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Syrer Amad A. in Gefängniszelle in Kleve verbrannt: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Polizisten

  • 2018 verbrannte ein Syrer, nachdem er fälschlicherweise inhaftiert worden war, in seiner Zelle in Kleve.
  • Er war bei der Verhaftung mit einem anderen Mann verwechselt worden.
  • Nun soll ein Dokument zeigen, dass ein Polizist schon vor seinem Tod auf die Verwechslung hingewiesen wurde. Es wird gegen einen Beamten ermittelt.
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Der hellhäutige Syrer Amad A. war bisherigen Ermittlungen zufolge am 6. Juli 2018 fälschlicherweise wegen eines Haftbefehls in Kleve eingesperrt worden. Er wurde für den dunkelhäutigen Amedy G. aus Mali gehalten. Amad A. hatte wochenlang in Kleve unschuldig im Gefängnis gesessen und schließlich in seiner Zelle selbst Feuer gelegt. Dabei erlitt der 26-Jährige so schwere Verbrennungen, dass er im September 2018 in einer Klinik starb.

Ermittlungen gegen die Polizisten, die ihn festgenommen hatten, waren eingestellt worden. Sie hätten bei ihren Datenabfragen fehlerhafte Angaben erhalten. Konkrete Belege, wonach Amad A.s Inhaftierung auf ein bewusst falsches Handeln der Behörden zurückzuführen sei, gab es bislang nicht. Doch nun soll die Staatsanwaltschaft wieder gegen einen Polizisten in dem Fall ermitteln, wie der “Spiegel” mit Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichtet. Demzufolge sei vergangene Woche ein Vermerk aufgetaucht, der einen Polizisten schwer belaste.

Staatsanwältin soll auf Verwechslung hingewiesen haben

Dem Bericht zufolge hatte die Staatsanwaltschaft Braunschweig 2015 eine Anklage gegen Amed G. erhoben. Am 27. Juli 2018, rund drei Wochen nach Amad A.s Verhaftung, wies eine Staatsanwältin aus Braunschweig die Polizei Kleve in einem Telefonat auf die Verwechslung hin. Das geht laut “Spiegel” aus einem entsprechenden Vermerk hervor, der damals von der Staatsanwältin angefertigt wurde und dem Magazin nach eigenen Angaben vorliegt.

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In dem Dokument stehe von der Staatsanwältin geschrieben, dass die Person, die in Kleve verhaftet wurde, “nicht identisch mit der Person Amed G., die in diesem Verfahren angeklagt ist”, sei. Die Worte “nicht identisch” sind laut “Spiegel” unterstrichen. Die verhaftete Person sei laut der Polizei Kleve arabischer Herkunft, heißt es weiter, Amed G. stamme aber aus Subsahara-Afrika. Die Staatsanwältin habe dem Bericht zufolge den Polizisten G., der die Strafanzeige, die zur Verhaftung Amad A.s führte, bearbeitet hatte, über den Sachverhalt informiert. Auch die Telefonnummer des Beamten ist demzufolge in dem Vermerk angegeben. Konsequenzen hatte all das offenbar nicht: Der Syrer Amad A. saß weiter in Haft und starb schließlich bei dem Brand.

Laut “Spiegel” war ebendieser Polizist auch im November 2019 in dem Fall als Zeuge angehört worden und habe nichts von dem Telefonat gesagt. Nach dem Auftauchen des neuen Dokuments hat die Staatsanwaltschaft Kleve dem “Spiegel” mitgeteilt, dass nun ein Ermittlungsverfahren gegen einen Polizeibeamten “wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung” eingeleitet worden sei. Es ist wahrscheinlich, dass es sich bei diesem Beamten um den Polizisten G. handelt.

RND/hsc

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