt. Andere Bischöfe hätten mit Blick auf McCarricks Verhalten zudem unvollständige Informationen an den Vatikan weitergegeben und ein Auge zugedrückt, als Johannes Pauls Nachfolger, Papst Benedikt XVI., lediglich entschied, Auflagen gegen McCarrick zu verhängen statt ernste Ermittlungen und Strafen gegen ihn anzustreben. Dazu gehörte, möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen und zum Wohl der Kirche so wenig wie möglich zu reisen. Laut Bericht ging Benedikt unter anderem deswegen nicht gegen McCarrick vor, da es im Kirchenrecht keine Möglichkeit gab, die Fälle zu verfolgen.

Papst Franziskus wird entlastet

Bedeutend sind die Ermittlungserkenntnisse mit Blick auf das aktuelle katholische Kirchenoberhaupt, das dadurch weitgehend entlastet wird. Papst Franziskus habe die von Benedikt verhängten Auflagen gegen McCarrick aufrechterhalten und den Fall nicht weiter verfolgt, weil er auch erst 2017 Dokumente zu dem Fall erhalten habe, hieß es. Ein Jahr später leitete er die nun zum Abschluss gekommene Ermittlung ein.

RND/AP/dpa

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