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Suezkanal: Experten melden leichten Fortschritt bei Schiffsbergung – Angst vor Piraten steigt

  • Zehn Schlepper sind im Einsatz, um das im Suezkanal festsitzende Containerschiff „Ever Given“ freizubekommen.
  • Zudem hoffen die Helfer auf eine unterstützende Wirkung der Gezeiten.
  • Inzwischen macht sich bei den Reedereien Angst vor Piratenangriffen breit.
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Suez. Bei den Bergungsversuchen für das im Suezkanal auf Grund gelaufene Containerschiff hat es offenbar leichte Fortschritte gegeben. Spezialisten seien ein wenig damit vorangekommen, das Heck der „Ever Given“ freizubekommen, teilte der Kanaldienstleister Leth Agencies am Samstag mit. Man setze auf eine Kombination aus schweren Schleppern, Saugbaggern und der Springflut, sagte der Chef der niederländischen Bergungsfirma Boskalis, Peter Berdowski. Die Flut werde am Samstag wegen des bevorstehenden Vollmonds bis zu 50 Zentimeter höher sein als normal.

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Havarie im Suezkanal: die Lebensader des Welthandels
2:27 min
Ein Schiff von der Größe eines Wolkenkratzers blockiert den Suezkanal und verursacht damit Millionenschäden. Hintergründe zur wichtigsten Wasserstraße der Welt.  © Frederik Eichholz/RND

Das knapp 400 Meter lange und 59 Meter breite Containerschiff war am Dienstag rund sechs Kilometer von der südlichen Zufahrt zum Kanal entfernt auf Grund gelaufen und hatte sich zwischen beiden Ufern verkeilt. Der ägyptische Ministerpräsident Mustafa Madbuli sprach von einem ganz außerordentlichen Zwischenfall. Etwa 280 Schiffe warteten am Samstag bereits vor den beiden Kanaleingängen auf eine Durchfahrt. Nach einer Analyse von Schiffsdaten durch den Datendienstleister Refinitiv waren mehr als 100 weitere auf dem Weg dorthin. Andere nahmen bereits den Umweg um den afrikanischen Kontinent in Kauf.

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Reedereichef Yukito Higaki sagte am Freitagabend, es seien mindestens zehn Schlepper im Einsatz. Am Ufer und am Grund des Kanals werde zudem nahe dem Schiffsbug Sand abgegraben. Man hoffe, dass die „Ever Given“ freikomme, wenn das Wasser nach der Flut wieder sinke. Sollte das nicht funktionieren, müsse man Container abladen, damit sie leichter wird. Am Samstag sollte es mindestens zwei Versuche geben.

Der Chef der Kanalbehörde, Osama Rabei, sprach von einer komplizierten technischen Operation, für die mehrere Anläufe nötig seien. Medien wurden nicht in die Nähe des Frachters gelassen. Für Samstag war eine Pressekonferenz in Suez angekündigt.

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Berdowski sagte, die „Ever Given“ stecke mit dem Bug im lehmigen Sand des Ufers fest. Am Heck sei es nicht ganz so schlimm. „Das ist positiv, weil Sie das hintere Ende benutzen können, um es freizuziehen“, erklärte er in der niederländischen Fernsehsendung Nieuwsuur. Zwei zusätzliche große Schlepper seien auf dem Weg in den Kanal. „Wir hoffen, dass die Kombination aus den Schleppern, die wir dort haben werden, mehr weggebaggertem Grund und der Flut ausreichen wird, um das Schiff irgendwann Anfang nächster Woche freizubekommen“, sagte Berdowski.

Falls das nicht reiche, müssten Hunderte Container abgeladen werden, fügt er hinzu. Ein Kran dafür sei bereits unterwegs.

Das für die Technik auf der „Ever Given“ verantwortliche Unternehmen Bernhard Schulte Shipmanagement erklärte, nach Fehlversuchen am Freitag wolle man Ballastwasser aus dem Schiff pumpen, damit es leichter wird.

Der Suezkanal verkürzt die Fahrstrecke für Handelsschiffe zwischen Asien und Europa um mehrere Tausend Kilometer. Durch die künstliche Wasserstraße zwischen Mittelmeer und Rotem Meer laufen 10 Prozent des Welthandels. Weil das Ende der Havarie noch nicht absehbar war, haben Reedereien begonnen, ihre Frachter um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas herum fahren zu lassen, wie Satellitenbilder zeigen. Unter ihnen ist auch das Schwesterschiff der „Ever Given“, die „Ever Greet“.

Suezkanal blockiert: Angst vor Piraten steigt – Unterstützung der US-Marine angefordert

Einige Länder haben bereits begonnen, erste Schiffe auf den Umweg um das Kap der Guten Hoffnung zu schicken, wie Satellitenbilder zeigen. Unter ihnen ist auch das Schwesterschiff der „Ever Given“, die „Ever Greet“. Dadurch verlängern sich die Fahrten laut der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd um rund eine Woche. Zugleich gelten die Gewässer vor der Küste Westafrikas, insbesondere im Golf von Guinea, als besonders gefährlich wegen möglicher Überfälle von Piraten.

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Wie etwa das US-amerikanische Wirtschaftsmagazin „Forbes“ berichtet, haben zahlreiche Unternehmen die US-Navy aus Angst vor Überfällen um Hilfe gebeten. Denn die festsitzenden Schiffe seien ein leichtes Ziel für Piraten. Freibeuter treiben in der Gegend traditionell ihr Unwesen. Darüber hinaus stieg allein im letzten Jahr die Zahl der Überfälle um 20 Prozent.

RND/AP/liz

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