Touristischer Probebetrieb auf den Balearen: Kein gutes Konzept

  • In der zweiten Junihälfte dürfen die ersten 10.900 Deutschen auf die Balearen reisen, doch der Erkenntnisgewinn aus dem Pilotprojekt dürfte gering sein.
  • Bei den Besuchern wird bei der Einreise Fieber gemessen, aber sie werden nicht auf das Coronavirus getestet.
  • Kein gutes Konzept, findet unser Autor.
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Eine Woche lang können die Spanier neidisch auf die Deutschen sein: Während sie selbst noch nicht im eigenen Land herumreisen dürfen, bekommen sie schon Besuch aus dem Ausland. Ab dem 15. Juni beginnt auf den Balearen ein touristischer Probebetrieb, an dem 10.900 Deutsche – fast doppelt so viele wie ursprünglich vorgesehen – teilnehmen dürfen. Erst ab dem 22. Juni dürfen auch die Spanier Urlaub in Spanien außerhalb ihrer Heimatregion machen.

Der Neid auf die deutschen Probeurlauber wird aber übertroffen von der Freude, dass es jetzt endlich wieder losgeht. Spanien ist eine touristische Supermacht, der Fremdenverkehr trägt fast ein Achtel zur Wirtschaftsleistung des Landes bei – in normalen Zeiten. Die werden so schnell nicht zurückkehren, jedenfalls so lange nicht, wie es keinen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt. Stattdessen gibt es “neue Normalität”, und deren touristische Aspekte sollen auf den Balearen ab kommender Woche getestet werden.

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Die Besucher werden nicht auf das Virus getestet

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Für die Deutschen wird dasselbe gelten wie für die Spanier, sie müssen Maske tragen, Abstand zu ihren Mitmenschen wahren und sich regelmäßig die Hände waschen. Um zu sehen, wie das funktioniert, muss man keine Deutschen ins Land lassen. Die besondere Herausforderung des ausländischen Tourismus besteht in seiner Massenhaftigkeit. Wie will Spanien einen neuen Covid-19-Ausbruch unter Kontrolle halten, wenn nicht 10.000, sondern eine Million Touristen die Balearen überfluten? Dafür gibt es kein gutes Konzept. Bei den Besuchern wird bei der Einreise Fieber gemessen, aber sie werden nicht auf das Virus getestet.

Die Kanaren nehmen an dieser Pilotphase vorerst nicht teil, weil sie das Sicherheitskonzept gegen einen neuen Ausbruch der Epidemie für ungenügend halten. Sehr nebelhaft ist noch immer, wie gut die Gesundheitsämter ausgestattet sind, um mögliche Ansteckungsketten nachvollziehen zu können. Mit 10.900 deutschen Touristen wird wahrscheinlich alles gut gehen. Mit sehr viel mehr nicht unbedingt.

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