Containerschiff „Ever Given“ teilweise freigelegt – Schiffe warten noch immer vor Suezkanal

  • Tagelang hatte das Containerschiff „Ever Given“ den Suezkanal blockiert.
  • Am Montagmorgen wurde das Schiff wieder in einen schwimmenden Zustand gebracht.
  • Wann das knapp 400 Meter lange und 59 Meter breite Schiff die Fahrt fortsetzen kann, ist allerdings noch ungewiss.
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Das im Suezkanal havarierte Containerschiff ist frei. Die gestrandete "Ever Given" der Reederei Evergreen, sei wieder flott und werde derzeit gesichert, teilte das Schifffahrtsunternehmen Inch Cape Shipping Services am Montag auf Twitter mit. Die Suezkanalbehörde (SCA) hatte zuvor erklärt, dass die Schlepparbeiten zur Befreiung des Schiffes wieder aufgenommen wurden.  © Reuters
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Kairo. Update: Das Containerschiff „Ever Given“ ist inzwischen komplett freigelegt und bewegt sich wieder.

Das im Suezkanal auf Grund gelaufene Containerschiff „Ever Given“ ist nach einer tagelangen Blockade teilweise freigelegt worden. Das 400 Meter lange Schiff sei gegen 4.30 Uhr (Ortszeit) wieder in schwimmenden Zustand gebracht worden und werde gesichert, teilte der maritime Dienstleister Inchcape Shipping am frühen Montagmorgen mit. Der teilweise Durchbruch sei nach intensiven Bemühungen während einer Springflut erfolgt. Daran waren zehn Schlepper beteiligt, außerdem wurde Sand um das Schiff abgesaugt. Wann die „Ever Given“ ihre Fahrt in nördlicher Richtung auf dem Weg nach Rotterdam im Kanal fortsetzen und die wichtige Wasserstraße wieder zur Durchfahrt freigegeben werden kann, war nach der Erfolgsmeldung zunächst unklar.

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Eine offizielle Bestätigung der Kanalbehörde gab es zunächst nicht. Die Sprecherin der Wirtschaftszone für den Suezkanal feierte den Erfolg jedoch bereits auf Facebook. „Es leben die Helden vom Suezkanal“, schrieb die Sprecherin.

„Zugmanöver“ fortgesetzt

Die Firma erklärte, sie warte noch auf eine Bestätigung der Kanalbehörde, dass das Schiff wieder flott sei. Der Leiter der Kanalbehörde, Osama Rabei, sagte, Einsatzkräfte hätten ihre „Zugmanöver“ zum Freilegen des Schiffs am frühen Montag fortgesetzt. Satellitendaten von Marinetraffic.com zeigten den Frachter in derselben Position wie zuvor, umgeben von zahlreichen Schleppern. Sein Bug stecke weiterhin am Ostufer des Kanals fest, teilte das niederländische Bergungsunternehmen am Montag mit. In der Nacht zum Montag war mit Hilfe eines schweren Schleppers das Heck vom Boden losgelöst worden. Dadurch konnte das Schiff um 20 Grad drehen. Der Bug liege noch „wie ein Wal auf dem Strand“, sagte Peter Berdowski, Chef des Unternehmens Boskalis im niederländischen Radio.

Die Berger hoffen nun, mit Hilfe eines weiteren Schleppers im Laufe des Montages das Schiff völlig zu befreien. Sollte das nicht gelingen, müssten möglicherweise doch Container abgeladen werden. Das ist nach den Worten des Experten sehr zeitraubend.

Das knapp 400 Meter lange und 59 Meter breite Schiff war am Dienstag vor einer Woche rund sechs Kilometer von der südlichen Zufahrt zum Kanal entfernt auf Grund gelaufen und hat sich zwischen den Ufern verkeilt.

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Der Suezkanal verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und bietet damit den kürzeste Schifffahrtsweg zwischen Asien und Europa. 2020 durchfuhren nach Angaben der Suezkanal-Behörde fast 19.000 Schiffe die Wasserstraße. Durch die tagelange Blockade gingen dem Kanal täglich Einnahmen von rund 13 bis 14 Millionen Dollar verloren.

Langer Stau vor dem Suezkanal

Laut Kanalbehörde warteten zuletzt rund 370 Schiffe auf beiden Seiten des Kanals auf Durchfahrt, darunter 25 Öltanker. Der Finanznachrichtendienst Bloomberg berichtete am Montag von 450 wartenden Schiffen.

Weil das Ende der Havarie nicht absehbar war, begannen Reedereien, ihre Frachter um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas herum fahren zu lassen. Das größte Schifffahrtsunternehmen der Welt, die dänische Reederei Moller-Maersk kündigte an, wegen der längeren Routen würden sich Lieferungen um drei bis sechs Tage verzögern.

Nach der Erfolgsmeldung vom Montagmorgen kursierten im Internet Videos von erleichterten Crewmitgliedern der anderen Schiffe im Kanal. „Das Boot schwimmt“, sagt ein Mann an Bord eines Schiffs und streckt seinen Daumen nach oben. Auf einem der Videos ist immer wieder der Ausspruch „Alhamdulillah“ (Gott sei Dank) zu hören.

Die Unglücksursache war noch nicht geklärt. Starker Wind sei nicht er einzige Grund, sagte Rabei. Technische oder menschliche Fehler könnten nicht ausgeschlossen werden. Das für die Technik an Bord verantwortliche Unternehmen Bernhard Schulte Shipmanagement erklärte, nach ersten Ergebnissen könnten mechanische Fehler oder Probleme mit dem Antrieb ausgeschlossen werden. Allerdings war in einer der ersten Schadensmeldungen davon die Rede, dass es auf der „Ever Given“ zum Zeitpunkt des Unglücks einen Stromausfall gegeben habe.

RND/dpa/AP

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