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Umgeschnalltes Rollbrett: 108-Kilo-Schildkröte Helmuth ist wieder mobil

  • Geht wieder! Mit Hilfe eines umgeschnallten Rollbretts ist Spornschildkröte „Helmuth“ wieder mobil.
  • Das 108 Kilogramm schwere Tier leidet an Schulterarthritis.
  • Am Dienstag präsentierte der Gelsenkirchener Zoo erstmals die Gehhilfe.
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Gelsenkirchen. Physiotherapie, eine Gehhilfe und ein Trainingsplan mit regelmäßigen Übungen: Der Gelsenkirchener Zoo lässt nichts unversucht, um seiner 108 Kilogramm schweren Spornschildkröte „Helmuth“ wieder auf die Beine zu helfen. Das Tier leidet an Schulterarthritis am rechten Gelenk - anfangs brauchte die Schildkröte sogar Schmerzspritzen und konnte sich nicht mehr aus eigener Kraft hochstemmen. Jetzt krabbelt das 24 Jahre alte Tier wieder mit beachtlichem Tempo durch sein Außengehege - unterstützt von einem orangenen Kunststoffbrett mit vier flexiblen Rollen.

Am Dienstagmorgen präsentierte die „Zoom Erlebniswelt“ erstmals die neue Gehhilfe. Frühe Besucher verfolgten das Schauspiel mit großen Augen: „Helmuth“ hat das Zeug, zum neuen Publikumsliebling des Ruhrgebietszoos zu werden.

Die Spornschildkröte Helmuth demonstrierte Journalisten seine neue Mobilität. © Quelle: Roland Weihrauch/dpa
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Ende Januar hatte das Tier nicht mehr richtig gefressen und sich zunehmend zurückgezogen. Tierärztin Judith Wabnitz ließ die Schildkröte in einer Tierklinik im Münsterland im Computertomografen untersuchen. So konnten die Ärzte den dicken Panzer durchleuchten. Nach der Diagnose begann das Training für „Helmuth“, um mit gekräftigten Muskeln das Gelenk zu entlasten - zunächst nur auf einem starren Rollbrett auf glattem Untergrund in der Schildkrötenanlage. Für das Außengehege gab es anfangs keine Lösung.

Dank eines Bretts mit beweglichen Rollen kann Helmuth wieder laufen

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Dann las der Bochumer Orthopädietechniker Ulrich Schade (66) von dem Fall. „Ich bin tierlieb und hab auch schon mal für meinen Hund, der ein Bein verloren hatte, ein Kunstbein gemacht“, erzählt Schade. Schade beauftragte seinen Mitarbeiter Dennis Tiedtke (38). Der lud die Schildkröte auf eine Motorradhebebühne und fertigte erst mal einen Gipsabdruck vom Bauch des Tieres an. Nach diesem Abdruck und den Anweisungen der Tierärztin baute Tiedtke das passgenaue Kunststoffboard mit zwei Befestigungsgurten - verstärkt mit Kevlargewebe, das auch für schusssichere Westen benutzt wird. Schließlich ist „Helmuth“ kein Leichtgewicht.

Als sie „Helmuth“ das erste Mal auf das neue Brett mit beweglichen Rollen gesetzt hätten, sei er sofort losgelaufen, berichtet Schade. Die Muskulatur an der rechten Schulter sei schon kräftig gewachsen - auch dank regelmäßiger Physiotherapie und Kräftigungsübungen, berichtet Tierärztin Wabnitz. Die Weseler Tierphysiotherapeutin Doris Grütjen habe dafür Anfang April einen Trainingsplan erarbeitet. „Sie hat den Tierpflegern von "Helmuth" zum Beispiel spezielle Massagetechniken gezeigt“, berichtet Wabnitz. Die Pfleger üben täglich mit dem Tier. „"Helmuth" wird immer stärker“, sagt Grütjen.

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Die Schmerzmittel konnte die Tierärztin längst absetzen. „Und vielleicht kann „Helmuth“ irgendwann ganz auf die Gehhilfe verzichten“, sagt Wabnitz.

RND/dpa

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