Trotz Johnson-Appell: Gesundheitsminister spielt Rugby im Park

  • Bleibt zu Hause – für ein Wochenende. Der Appell von Boris Johnson scheint nicht anzukommen.
  • Selbst Gesundheitsminister Matt Hancock wurde beim Rugby spielen im Londoner Queen’s Park gesichtet.
  • Doch dieser ist offenkundig nicht der Einzige, bei dem Worte des britischen Premierministers nicht fruchten.
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London. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock läuft entspannt durch den Queen’s Park im Norden Londons, obwohl der britische Premierminister Boris Johnson seine Bevölkerung dazu aufrief, „dieses Wochenende zu Hause zu bleiben“. In einem Video der „Daily Mail“ ist zu sehen, wie Hancock mit Schlamm bedeckt und einem Rugbyball unter dem linken Arm lässig durch einen Londoner Park schlendert. Er macht dabei einen sichtlichen entspannten Eindruck und lächelt sogar in die Kamera.

Der Zeuge, der die Szene aufnahm, sagte gegenüber der „Daily Mail“, Hancock gegen 15.30 Uhr in dem Park angetroffen zu haben, nachdem dieser dort mit seinem Sohn Rugby spielte.

Johnson warnt vor „stillen Verbreitern“

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Erst am Freitag veröffentlichte Premierminister Johnson ein Video, in dem er an sein Volk appellierte, zweimal nachzudenken, bevor sie das Haus verlassen. „Dies ist nicht die Zeit für das kleinste bisschen Entspannung“, sagte der Premierminister am Freitag. Die Menschen müssten weiterhin Vorsicht walten lassen und – wann immer möglich – zu Hause bleiben.

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Er forderte die Bürger von Großbritannien auf, sich so zu verhalten, als hätten sie das Coronavirus, und warnte davor, dass asymptomatische „stille Verbreiter“ das Coronavirus weitergeben könnten.

Einkäufe ohne Masken und Festnahmen

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Aber der Appell des 56-Jährigen verpuffte offenkundig – nicht nur bei seinem eigenen Kabinettsmitglied. In der britischen Stadt Slough verließen Käufer einen Markt der Ladenkette Poundland ohne Mund-Nasen-Bedeckung wie die „Daily Mail“ berichtet. In Birmingham nahm die Polizei elf Personen fest und verhängte drei Geldstrafen, nachdem sich fast 150 Personen zu einer „rechtswidrigen“ Anti-Lockdown-Demonstration versammelt hatten.

Zudem sprengte sie eine Kneipenveranstaltung in London, wo noch ein Dutzend Biergläser auf dem Tresen standen, schreibt die britische Zeitung weiter. Auf öffentlichen Plätzen wie Parks kam es derweil zu großen Menschenansammlungen.

Krankenhäuser mit Rekordzahlen von Covid-19-Patienten

Johnson bezeichnete angesichts einer Rekordzahl an Covid-19-Patienten in Krankenhäusern den Druck auf das Gesundheitssystem als „außergewöhnlich“. In einigen Krankenhäusern müssten Krebsoperationen verschoben werden und Krankenwagen vor der Tür in der Schlange stehen, sagte der Premierminister am Freitag.

Laut offiziellen Angaben werden derzeit mehr Covid-19-Patienten in britischen Krankenhäusern behandelt als jemals zuvor, insgesamt sind es mehr als 37.000. Allein am Dienstag seien mehr als 4000 Menschen neu ins Krankenhaus eingeliefert worden, sagte Johnson.

Für den rasanten Anstieg der Neuinfektionen macht die Regierung vor allem die in England entdeckte, wohl deutlich ansteckendere Coronavirus-Variante verantwortlich. Selbst im Supermarkt könne es gefährlich sein, zu nah an einer anderen Person in der Schlange zu stehen, warnte Johnson. Pro 100.000 Einwohnern zählte Großbritannien in der vergangenen Woche mehr als 550 Neuinfektionen. In London liegt diese Kennziffer weiter in vielen Stadtteilen bei weit über 1000.

RND/ak mit dpa

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