Mömlingen versank in Wassermassen: So erlebte ein Feuerwehrmann das Unwetter

  • Am Montag stand die Gemeinde Mömlingen nach Starkregen und Gewitter komplett unter Wasser.
  • In solchen Fällen rückt meist die Freiwillige Feuerwehr an.
  • Doch vielerorts kämpft die Freiwillige Feuerwehr gegen den Schwund der aktiven Mitglieder.
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Mömlingen. Gewitter und Starkregen haben Montagabend in einigen Teilen Deutschland für Chaos gesorgt. Besonders stark hat es die unterfränkische Gemeinde Mömlingen getroffen. Mömlingen stand nahezu komplett unter Wasser. Kubikliterweise lief das Wasser am Montagnachmittag beim heftigen Unwetter in dem Ort in Bayern an der Grenze zu Hessen über die Straßen. Die Zugangsstraße war gesperrt. Es gab kein Durchkommen – teilweise selbst für die Feuerwehr nicht.

Einer, der seit Montagabend fast ohne Pause im Einsatz war, ist Steffen Lieb. Der 31-Jährige ist Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Mömlingen. Etwa 40 aktive Kameradinnen und Kameraden hat er an seiner Seite. Mit ihnen befreite er Menschen, die in ihren umspülten Autos festsaßen, pumpte Keller aus, als alle gerettet waren, half einem Motorradfahrer, der sich bei einem Unfall leicht verletzte.

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„Wir mussten am Anfang das Ortsgebiet komplett sperren. Unsere Einsatzwagen konnten teilweise selbst nicht mehr durchfahren“, erzählt er am Dienstag dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) am Telefon. Müde sei er nun, bis 2.30 Uhr half er beim Kellerauspumpen, er hat nur kurz vier Stunden geschlafen, um sich dann gleich wieder der Feuerwehr zu widmen. Obwohl er eigentlich Anspruch auf acht Stunden Ruhepause hätte. Aber er musste sich um die beschädigten Einsatzwagen kümmern. Gegen Mittag kam auch schon der nächste Alarm. 35 Einsätze fahren die Feuerwehrleute im Jahr – so einen wie am Montag erleben sie aber selten, sagt er. „Vor zwei Jahren hatten wir vielleicht schon mal ein ähnliches Ereignis. Aber jetzt regnet es lange und es gewittert lange. Es ist ja noch nicht vorbei“, sagt Lieb.

Die meisten aktiven Feuerwehrleute in Deutschland sind ehrenamtlich

Seine Nächte opfern, wenn es woanders buchstäblich brennt, oder wenn Wassermassen aus dem Himmel stürzen, sich für andere in dem 5000-Einwohner-Ort einsetzen, das ist für Lieb Teil seines Lebens. Wenn er Rauch am Horizon sieht, wenn er ein Unwetter aufziehen sieht, dann denkt er gleich an den nächsten Einsatz.

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Wenn die Dörfer überspült werden von Wassermassen, wenn Menschen in Autos festsitzen und sich Bewohnerinnen wie Bewohner um Hab und Gut im Keller sorgen, dann ist die Feuerwehr gefragt. Und in den meisten Fällen sind es Ehrenamtliche. Denn nur 5 Prozent der aktiven Feuerwehrleute in Deutschland sind hauptberuflich tätig. So steht es in der Statistik des Deutschen Feuerwehrverbandes. Gerade in den ländlichen Regionen sind die Einwohnerinnen und Einwohner darauf angewiesen, dass es Frauen und Männer gibt, die ihre Freizeit opfern, um zu helfen. Das System basiert auf Freiwilligkeit.

„Die Leute kümmern sich lieber um ihre eigenen Sachen“

In manchen Regionen hört man als Lokalreporterin oder -reporter immer wieder, wie schwierig es sei, aufgrund von fehlenden engagierten Kräften einsatzbereit zu bleiben. In Mömlingen ist es manchmal zu Bürozeiten komplizierter: Denn einige der Feuerwehrleute arbeiten im nahe gelegenen Frankfurt. Bei anderen ist es schwierig, nachmittags eine Betreuung für die Kinder zu finden. Dass die Freiwillige Feuerwehr im Ort nicht mehr einsatzbereit sein könnte, glaubt Lieb nicht. Auch weil die umliegenden Wehren zusammenarbeiten: Da hilft man sich gegenseitig.

Doch sagt Lieb zum fehlenden Engagement auch: „Es ist ein gesellschaftliches Problem. Die Feuerwehr ist nicht unbedingt unattraktiver geworden. Es ist nur attraktiver geworden, sich um seine eigenen Sachen zu kümmern.“ Manchmal müsse er sich Sprüche anhören, warum er so blöd sei, sich zu Einsätzen zu jeder Tag- und Nachtzeit verpflichten zu lassen. Und in ein paar Jahren? „Das Nachwuchsproblem sehe ich auch auf uns zukommen“, sagt Lieb. Weil Jugendliche heute häufig in mehreren Vereinen aktiv seien, dazu noch nachmittags Schule hätten, sei es manchmal schwierig, sie in der Feuerwehr zu halten. Deswegen gebe es jetzt seit ein paar Jahren auch die Kinderfeuerwehr – um den Nachwuchs früh ins Boot zu holen.

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Viele kleine Einsätze

Es sind auch nicht immer Katastropheneinsätze oder verheerende Brände, die die Freiwillige Feuerwehr auf den Plan ruft. „Meistens sind es Kleinigkeiten wie Ölspuren auf der Straße, Fehlalarme von Brandmeldern.“ Es sind auch andere Aufgaben, die das Zusammenleben im Ort gestalten: Hilfe bei Karnevalsumzügen und beim Maibaumaufstellen. „Ohne die Feuerwehr könnte ich mir das Leben hier gar nicht vorstellen“, sagt der Kommandant. Und es ist ja auch nicht so, dass er nur gibt, er bekommt auch viel: „Wenn wir nach einem Einsatz zusammensitzen, noch einmal über das sprechen, was passiert ist, das tut jedem gut“, sagt er. Gerade seine Arbeit bei der Feuerwehr bringe ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. „Wenn man schwere Verkehrsunfälle sieht, dann weiß man, dass immer etwas passieren kann“, sagt er.

In Mömlingen ist das Wasser langsam wieder abgelaufen. Lange Pause werden Lieb und seine Kameradschaft aber nicht haben: Für den Abend gibt es wieder Unwetterwarnungen. Dann sind es wieder die Einwohnerinnen und Einwohner, die ihre Hilfe brauchen.

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