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  • Urlaub in Österreich: Ohne Sommersaison steht Tourismusbranche vor Kollaps

Tiroler Hotelier: “Ohne Sommersaison sind wir in Österreich kurz vorm Kollaps”

  • Hotelbetreiber und Gastwirte im südlichen Nachbarland drängen auf eine schrittweise Öffnung der Tourismusbetriebe.
  • Nach der durch Corona verkürzten Wintersaison ist die Branche jetzt vor allem von Sommerurlaubern abhängig.
  • Die österreichische Regierung ist grundsätzlich bereit, ihre Grenzen für Deutsche zu öffnen.
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Kärnten, “die sonnige Südseite der Alpen”, Wien, “die Stadt mit dem schönsten Boulevard der Welt”, oder “Almurlaub in Tirol” – wer seine Sommerferien in Österreich plant, stößt schon bei der Recherche im Internet auf Vielversprechendes. Ob die malerischen virtuellen Eindrücke dieses Jahr auch mit der Realität abgeglichen werden können, steht bisher in den Sternen. Die anhaltende weltweite Reisewarnung aufgrund der Corona-Pandemie macht eine Urlaubsplanung für 2020 vorerst unmöglich.

Neue Hoffnung weckte eine Nachricht aus Österreich am Wochenende: Es gebe Überlegungen, die Grenzen speziell für Sommerurlauber aus Deutschland zu öffnen, hatte Österreichs Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) in einem Interview gesagt. Voraussetzung sei, dass sich die Corona-Lage in Deutschland weiterhin so positiv entwickle. Auch wenn die deutsche Bundesregierung sich bisher zurückhaltend zeigt und noch keinen Anlass sieht, die Situation an der österreichischen Grenze zu ändern, scheint ein Sommerurlaub außerhalb Deutschlands aktuell nicht ausgeschlossen.

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Auf eine bilaterale Einigung hofft vor allem die Tourismusbranche in Österreich – sind deutsche Gäste doch mit Abstand die größte Gruppe, die sie Jahr für Jahr aus dem Ausland begrüßen. Experten gehen davon aus, dass bis zu zwei Drittel der österreichischen Beherbergungsbetriebe ein Ausbleiben der deutschen Touristen nicht verkraften könnten.

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“Wir setzen sehr große Hoffnung in die Sommersaison”, sagte Mario Gerber, Obmann der Fachgruppe Hotellerie in der Wirtschaftskammer Tirol dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Der 39-jährige ÖVP-Politiker ist selbst Hotelbetreiber und weiß, wie wichtig gerade deutsche Touristen für die gesamte Region sind: 55 Prozent aller Urlauber in Tirol seien im vergangenen Jahr aus Deutschland gewesen. Der Anteil von Gästen aus dem eigenen Land liege bei nur etwa zehn Prozent.

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“Wenn die Reisebeschränkung nicht aufgehoben wird, ist für uns an eine Sommersaison gar nicht zu denken”, sagt Gerber. Die Region Tirol habe – wie Österreich im Allgemeinen – durch die Corona bedingte verkürzte Wintersaison ohnehin schon einen herben Schlag hinnehmen müssen. “Wenn auch die Sommersaison nicht starten kann, steht die Branche kurz vor dem Kollaps”, so der Hotelier. Der Tourismus sorge jährlich für einen Umsatz von bis zu zwei Milliarden Euro. “Indirekt wird hier jeder dritte Euro mit Tourismus verdient” – vom Gastwirt bis zum Tischler, der die Möbel anfertigt oder renoviert, “da hängt eine immense Kette dran”.

Ab Mitte Mai wünscht Gerber sich eine schrittweise Rückkehr des Gastronomiebetriebs. Einen konkreten Plan für das stufenweise Hochfahren von Gastronomie und Tourismus will Österreich bis Ende April vorlegen. Gerber hat am Beispiel Tirol Vorschläge ausgearbeitet, über die für alle in Wien zeitnah entschieden werde: Von Timeslots für Gäste an Hotelbuffets bis zu Mindestabständen der Liegen in Wellnessbereichen.

Tourismusalternativen in Zeiten von Corona

In Wien selbst denkt man zumindest schon darüber nach, wie Tourismus in Zeiten von Corona aussehen könnte: Eine Möglichkeit, die sich Besuchern bietet, sei das „grüne Wien“, heißt es vom Tourismusverband Wien. Die Bundesgärten (Schlosspark Schönbrunn, der Augarten, der Burggarten, der Volksgarten und der Belvederegarten) seien bereits seit dem 14. April wieder geöffnet. Auch zahlreiche kulturelle Erlebnisse sollen demnach bald wieder möglich sein: Die österreichischen Bundesmuseen werden voraussichtlich Ende Juni 2020 wieder öffnen, kleinere Museen dürfen bereits ab Mitte Mai 2020 wieder ihre Türen für Besucher öffnen.

Geschlossen: Noch bis mindestens Mitte Mai dürfen keine Besucher ins Schloss Schönbrunn in Wien. © Quelle: imago images/Viennareport
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Auch die Branche der Gastwirte diskutiert derzeit über ihre Zukunft ab Mitte Mai. “Der Vorstoß der Grenzöffnung zu Deutschland wird von uns natürlich sehr positiv gesehen”, sagt Gatronom Thomas Figlmüller, der sechs Gastronomiebetriebe in Wien führt – die er bis auf Weiteres alle seit Wochen geschlossen hat. Wir werden natürlich sehen, wie die nächsten Wochen verlaufen, aber wenn die Reiselust dann nicht gleich null gegangen ist, würde das die Stadt Wien und auch das Land Österreich bestimmt sehr beleben", sagt Figlmüller, “wir sind von unserem Nachbarland Deutschland sehr abhängig.”

RND









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