Noch mehr Corona-Fälle auf Sylt – Gastronom erhebt Vorwürfe

  • Auf der Nordseeinsel Sylt wurden vergangene Woche sieben Mitarbeiter aus zwei Restaurants positiv auf Corona getestet.
  • Einer der betroffenen Gastronomen kritisiert nun die Öffnungspolitik der Insel.
  • Er berichtet zudem von weiteren Corona-Fällen in seinem Restaurant.
Jens Strube
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Sylt. Die Meldung hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt: Auf der Nordseeinsel Sylt wurden vergangene Woche sieben Mitarbeiter zweier Restaurants positiv auf das Coronavirus getestet – mit drastischen Konsequenzen: 29 Mitarbeiter und 55 Gäste aus Nordfriesland mussten anschließend in Quarantäne. Insgesamt ermittelte der Kreis Nordfriesland 1036 Kontaktpersonen aus anderen Regionen, deren Kontaktdaten an die Gesundheitsämter der Heimatorte weitergeleitet wurden. Nun erhebt einer der betroffenen Gastronomen Vorwürfe.

„Bei dem unkontrollierten Ansturm auf die Insel war doch nichts anderes zu erwarten“, klagt Gerhard Diehm, Betreiber der „Vogelkoje“ in der Gemeinde Kampen. Damit bezieht er sich auf das Modellprojekt, durch das seit dem 1. Mai wieder auf Urlauber nach Sylt reisen dürfen. Die Besucher müssen dafür ein negatives Testergebnis mitbringen und sich alle zwei Tage vor Ort testen lassen. Schon Anfang Mai gab es erstmals Aufregung auf der Insel, als ein Ehepaar nach dem Sylt-Urlaub positiv auf Corona getestet wurde. 300 Menschen mussten anschließend in Quarantäne.

Diehm hinterfragt deswegen: „So gut wie jeder kann ohne Einschränkungen hierher kommen, die negativen Testergebnisse müssen erst in den Hotels vorgezeigt werden. Warum werden die Leute nicht direkt bei der Ankunft oder vor der Abfahrt getestet?“ Gerade Sylt könne doch in diesem Punkt doch den „Vorteil einer Insel“ nutzen.

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Tests ergeben: Vier weitere Mitarbeiter ebenfalls infiziert

Bei einem seiner Küchenmitarbeiter wurde am vergangenen Donnerstag das Coronavirus nachgewiesen. Dieser soll unwissentlich privaten Kontakt zu einem der sechs infizierten Mitarbeiter des Gosch-Restaurants „Knurrhahn“ in der Gemeinde List gehabt haben, berichtet der Gastronom. Nach der bestätigten Infektion stellte Diehm den Betrieb in seinem Restaurant umgehend ein, ließ seinen Mitarbeiter testen. Der schlimme Verdacht bestätigte sich. Der Schnelltest fiel positiv aus, wurde anschließend durch einen PCR-Test bestätigt.

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Seither sind alle Kollegen in Quarantäne. Mehr noch ist seit Samstag klar: Vier weitere Mitarbeiter aus der „Vogelkoje“ sind ebenfalls infiziert. Zwei Küchenbeschäftigte, zwei aus dem Service. „Das war im ersten Moment natürlich erschütternd“, sagt der Gastronom. „Es ist immer so weit von einem weg gewesen, und plötzlich ist es bei einem selbst im Laden passiert.“ Es zeige, wie schnell und unvorhersehbar das Virus zuschlagen könne, auch wenn sich alle Mitarbeiter zweimal pro Woche im Testzentrum testen lassen würden.

„Wir müssen abwarten und schauen, wie es weitergeht“

Dass es aber so weit kommen konnte, liege für ihn auch daran, dass die bislang strengen Regeln so abrupt gelockert wurden. Der anschließende Zulauf sei kaum zu bewältigen gewesen. „Man hätte das alles erst mal in sichere Bahnen lenken sollen“, findet er. Etwa durch Impfungen für Berufsgruppen mit großem Kundenkontakt, wie in der Gastronomie. Aus seiner Sicht hätten die Öffnungen damit sicherer und der aktuelle Corona-Ausbruch womöglich verhindert werden können. „Aber hinterher ist man immer schlauer.“

Er blickt nun nach vorne und hofft am 2. Juni wieder öffnen zu können. Einige seiner Mitarbeiter seien bereits durchgeimpft, und auch andere Kollegen hätten ihre ersten negativen Testergebnisse erhalten: „Wir müssen nun abwarten und schauen, wie es weitergeht.“ Wichtig sei aber erstmal, dass die infizierten Mitarbeiter die Krankheit unbeschadet überstehen. Bislang würden die Corona-Infektionen aber bei allen mild verlaufen.

Eine RND-Anfrage zu den Corona-Fällen auf Sylt ließ die Pressestelle des Kreises Nordfriesland bislang unbeantwortet.

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