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Tornado hinterlässt Spur der Verwüstung in Tschechien – ganze Dörfer zerstört, mindestens fünf Tote

  • Schwere Unwetter ziehen am Donnerstagabend über den Südosten Tschechiens hinweg.
  • Ein Tornado macht in Südmähren mehrere Dörfer quasi dem Erdboden gleich.
  • Es gibt Hunderte Verletzte und auch mindestens fünf Tote.
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Ein schweres Unwetter mit einem Tornado hat im Südosten Tschechiens mindestens fünf Menschen getötet. Das teilten Polizei und Rettungsdienste am Freitag mit. Rund 200 Menschen wurden verletzt, davon mussten 83 mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. Der Tornado hatte am Donnerstagabend sieben Dörfer in der Region Südmähren verwüstet. Häuser wurden zerstört, Dächer abgedeckt, Stromleitungen niedergerissen und Autos umhergeschleudert. Die Situation dort sei wie in einem Krieg, sagte Gesundheitsminister Adam Vojtech im Fernsehen.

Betroffen waren vor allem die Verwaltungsbezirke Hodonín und Břeclav, das Krankenhaus in Hodonín meldete rund 200 Verletzte. Bilder in sozialen Medien zeigen schwere Verwüstungen, die örtlichen Feuerwehren verzeichneten unzählige Notrufe. Alle verfügbaren Einsatzkräfte seien auf dem Weg in die Region, sagte Innenminister Jan Hamacek. „Alles, was Arme und Beine hat, fährt dorthin.“ Rettungsstaffeln mit Hunden suchten in Gebäuden nach Verschütteten. Die Rettungsarbeiten und die Suche nach möglichen Verschütteten dauerten die ganze Nacht und den Freitagmorgen über an.

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Tschechien: Tote und Verletzte nach Tornado
1:11 min
Schwere Unwetter ziehen am Donnerstagabend über den Südosten Tschechiens hinweg.  © Reuters
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Ministerpräsident will Unglücksgebiet besuchen

Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis wollte das Unglücksgebiet am Nachmittag nach seiner Rückkehr aus Brüssel besuchen, er sprach von einer „Apokalypse“. Die Regierung versprach schnelle finanzielle Hilfe für die Betroffenen, von denen viele das Dach über dem Kopf verloren haben.

Die österreichische Zeitung „Krone“ hatte schon am späten Donnerstagabend berichtet, dass nach Informationen der niederösterreichischen Einsatzleitung im Grenzgebiet zu Österreich fünf Tote gezählt wurden, was am Freitag bestätigt wurde: „Wir haben zwölf Rettungswagen und ein Notarzteinsatzfahrzeug in das Gebiet entsendet, weitere Einheiten aus dem Weinviertel wurden schon nachalarmiert“, sagte Pressesprecher Andreas Zenker vom Roten Kreuz Niederösterreich laut der Zeitung.

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Video zeigt Tornado, der sich auf Haus zubewegt

Das Tschechische Hydrometeorologische Institut bestätigte nach Angaben der Zeitung „Seznam Zprávy“ das Auftreten eines Tornados in der Region, die Windhose ist auch in zahlreichen Aufnahmen in sozialen Medien zu sehen. Eines der dramatischen Videos zeigt, wie sich ein Tornado auf ein Haus zubewegt und die Bäume vor dem Gebäude reihenweise umknicken.

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Der Tornado hatte nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) eine für Europa außergewöhnliche Stärke. „Das sind solche Kräfte, die dort entstehen, dass wirklich Autos Hunderte Meter weit durch die Luft fliegen, das Trümmerteile sich in Betonwände bohren“, sagte Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des DWD, der Deutschen Presse-Agentur. Er gehe anhand der Schäden, die er auf den Bildern aus Tschechien gesehen habe, von Windgeschwindigkeiten zwischen 300 und 400 Kilometern pro Stunde aus. Das sei „ein Tornado, der in dieser Stärke in Europa bisher nur selten vorkam“.

Bewohner unter Schock

„Es gibt Unfälle, eingerissene Dächer, wahrscheinlich noch Menschen in den Gebäuden. Wir schicken alles, was Hände und Räder hat, in diese Regionen“, sagte Rettungssprecherin Hedvika Kropáčková laut „Seznam Zprávy“.

Viele Einwohner der betroffenen Gemeinden standen unter Schock. „Auf einmal habe ich ein merkwürdiges Dröhnen gehört, als ob ein Zug näherkommen würde“, sagte ein Augenzeuge der Zeitung „Pravo“. „Dann begann die Hölle, alles flog herum.“ Sein Haus habe kein Dach mehr, keine Zimmerdecke, keine Fenster, berichtete ein anderer.

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In dem Dorf Hrušky wurde die Hälfte der Häuser „dem Erdboden gleichgemacht“, wie der stellvertretende Bürgermeister der tschechischen Nachrichtenagentur CTK sagte. Der Sturm habe Autos gegen die Häuser geschleudert, die Kirche sei ohne Dach. „Das Dorf existiert von der Kirche abwärts praktisch nicht mehr. Die Schule hat keine Fassade, kein Dach. Jahrhundertealte Linden und Fichten wurden gefällt.“ Die Menschen hätten sich vor dem Unwetter nicht schützen können.

Der Tornado traf auch das Dorf Lužice bei Hodonín. Fotos und Videos dokumentieren das Ausmaß der Zerstörung. Die Feuerwehr ging dort von Haus zu Haus. „Hier herrscht großes Chaos, große Panik“, sagte ein Augenzeuge dem Sender CT.

Millionenschäden auch in Österreich

Den ganzen Abend zogen schwere Sommergewitter durch Südmähren, das für seine Weinanbaugebiete bekannt ist. Die Notrufleitungen waren überlastet. In den Verwaltungsbezirken Břeclav und Hodonín fielen Hagelkörner von der Größe von Tennisbällen. „Bitte seien Sie vorsichtig, die Situation ist überall verrückt“, sagte der stellvertretende Bürgermeister von Břeclav, Jakub Matuška. Am Schloss Valtice, das zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, entstand Millionenschaden. An dem Barockbau aus dem 17. Jahrhundert barsten zahlreiche Fensterscheiben.

Die Autobahn D2, die von Brünn (Brno) nach Breclav führt, war nicht befahrbar, weil eine Hochspannungsleitung auf die Fahrbahn gestürzt war. Rund 32.000 Haushalte waren ohne Elektrizität. Die Regierung in Prag versetzte Kräfte der Armee für einen möglichen Hilfseinsatz in Bereitschaft. Aus Österreich waren zwei Rettungshubschrauber auf dem Weg. Auch die benachbarte Slowakei bot Hilfe an. Regierungschef Andrej Babis ließ mitteilen, dass er wegen des Wetters nicht aus Brüssel zurückkehren könne, wo er an einem EU-Gipfel teilnimmt.

Auch im benachbarten Österreich richteten Hagelunwetter nach Angaben der Agentur APA schwere Schäden an.In Ober- und Niederösterreich sei allein in der Landwirtschaft ein Schaden von 28 Millionen Euro zu beklagen, erklärte demnach ein Sprecher der Hagelversicherung. Tennisballgroße Hagelkörner zerstörten zudem Hunderte von Dächern und beschädigten zahlreiche Autos. Die Dächer seien regelrecht durchlöchert worden, hieß es. Mehr als 1600 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

RND/seb, mit dpa

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