Wetterdienst warnt vor schweren Gewittern in sechs Bundesländern

  • Seit Freitagnachmittag ziehen Unwetter mit jeder Menge Blitz, Donner und Starkregen durchs Land.
  • In vielen Regionen waren Einsatzkräfte der Feuerwehr im Dauereinsatz.
  • Wirklich ruhiger wird es auch am Samstag nicht.
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Braubach/Aschaffenburg. Starke Unwetter haben am Freitagabend Teile des Landes in Atem gehalten. Unter anderem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen waren Polizei und Feuerwehr im Dauereinsatz.

Auch am Samstag warnen Experten vor Unwetter in weiten Teilen Deutschlands. Der Deutschen Wetterdienstes (DWD) warnte vor schweren Gewittern von der Nordsee bis nach Sachsen und Ostbayern. Betroffen seien Teile der Bundesländer Bayern, Thüringen, Sachsen, Hessen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, wie die Meteorologen in Offenbach mitteilten. Es drohten örtliche Blitzschäden, Überflutungen von Kellern und Straßen sowie Hagelschäden an Gebäuden, Autos und auf Äckern.

Auch die Menschen in Baden-Württemberg müssen sich weiter auf ungemütliches Wetter einstellen. Am Samstag sind einzelne unwetterartige Gewitter mit heftigem Starkregen möglich, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Örtlich können bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter fallen. Auch Hagel und Böen seien möglich. Die Temperaturen liegen den Meteorologen zufolge zwischen 18 Grad im Bergland und 25 Grad im Norden des Landes.

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Großeinsätze für die Feuerwehren am Freitag

Die Feuerwehr im Rhein-Sieg-Kreis etwa ist am Freitagabend zu Hunderten Einsätzen ausgerückt. Ein Großteil der rund 430 Einsätze habe sich im Stadtgebiet Hennef ereignet, sagte ein Sprecher der Feuerwehrleitstelle des Kreises. Zahlreiche Keller seien vollgelaufen und Hänge abgerutscht. Es sei „massiv“ Feuerwehr im Einsatz. Verletzte waren zunächst nicht bekannt. Viele Einsätze sollten die Nacht über andauern.

Auch in Köln kam es zu mehr als 500 Einsätzen wegen der Unwetter. Betroffen war laut Feuerwehr vor allem der Norden der Stadt. Unter anderem brannte ein Dachstuhl nach einem Blitzeinschlag. Das Feuer konnte aber unter Kontrolle gebracht werden. Verletzte gab es keine.

Auch in Mainz und Umgebung hat das Unwetter den Einsatzkräften der Feuerwehr viel Arbeit beschert. Die Feuerwehren seien am späten Freitagabend binnen zweieinhalb Stunden zu rund 100 Einsätzen in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt sowie in den Kreisen Mainz-Bingen und Alzey-Worms gerufen worden, teilte die Feuerwehr am Samstag mit. Die Helfer mussten demnach zahlreiche vollgelaufene Keller und Tiefgaragen leer pumpen, überflutete Straßen sichern sowie nach einem Hangrutsch aufräumen. Die Unwetter hatten am Freitag vielerorts in Rheinland-Pfalz Straßen und Keller unter Wasser gesetzt oder Geröll auf Fahrbahnen gespült.

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Unwetter im Westen Deutschlands halten Einsatzkräfte in Atem
1:23 min
Vor allem in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen hat es am Freitagabend gestürmt, geblitzt und sehr viel geregnet.

In Düsseldorf ist ein Kind mit seinem Fahrrad nach einem Blitzeinschlag gestürzt und von einem Auto angefahren worden. Das zwölfjährige Mädchen sei lebensgefährlich verletzt worden, wie ein Feuerwehrsprecher am Freitagabend mitteilte. Demnach war der Blitz am Abend nahe der Gruppe aus mehreren Radfahrern auf einer Straße im Naturschutzgebiet Urdenbacher Kämpe eingeschlagen. Getroffen worden sei niemand. Das Kind sei gestürzt und auf die Fahrbahn geraten, wo es von einem Auto erfasst wurde, wie auch ein Sprecher der Polizei mitteilte.

