Streit um „Miss France“-Wettbewerb: Feministische Organisation klagt wegen „diskriminierender“ Kriterien

Die Miss France 2021 Amandine Petit.

Die Miss France 2021 Amandine Petit.

Paris. Mit 25 Jahren sind alle Chancen auf das begehrte Krönchen vorbei. Mutterschaft ist ebenso ein Ausschlusskriterium wie ein Ehering am Finger. Frauen, die sich zur „Miss France“ küren lassen wollen, müssen eine Reihe Kriterien erfüllen, die über ihr Äußeres hinausgehen. Schließlich, so argumentieren die Organisatoren, sei eine französische Schönheitskönigin während ihrer einjährigen Amtszeit ständig auf Veranstaltungen im ganzen Land unterwegs. Das lasse sich nun einmal nicht mit einem Familienleben vereinbaren. Seit 1920 gibt es den Wettbewerb, und aus dieser Zeit stammen auch die Regeln, die Kritikern und vor allem Kritikerinnen nicht nur überkommen erscheinen. Sondern sogar illegal.

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Die feministische Vereinigung „Osez le feminisme“ (zu übersetzen etwa mit „Mut zum Feminismus“) hat das Arbeitsgericht angerufen, weil die Miss France-Veranstaltung in ihren Augen nicht konform mit dem Arbeitsgesetzbuch, da diskriminierend sei. Denn dieses „verbietet Unternehmen eine Benachteiligung von Bewerbern aufgrund von Moral, Alter, Familienstand oder körperlicher Erscheinung“, argumentiert die Anwältin der Vereinigung, Violaine De Filippis-Abate.

Frauenministerin Élisabeth Moreno: Regeln sind „rückständig“

Drei Frauen, die an einer Teilnahme gescheitert waren, da sie den Kriterien nicht entsprachen, schlossen sich der Klage gegen das Komitee Miss France, das den Wettbewerb ausrichtet, sowie die Produktionsfirma Endemol Production an. Zweitere „benutzt Frauen, um ein extrem lukratives Rundfunkprogramm herzustellen, indem sie das Arbeitsrecht missachtet“, lautet die Anschuldigung. Unterliegt die „Miss France“ Frankreichs Arbeitsgesetzen als Angestellte des Veranstalters? Oder übertreiben es die Feministinnen mit ihrer Klage?

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Frauenministerin Élisabeth Moreno nannte die Regeln „rückständig“, was die aktuelle Schönheitskönigin, die 24-jährige Amandine Petit, angesichts der Beliebtheit der Show „schade“ nannte: „Für alle, die ‚Miss France‘ nicht ansehen wollen, gibt es sehr gute Bücher.“ Die Produzentin der Sendung, Alexia Laroche-Joubert, nannte eine Einstellung „archaisch“, bei der den teilnehmenden Frauen ein schlechtes Gewissen gemacht werde: Frühere Schönheitsköniginnen seien im Anschluss Unternehmerinnen oder Schauspielerinnen geworden – selbstbewusste Frauen, die mit beiden Beinen im Leben stehen. Das sei der wahre Feminismus, findet Laroche-Joubert, ohne zu erklären, inwiefern eine Regeländerung weniger selbstbewusste Frauen auf die ersten Plätze bringen oder Gewinnerinnen an ihrer Selbstverwirklichung hindern sollte.

Regeln in Deutschland 2020 angepasst

Deutschland ist hier einen Schritt weiter, wo die Bestimmungen 2020 angepasst wurden. Um den Titel der „Miss Germany“ können sich nun Frauen bewerben, die zwischen 18 und 39 Jahren alt, gerne auch schon Mütter und verheiratet sind: Gewann 2020 die 35-jährige Leonie Charlotte von Hase, Mutter eines Sohnes, so wurde in diesem Jahr die 33-jährige Zweifachmama Anja Kallenbach Siegerin.

In Frankreich beschäftigen sich nun Juristen mit der Frage, ob das französische Arbeitsrecht für den berühmtesten Schönheitswettbewerb des Landes gilt. 2013 stellte ein Gericht dies für den „Mister France“ fest – das könnte als Vorlage dienen. Eine Entscheidung vor dem 11. Dezember dürfte es nicht geben, wenn im nordfranzösischen Caen die nächste Miss France gewählt wird. Sie wird also wieder sehr jung, ledig und kinderlos sein.

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