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Trotz Lockdown: Australien lädt Diplomaten zum Schnorcheltrip ans Great Barrier Reef

  • Ende Juni kündigte die Unesco an, das größte Korallenriff der Erde als „gefährdetes Welterbe“ einstufen zu wollen.
  • Australiens Regierung reagierte entsetzt.
  • Eine Kampagne für das Riff lädt nun die Entscheiderinnen und Entscheider zu einem Schnorcheltrip am Riff ein.
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Canberra. Eigentlich sind Australiens Grenzen wegen der Pandemie geschlossen. Zudem hat ein Ausbruch der Delta-Variante Sydney und Umgebung in einen mehrwöchigen Lockdown gezwungen. Trotz all dem lädt die australische Regierung nun zum Schnorcheltrip ans Great Barrier Reef ein.

Als Gäste geladen sind dabei internationale Diplomaten aus Australiens Hauptstadt Canberra, darunter auch Vertreterinnen und Vertreter von neun stimmberechtigten Nationen, die im Namen der Unesco entscheiden sollen, ob das Riff auf die Liste des „gefährdeten Welterbes“ gesetzt wird.

Die besagte „Rote Liste“ ist verpönt: Sollte das Great Barrier Reef, das größte Riff der Erde, das sich über 2300 Kilometer entlang der Nordostküste Australiens erstreckt, aus über 3000 Einzelriffen besteht und eines von Australiens wichtigsten Wahrzeichen ist, dort aufgenommen werden, wäre dies eine Schande für Australiens Regierung. Um der Blamage vielleicht doch noch entgehen zu können, hat die Regierung nun eine Kampagne für das Riff gestartet.

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Werbekampagne für das Riff

Neben dem Schnorcheltrip zum Riff, über den der „Guardian“ am Mittwoch berichtete, ist auch Australiens Umweltministerin Sussan Ley nach Europa gereist, um dort eine „Werbekampagne“ für das Riff zu starten und die einzelnen Länder davon zu überzeugen, dass sie gegen die Empfehlung stimmen sollen, das Riff auf die „Rote Liste“ zu setzen. Zudem soll noch mehr Geld für das Riff lockergemacht werden: So schrieb Annastacia Palaszczuk, die Regierungschefin von Queensland, dem australischen Bundesstaat, vor dessen Küste das Great Barrier Reef liegt, an den australischen Premierminister Scott Morrison, um ihn zu einer Finanzspritze zu bewegen.

Sie möchte eine Zusage über weitere 2 Milliarden Australische Dollar oder umgerechnet 1,26 Milliarden Euro für die Erhaltung des Riffs und glaubt, dass dies ein „starkes Signal“ vor der am Freitag beginnenden Sitzung des Unesco-Ausschusses senden würde.

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Der bisherige Riffplan bis ins Jahr 2050 beinhaltet bereits eine erste Investition über 2 Milliarden. Die neuen Gelder sollen in Projekte rund um erneuerbare Energie und in die Verbesserung der Wasserqualität am Riff fließen. Einer der Hauptkritikpunkte der Unesco ist, dass wichtige Ziele zur Verbesserung der Wasserqualität bisher nicht erreicht wurden.

Drei Massenbleichen in nur fünf Jahren

Anders als die australische Regierung würden viele Umweltschützer es jedoch begrüßen, wenn das Riff als gefährdetes Welterbe eingestuft würde. Richard Leck, der Meeresexperte des WWF Australien, sagte beispielsweise, dass dies „eine starke Botschaft“ senden würde, und sie bedeute, dass die australische Regierung deutlich mehr in Bezug auf Klimawandel und Wasserqualität unternehmen müsse.

Der WWF ist nicht die einzige Umweltorganisation, die immer wieder die Gesundheit des Riffs anmahnt. Bereits im Juni 2020 drängten Umweltschützer aus Australien und den Vereinigten Staaten darauf, dass das Great Barrier Reef als „gefährdetes Welterbe“ eingestuft werde.

Die Organisationen Earthjustice und Environmental Justice Australia machten die australische Regierung schon damals in einem Bericht für das Sterben der Korallen verantwortlich, da sie keine ausreichenden Maßnahmen gegen den Klimawandel ergriffen habe. Das Riff wurde zu diesem Zeitpunkt von der dritten Massenbleiche innerhalb von nur fünf Jahren heimgesucht.

Hälfte der Korallen verschwunden

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Im Oktober erschütterte dann die Nachricht, dass das Great Barrier Reef in den vergangenen 20 Jahren bereits etwa die Hälfte seiner Korallen verloren hat. Diese erschütternde Bilanz zog eine Studie des ARC-Kompetenzzentrums für Korallenriffstudien (CoralCoE) an der James Cook Universität in Townsville. „Wir haben festgestellt, dass die Anzahl der kleinen, mittleren und großen Korallen am Great Barrier Reef seit den 1990er-Jahren um mehr als 50 Prozent zurückgegangen ist“, sagte der Korallenexperte Terry Hughes damals.

Früher habe man gedacht, das Great Barrier Reef sei durch seine schiere Größe geschützt, sagte Hughes. „Aber unsere Ergebnisse zeigen, dass selbst dieses relativ gut geschützte und größte Riffsystem der Welt zunehmend gefährdet und im Niedergang begriffen ist.“

Auch der Bericht der Weltnaturschutzunion (IUCN) im Dezember machte deutlich, wie ernst die Lage ist und stufte die Aussichten des Riffs erstmals auf „kritisch“. Kohlehäfen, Abwässer aus der Landwirtschaft, Stürme und der gefräßige Dornenkronenseestern machen den Korallen seit Jahren zu schaffen. Doch die Schäden des Klimawandels hätten nun den Anstoß gegeben, das Riff als „in Gefahr“ zu führen, heißt es vonseiten der Unesco. Eine endgültige Entscheidung soll Ende der kommenden Woche fallen.

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