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Tränen bei Corona-Demo: Alfons Blum hat seine Frau endlich gesehen - hinter Plexiglas

  • Mit einer verzweifelten Liebeserklärung hat der Geraer Rentner Alfons Blum im Mai Fernsehzuschauer bundesweit bewegt - auch weil er dabei auf einer Anti-Corona-Demonstration niedergebrüllt wurde.
  • Am Montag konnte er nun mit seiner Frau im Pflegeheim Hochzeitstag feiern.
  • Beide sahen sich für 30 Minuten - getrennt durch Plexiglas.
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Einen Strauß mit Rosen und Gerbera hat Alfons Blum für seine Frau mitgebracht, dazu einen Becher Quark und Fruchtsaft. Lange hat der 84-Jährige aus Gera diesen Tag herbeigesehnt - vor genau 63 Jahren gaben er und seine Frau Gisela sich das Ja-Wort. Doch in die Arme schließen kann er sie auch an diesem Montag nicht. Denn Besuche in dem Pflegeheim sind nur mit Abstand und getrennt durch Plexiglas möglich. Blum ist den Tränen nahe: "Ich liebe meine Frau so sehr. Ich weiß jetzt, was ich an ihr habe, was ich an ihr hatte und was ich verliere."

Mit einer Liebeserklärung vor laufender Kamera hatte Blum im Mai das Fernsehpublikum gerührt. Von der "seelischen Folter", dass er seine kranke Frau wegen der Corona-Pandemie seit Wochen nicht im Pflegeheim besuchen kann, hatte er am Rande einer Anti-Corona-Demo in Gera einem ARD-Fernsehteam berichtet und war dabei von einem Demonstranten brüsk niedergebrüllt worden. Der Ausschnitt ist nur etwa eine Minute lang, hat aber in sozialen Medien im Internet hohe Wellen geschlagen. Und Blum viele Sympathien eingebracht.

“Die Pflegekräfte können die Verwandten nicht ersetzen.”

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Inzwischen ist das Besuchsverbot in Thüringen etwas gelockert, seine Frau täglich im Heim in Gera besuchen wie vor der Pandemie, kann Blum trotzdem nicht. Die Verordnung erlaubt "einen zu registrierenden Besuch pro Patient oder Bewohner pro Tag für bis zu zwei Stunden". In der Praxis sei das nicht zu halten, erklärt der Geschäftsführer der Geraer Heimbetriebsgesellschaft, Andreas Götz. Um allen 90 Bewohnern des Pflegeheimes "Otto Dix" Besuche unter den geltenden Hygienevorschriften zu ermöglichen, würden seit Anfang des Monats Termine zu 30 Minuten zeitlich gestaffelt vergeben. Dadurch könnten Angehörige ihre Verwandten im Heim nun etwa einmal pro Woche treffen - in einem separaten Besuchszimmer und abgetrennt durch eine Scheibe.

Die stark beschränkten Besuchsmöglichkeiten nähmen die Senioren sehr mit, weiß Götz. "Die Pflegekräfte können die Verwandten nicht ersetzen."

“Wir haben Rock 'n' Roll getanzt”

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Auch Blum hat weiter mit der Trennung zu kämpfen. Dieser Montag ist trotzdem ein besonderer Tag für ihn - trotz der Beschränkungen. Lebhaft schildert er, wie er seine Frau einst beim Tanz kennengelernt hat, wie sie ihm auf der Galerie des Tanzsaales aufgefallen war. “Wir haben Rock 'n' Roll getanzt und was alles”, erzählt er mit einem Funkeln in den Augen. Über all die Jahre seien sie unzertrennlich gewesen, stets Hand in Hand eingeschlafen.

"Mein Schatz fehlt mir so, die Trennung ist nicht auszuhalten", bekennt der Senior und hofft, dass sie heute "gut drauf ist". Beim letzten Besuch habe sie lebhaft erzählt, er aber durch die Scheibe und die Entfernung nichts verstehen können. Blum: "Wenn ich sie das erste Mal wieder umarmen darf, lass ich sie nicht mehr los."

RND/dpa

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