Erste Erkenntnisse ließen darauf schließen, dass das Kind vor dem Zusammenstoß Kontakt mit Strom des in der Nähe in den Boden eingeschlagenen Blitzes gehabt habe, so die Feuerwehr. Die Mutter des Kindes, die auch unter den Radfahrern war, kam wegen eines Schocks ebenfalls in Krankenhaus.

Starker Regen in Rheinland-Pfalz und Hessen

In Bad Sobernheim war das örtliche Impfzentrum betroffen, da es nach Regen einen teilweisen Stromausfall gab. Die Impfungen gegen das Coronavirus konnten aber nach Angaben eines Feuerwehrsprechers nichtsdestotrotz fortgesetzt werden. Auch sei zu keinem Zeitpunkt die Kühlung der Impfstoffe gefährdet gewesen. Nachdem in dem Ort auch etwa 20 Keller überflutet wurden, bot sich am frühen Abend ein völlig anderes Bild: „Blauer Himmel wie am Mittelmeer“, sagte ein Feuerwehrsprecher.

Aufgrund von Starkregen und Hagel sei etwa in Braubach (Rhein-Lahn-Kreis) eine Unterführung mit Wasser zugelaufen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Wegen eines umgestürzten Baumes sei zudem die Bundesstraße 42 bereits am Donnerstagabend zeitweise gesperrt worden. Ein Polizeisprecher in Koblenz sprach am Freitagnachmittag von umgestürzten Bäumen und überfluteten Kellern. Insgesamt seien die Unwetter aber nicht großflächig aufgetreten, sondern lokal begrenzt gewesen.

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Heftige Regenfälle und Sturm haben auch im Hochtaunuskreis zu zahlreichen Einsätzen der Feuerwehr geführt. Vor allem im Raum Neu-Anspach seien Straßen überflutet worden und Keller vollgelaufen, sagte ein Sprecher der Feuerwehrleitstelle des Hochtaunuskreises am Abend.

Hang in Bayern rutscht ab

Auch im benachbarten Kamp-Bornhofen gab es vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume, überspülte Straßen und einen Hangrutsch, wie ein Sprecher der Polizei sagte. In und rund um Kaiserslautern musste die Feuerwehr ebenfalls mehrfach anrücken, weil Wasser in Keller lief und Fahrbahnen überschwemmt waren. Laut Polizeiangaben mussten einige Straßen gesperrt werden.

Auch Bayern hat mit Unwettern zu kämpfen. Ein heftiges Gewitter mit Starkregen zog am Nachmittag über den Landkreis Aschaffenburg hinweg und überschwemmte Keller und Straßen. Wie das Landratsamt mitteilte, war auf der Zufahrtsstraße zu einem Sportzentrum in Mainaschaff ein Hang abgerutscht.

„Aufgrund von Verstopfungen durch Unrat konnten die Kanaleinläufe in mehreren Straßen die Wassermassen nicht mehr abführen und mussten gereinigt werden.“ Am Abend arbeiteten die Feuerwehren mehr als 20 Unwettereinsätze ab.

In Thüringen ließ starker Regen vor allem im Süden Straßen überflutet und Keller voll laufen lassen. Im Gebiet um Gotha waren demnach Straßen überflutet. In der Gegend um Suhl und Saalfeld musste die Feuerwehr Keller leer pumpen. Am späteren Abend hatte sich die Lage normalisiert. Sperrungen konnten aufgehoben werden, wie die Sprecherin sagte.

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Arbeiter stirbt in Stuttgart

In Stuttgart hatte starker Regen auf einer Tunnelbaustelle einen schweren Unfall ausgelöst. Nach Angaben der Polizei kam ein Arbeiter ums Leben.

Ersten Erkenntnissen zufolge hatte der Regen einen unterirdisch verlaufenden Bach am Nachmittag stark anschwellen lassen. Das Wasser unterspülte ein Gerüst, riss es dadurch um und mehrere Arbeiter mit sich.

RND/dpa/msc/liz

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