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Sullys spektakuläre Notwasserung: Der „Held vom Hudson“ wird 70

  • Eine Notlandung auf dem New Yorker Hudson River machte den Piloten Chesley Sullenberger 2009 weltberühmt.
  • Als Held sieht er sich nicht, auch wenn er häufig so bezeichnet wird.
  • Mit 70 ist Sully im Ruhestand, hat aber eine neue politische Mission.
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New York. Bescheidenheit zeichnet den „Held vom Hudson“ auch heute noch aus. „Gegen das ‚H‘-Wort habe ich mich immer gewehrt“, sagt der amerikanische Pilot Chesley B. Sullenberger. Fliegerei sei ein „Teamsport“ und wie so oft im Leben habe Zusammenarbeit damals zum Erfolg geführt und Leben gerettet. Sully, so sein Spitzname, blickt zwölf Jahre zurück - auf seine spektakuläre Notwasserung vom 15. Januar 2009 auf dem New Yorker Hudson River.

„Wenn wir uns auf Mitmenschlichkeit besinnen und zusammen arbeiten, gibt es kaum etwas, was wir nicht schaffen können“, betont Sullenberger im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur, kurz vor seinem 70. Geburtstag am Samstag (23. Januar).

Ob er es mag oder nicht, für viele Menschen ist Sullyder „Hero“ schlechthin. 155 Menschen waren an Bord von US-Airways-Flug 1549, nach einer Stunde Flug sollte der Airbus in Charlotte (North Carolina) landen. Doch kurz nach dem Start auf dem New Yorker LaGuardia Flughafen fielen durch die Kollision mit einem Gänseschwarm beide Triebwerke aus. Die Motoren brannten, die Schubkraft war weg, an eine Rückkehr zur Startbahn oder den Anflug eines anderen Flughafens war nicht zu denken. Copilot Jeff Skiles gab das Steuer an Sullenberger ab.

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Helfer umgeben auf Booten und Schiffen einen Airbus A320 der Fluggesellschaft US Airways, der nach einer Notwasserung auf dem Hudson River vor Manhatten treibt. © Quelle: epa Justin Lane/EPA/dpa

„Die größte Herausforderung, der schlimmste Tag meines Lebens“

„Ich wusste sofort, das dies ein einzigartiger Notstand ist, die größte Herausforderung, der schlimmste Tag meines Lebens“, erinnert sich Sullenberger. In den ersten Sekunden habe er drei Gedanken gehabt: „Das kann nicht wahr sein! Das kann mir doch nicht passieren! Und dann die Erkenntnis, dass im Gegensatz zu all meinen früheren Flügen, dieser wohl nicht unversehrt auf einer Landebahn endet.“ Doch sein Ziel sei klar gewesen, die Maschine intakt zu Boden zu bringen und damit alle Menschen an Bord zu retten. „Wenn nur eine Person nicht überlebt hätte, hätte ich das als tragisches Versagen empfunden und mein Leben lang zutiefst bedauert.“

„Wir gehen auf den Hudson runter“, funkte der damals 57-Jährige mit ruhiger Stimme an den Tower. Die Landung im eisigen Hudson River vor der Skyline von New York war eine fliegerischeMeisterleistung. Der Airbus überschlägt sich nicht, bricht nicht auseinander, als er mit Tempo 250 auf das Wasser knallt.

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Ein Schnitt im Bein einer Stewardess ist die schlimmste Verletzung. Innerhalb von wenigen Minuten und fast ohne Panik klettern die Passagiere auf die Tragflächen des schwimmenden Fliegers. Boote kommen zur Rettung. Sullenberger, ein ehemaliger Militärpilot mit 40 Jahren Flugerfahrung, geht als Letzter von Bord. Er sucht zuvor noch einmal die sinkende Maschine ab, um auch wirklich niemanden zurückzulassen.

Den Dank eines Passagiers quittiert er mit einem Lächeln und den Worten „Gern geschehen“. Seiner Frau Lorrie und den beiden Töchtern daheim in Kalifornien berichtete er kurz danach am Telefon ruhig: „Hier gab es einen Unfall.“

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50.000 Briefe und E-Mails

Nach dem „Wunder vom Hudson“ bricht eine regelrechte „Sullymanie“ aus, auch wenn der bescheidene „Held“ in Hunderten Interviews und Talkshows immer wieder seine Crew lobt. Noch-Präsident George W. Bush gratuliert dem Piloten, Barack Obama lädt ihn kurz nach dem Unglück zu seiner Vereidigung nach Washington ein. „Dies war eines der großen Highlights“, sagt Sullenberger der dpa. Er habe Obama mit Erfolg darum gebeten, dass auch seine Crew und deren Familien zu den Feierlichkeiten kommen durften.

Die weltweite Aufmerksamkeit sei überwältigend gewesen, sagt Sullenberger. „In den ersten Monaten bekamen wir 50.000 Briefe und E-Mails.“ Auf seiner „Facebook“-Seite hat er mehr als 600.000 Fans. Er schrieb eine Autobiographie („Man muss kein Held sein“) - später die Vorlage für Clint Eastwoods Film „Sully“ (2016). Der drehte sich auch um die weniger bekannten Nachwehen des Flugdramas: Die monatelange Crash-Untersuchung der Flugsicherheitsbehörde und den Medienrummel. Tom Hanks spielt den Piloten mit grauen Haaren und ordentlich getrimmten Schnäuzer.

Seit 2010 ist Sullenberger im Ruhestand und setzt sich als Experte weiter für Flugsicherheit und Unfallermittlungen ein. Auf seiner Webseite nennt der Aktivist als neueste Mission: „unsere Demokratie schützen“. Es wäre eine „Pflichtverletzung“, wenn er sich als bekannte Figur nicht für so etwas Wichtiges einsetzen würde, sagt er der dpa. Die Wahl des Demokraten Joe Biden zum neuen US-Präsidenten mit Kamala Harris als Vizepräsidentin betrachte er als willkommenes Geburtstagsgeschenk. „Ich freue mich auf die Biden-Harris-Regierung, um unser Land auf den richtigen Kurs zu bringen und die vielen, schwierigen Herausforderungen anzugehen.“

RND/dpa

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